Leuchtturm in der Dämmerung, Bild: Adobe Stock/MikLav

Düstere Aussichten? Eher eine Ansichtssache. Bild: Adobe Stock/ MikLav

Letztens stieß ich bei der Suche nach Zerstreuung auf ein Video, in dem ein Zirkusartist aus Stühlen einen hohen Turm baut und auf diesem wackeligen Stapel dann noch allerhand Turnübungen macht. Und weil dies für eine große Videoplattform offenbar noch nicht spektakulär genug ist, baute von der Decke des Zirkuszeltes zeitgleich ein weiterer Akrobat einen Stühleturm nach unten. Sie haben schon richtig verstanden; er „stand“ mit den Füßen an der Decke und stapelte scheinbar Richtung Boden. Also in Wirklichkeit hing er da natürlich irgendwie und befestigte die Stühle beim „Stapeln“ unauffällig aneinander, damit sie nicht herunterfielen. Höhepunkt war, als beide weit genug gestapelt hatten, damit der Obere dem Unteren einen Kronleuchter reichen konnte, welcher dann für den triumphalen, letzten Balanceakt als Spitze auf das „Turngerät“ kam.

So ähnlich läuft es momentan auch in der Industrie: Vom Boden aus arbeiten Pharma und Politik daran, möglichst viele Menschen geimpft zu bekommen. Und die Unternehmen sind im Prinzip der Typ, der an der Decke hängt und so tut, als wäre alles ganz normal. Wird das Kunststück glücken?

Nun, laut VDMA ist der Stühleturm zumindest im Maschinen- und Anlagenbau ziemlich wackelig. Nach einer Verbandsumfrage hat nur etwa jedes sechste Unternehmen das Geschäftsjahr 2020 mit einem Umsatzplus zwischen null und zehn Prozent abgeschlossen. Und der Rest? Dazu gibt es natürlich auch Zahlen, aber vielleicht ist es in der jetzigen Situation eine gute Idee, sich ab und an gezielt auf die positiven Seiten zu konzentrieren, um sich durch Erfolge inspirieren zu lassen.

Und Erfolge gibt es tatsächlich auch einige zu vermelden: Bei den deutschen Herstellern von Kunststoff- und Gummimaschinen beispielsweise liefen der September und Oktober 2020 so gut, dass die Auftragseinbrüche der ersten Jahreshälfte fast ausgeglichen wurden. Die ersten zehn Monate zusammengerechnet, lagen die Auftragseingänge nur drei Prozent unter dem gleichen Zeitraum in 2019. Für 2020 erwartet der Fachverband ein Umsatzwachstum von fünf Prozent. Dieser Turm steht also relativ sicher.

Auch in der allgemeinen Lufttechnik hielten sich die Umsatzrückgänge im vergangenen Jahr in Grenzen. Zum Jahreswechsel prognostizierte der Verband dieser Branche ein Umsatzwachstum von zwei Prozent für 2020.

Die Automatisierer vermeldeten auf der SPS Connect im Herbst 2020 immerhin, dass sich der schon länger andauernde Abschwung in ihrer Branche zur Mitte des Jahres 2020 abgeschwächt hat. Und die Pandemie mit all ihren Einschränkungen weckte das Interesse der Anwender an Remote-Services und erhöhte die Akzeptanz für solche Technologien.

Auch aus der Politik kommen positive Signale: So lässt der Sieg des Demokraten Joe Biden bei den US-Präsidentschaftswahlen auf mehr Stabilität und damit bessere Chancen für Unternehmer hoffen. Es läuft also an vielen Stellen ganz gut!

Wenn Sie jetzt einwenden, dass dies aber eine ziemlich einseitige Darstellung der Situation ist, haben Sie natürlich Recht. Aber das vollständige Bild mit seinen teils recht düsteren Facetten ist deutlich weniger inspirierend und sorgt eher für trübe Stimmung. Diese ist meiner Erfahrung nach wenig förderlich für den Schaffensdrang und die Kreativität, wie man sie braucht, um herausragende Lösungen und Strategien zu entwickeln. Daher möchte ich es an dieser Stelle – ausnahmsweise – dabei belassen.

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