Bernd Schwer

Bernd Schwer im Gespräch mit fluid. Bild: fluid/wk

Edelstahl-Rohrverbindungen und -Armaturen finden in der Fluidtechnik vielfältige Anwendung. Zu den etabliertesten Anbietern zählt das süd-württembergische Unternehmen Schwer Fittings.

Die fluid -Redaktion war vor Ort in Denkingen und hat mit dem Geschäftsführer und Inhaber des Familienunternehmens gesprochen.

fluid: Herr Schwer, bitte erzählen Sie uns kurz etwas zu Ihrem Unternehmen.

Bernd Schwer: Der Ursprung unseres Unternehmens liegt im Schwarzwald. Meine Eltern stammen von dort. Vor dem Krieg ist mein Vater hier in die Region gekommen. In die Region der „zehn Tausender“ übrigens, hier gibt es zehn Berge, die über tausend Meter hoch sind. Hier hat sich mein Vater in den 1930er-Jahren selbstständig gemacht und für die Flugzeugindustrie kleinere Muttern gefertigt. Nach dem Krieg wurden die Maschinen von den Franzosen abtransportiert. Er hat dann wieder bei null angefangen, mit kleinen Drehteilen, Muttern, Schrauben. 1956 hat er dann hier in Denkingen mit der Fertigung von Präzisionsdrehteilen begonnen.

Leider ist er 1961 sehr früh verstorben, ich war damals noch ein kleiner Junge. Es war für meine Mutter mit sechs Kindern sehr schwer, die Firma weiterzuführen. Das war eine sehr harte Zeit. Wir mussten die Produktion aufgeben und haben uns auf Anraten meiner Schwester Christa mehr auf den Handel gestützt. Das hat uns damals gerettet. Dann kam mein Bruder Klaus Schwer, der mit technischem Fachwissen und seinem Bemühen, die Schulden abzubauen, dem Unternehmen sehr geholfen hat.

Das Unternehmen Schwer Fittings Schwer Fittings liefert hochwertige Edelstahl-Rohrverbindungen und -Armaturen für die unterschiedlichsten Bereiche der Industrie.

fluid: Und wann kamen Sie ins Unternehmen?

Bernd Schwer: Ich kam 1974 dazu. Und brachte als Jüngster etwas Unruhe in den Betrieb. Ich habe damals mit vielen Ideen versucht, Neues einzubringen. Ich hatte nach dem Wirtschaftsabitur eine Industriekaufmann-Lehre gemacht. Ich wollte dann unbedingt in den elterlichen Betrieb, obwohl mein Lehrer gesagt hat: „Was willst Du da, da sind doch schon deine zwei Brüder. Geh Studieren, werde Lehrer.“ Aber ich habe gesagt, nein, da kann man etwas draus machen. Das war eine Vision. Ich wollte einfach nicht mehr studieren. Ich dachte, wenn ich direkt in die Praxis gehe, kann ich mehr erreichen. Und so war es auch. Mein Lehrer hatte natürlich trotzdem recht. Unter drei Brüdern gibt es auch Meinungsverschiedenheiten, die waren nicht zu vermeiden. Aber wir haben zusammen viele kleine Schritte gemacht und waren insgesamt immer erfolgreich.

fluid: Aber mittlerweile gehört Ihnen das Unternehmen Schwer Fittings doch alleine…

Bernd Schwer: Das war 1995, als wir letztendlich entschieden haben, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Ich hatte ab 1976 bereits den Bereich Fittings parallel zum Präzisionsbereich aufgebaut, trotz mancher Bedenken. Ich habe selber abends Werbeaktionen per Telex versandt, mich sehr reingehängt und so hat sich da peu a peu ein Sortiment aufgebaut. 1995 machte dann der Bereich Fittings vom Gesamtvolumen zwei Drittel aus, ein Drittel war noch Präzision. 1995 haben wir uns dann unter dem Namen Schwer Fittings GmbH selbstständig gemacht. Das war insofern eine schwierige Zeit, weil wir auch noch die Brüder auszahlen mussten. Das größte Risiko lag bei mir. Aber ich gehe eben nach dem Motto: ganz oder gar nicht. Die Entscheidung war aus heutiger Sicht in Ordnung.

fluid: Wie sind sie denn als Kaufmann mit der vielen Technik klar gekommen?

Bernd Schwer: Learning by doing. Das ganze technische Fachwissen habe ich mir in der Zeit selber angeeignet. Ich habe auch an der Drehbank gearbeitet und technische Zeichnungen selber erstellt. Wenn man nur will, kann man viel erreichen. Außerdem hatte ich ja nicht nur mit Technik zu tun. Wir haben die Schwer Ventiltechnik gegründet, es folgten Gründungen von Vertriebsfirmen im Ausland, der Vertrieb in Deutschland wurde massiv aufgebaut. Das war in den letzten Jahren eine sehr dynamische Entwicklung. Auch eine gewisse Unruhe meinerseits. Ich wollte, dass etwas geht. Ich machte mir Gedanken über die Werbung: Wie können wir die Vielzahl der verschiedenen Produktbereiche besser vermarkten? Wir haben intern umorganisiert, haben zum Beispiel Produktmanager aufgebaut, einer für Klemm-Keilringverschraubungen, einen für Schneidringverschraubungen, einen für Schlaucharmaturen, und so weiter. Das war unser Konzept schon vor zehn Jahren.

fluid: Wie sind Sie eigentlich auf das für Sie so wichtige und typische Thema Edelstahl gekommen?

Bernd Schwer:Mit Edelstahl ging es gleich zu Beginn, in den 70ern, los. Bei der Einführung des Bereichs Fittinge ging es damals vor allem um Drehteile für den Bereich Pharma, und da wurde nur über Edelstahl gesprochen. Das war damals gar nicht so einfach, denn Edelstahl ließ sich zu der Zeit nicht so leicht bearbeiten. Heute geht das wesentlich einfacher, die Technik mit Wendeplatten hat sich ja kolossal entwickelt. Am Anfang hatten wir auch noch viele Zulieferer, dann aber haben wir die Produktion immer mehr selber übernommen, in eigener Regie produziert.

Zum Beispiel den Schneidring, ein ganz wichtiges Teil, da haben wir schon vor vielen Jahren die Produktion ins eigene Haus geholt. Das sind auch Eigenkonstruktionen und ich möchte behaupten, dass es momentan auf dem Markt keinen besseren Schneidring gibt als unseren. Das sind keine leeren Worte, das können wir auch beweisen. Wir achten sehr stark auf Qualitätssicherung. Wir sprechen nicht nur über Qualität, wir leben sie, indem wir sie auch lückenlos dokumentieren. Wir haben eine komplette Rückverfolgbarkeit, jedes Einzelteil wird mit einer Nummer gelasert. Das sind alles Dinge, die zum Erfolg beigetragen haben.

fluid: Wie hat sich Ihre Firma seit 1995 entwickelt?

Bernd Schwer: Von nix kommt nix, hat mein Vater immer gesagt. Wir haben schon vor Jahren eine eigene Konstruktionsabteilung aufgebaut, die sämtliche Teile zeichnet, konstruiert, verbessert. Anfangs, in den Neunzigern, waren wir etwa 45 Mitarbeiter. Heute sind wir hier in Denkingen gut 100, weltweit sind es ungefähr 250 Mitarbeiter. Wir haben auch 16 Verkaufsniederlassungen, unter anderem in China. Wir sind auch in Dubai. Mein Sohn Marco ist Geschäftsführer in Dubai, meine Tochter Ramona Geschäftsführerin in der Schweiz, oder Präsidentin, so heißt das dort. Wir sind also gut gerüstet, andere Länder zu bedienen.
fluid: Was sind denn Ihre Hauptmärkte?

Bernd Schwer: Natürlich wollen wir auch in andere Länder, aber unser Hauptmarkt ist immer noch Baden-Württemberg. Da sind wir zuhause, da kennen wir unsere Kunden, das ist unsere Stärke. Ist ja auch ein Zentrum der deutschen Industrie. Sachsen und Bayern, ganz Deutschland ist wichtig. Da geht noch mehr, wenn wir die richtigen Mitarbeiter haben. Wir suchen gute Leute. Aber ich bin wählerisch und nehme nicht jeden. Wichtig ist es, vom Charakter den Richtigen zu finden, von der Einstellung.

Und was die Branchen unserer Kunden angeht: Wir sind eigentlich in so gut wie allen Bereichen tätig, Lebensmittel, Pharma, Umwelttechnik, Forschung, Institute, Hydraulik, Automobil, Papier, Schiff und Offshore. Eigentlich die gesamte Industrie. Wir beliefern dabei hauptsächlich direkt, zu 60 oder 70 Prozent direkt an den Kunden. Wir haben ein riesiges Standardprogramm, bieten aber natürlich auch Sonderanfertigungen an. Unsere Stärke ist unsere Flexibilität. Wir sind vor allem sehr schnell. Wir haben durch unsere verschiedenen Produktionsstandorte glücklicherweise immer wieder Möglichkeiten, etwas zu reißen. Wenn es hier nicht geht, geht es dort.

fluid: Aber mal ehrlich, in Ihrem Bereich geht es doch vorwiegend um Normteile. Das kann doch eigentlich jeder.

Bernd Schwer: Deshalb müssen Sie beim Kunden sein. Wenn Sie nicht vor Ort sind, können Sie den Kaffee nicht verkaufen, den Sie ausschenken wollen. Zweitens muss der Kaffee gut sein. Das können aber auch viele. Deshalb kommt es auf die Kleinigkeiten an. Wenn Sie Kunden haben, die auf einen Schlag hunderte verschiedene Typen Verschraubungen benötigen, und das in Kleinmengen, zehn Stück, fünf Stück – das kann nicht jeder. Wir haben sehr große Lager. Und dann wissen wir, dass die einzelnen Produkte qualitativ sehr hochwertig sind.

fluid: Was tut sich denn technisch? Bei Stahlteilen könnte man ja denken, dass sich da nicht mehr viel bewegt.

Bernd Schwer: Oh, da tut sich ständig etwas. Jeden Tag kommen neue Ideen auf den Markt. So ist das natürlich auch bei uns. Das ist ein fortwährender Prozess. Es gibt ständig neue Technologiezweige, zum Beispiel in der erneuerbaren Energie oder im Bereich Automobilbau. Leichtbau, Titan und andere Werkstoffe, die leichter sind als Stahl, da gibt es schon Entwicklungen, an die man die Produkte anpassen muss. Auch die täglichen Kundenkontakte ergeben ständig neue

fluid: Wenn ich heute mit Firmen spreche, höre ich häufig etwas von einer Verschiebung hin zu kundenindividuellen Lösungen? Ist das bei Ihnen auch so?

Bernd Schwer: Ich denke, dass diese Entwicklung überall sehr stark ist. Wenn man heute überleben will, muss man sich anpassen können. Zudem, bei Standardteilen sind die Margen ausgereizt, der Wettbewerb lässt einem da keine Luft . Vor allem Firmen, die wirtschaftlich nicht so gut dastehen, versuchen dann, über die Billigschiene weiter zu kommen. Aber wir machen da nicht mit. Man kann einfach kein gutes Produkt liefern, wenn man jeden Preis akzeptiert. Wir haben uns nie verunsichern lassen. Ich kann meine guten Leute hier nicht bezahlen, indem ich die Ware verschenke.

fluid: Sie reden ja viel mit Kunden. Ihre Erfahrung: Was treibt die Industrie derzeit am meisten um?

Bernd Schwer: Im Moment herrscht eine gewisse Ungewissheit, was die Zukunft bringt. Die Politik zeigt nicht die große Stärke, die man als Wähler erwartet. Das verunsichert auch die Wirtschaft . Es läuft wohl, aber es gibt keine klare Perspektive, wie sich das in den kommenden Jahren entwickelt. Ich bin gottseidank kein Politiker, ich kann nur schauen, das unser Rädchen, unser Uhrwerk funktioniert. Und da werde ich zusammen mit meinen Kindern alles tun, damit wir am Markt top sind. Ich bin zuversichtlich. Denn die Welt dreht sich immer. Auch in Deutschland. Wir sind innovativ und anpassungsfähig.

fluid: Und gut ausgebildet.

Bernd Schwer: Ach, man darf die Ausbildung nicht überbewerten. Klar ist die wichtig. Wir müssen aber auch fleißig sein, bescheiden, und demütig bleiben. Aus dieser Kraft kann man sich positiv entwickeln. Wenn man immer nur lernt, vergisst man leicht das Arbeiten. Das ist die Gefahr, die ich sehe: dass wir in Deutschland das Arbeiten vergessen. Wissen Sie, Ideen haben ja viele. Es geht letztendlich darum, zu tun. Tun – nicht reden. Sehen Sie sich hier um, das neue Büro sieht toll aus. Aber ich habe dafür 40 Jahre gearbeitet, und zwar nicht in diesen Räumen. Fleißig, dranbleiben, mit den Kunden neue Ideen entwickeln, mit den Kunden in Kontakt bleiben. Wenn man flexibel ist, fleißig und engagiert, dann hat man immer eine Chance.

Das Unternehmen

Schwer Fittings liefert hochwertige Edelstahl-Rohrverbindungen und -Armaturen für die unterschiedlichsten Bereiche der Industrie. Zu den selbst hergestellten Produkten zählen Verschraubungen, Kugelhähne, Ventile, Rohre und Schläuche. Die Verschraubungen und Verschraubungskomponenten sind überwiegend für gasförmige und fluidische Anwendungen vorgesehen. Ingenieure und Techniker entwickeln in Zusammenarbeit mit dem Kunden passende wirtschaftliche Lösungen. Die Werkstoffe reichen von Edelstahl bis Titan, je nach Kundenwunsch. Ob Standardteile oder komplexe Baugruppen, gut 90% der angebotenen Katalog-Artikel auf rund 1000 Seiten sind ab Lager lieferbar.

www.schwer.com