Hydrauliköl Symbolbild, Bild: fotolia/Popsy

Im Hydrauliköl liegt Potenzial für Einsparungen und besseren Maschinenbetrieb, aber auch für Probleme und Stillstände. Bild: Fotolia/Popsy

Welche Energieeinsparung ist Ihrer Ansicht nach über Energiespar-Hydrauliköle möglich?

Hydrauliköle sind Konstruktionselemente und auf den jeweiligen Anwendungsbereich abzustimmen. Da die Hydrauliksysteme sehr unterschiedlich aufgebaut sind, zum Beispiel offene Kreisläufe oder geschlossene Kreisläufe haben, kann das mögliche Energieeinsparungspotenzial unterschiedlich sein. In der Regel konnten wir in ausgewählten Feldversuchen im Bereich der Mobilhydraulik mit modernen Mehrbereichshochleistungshydraulikfluiden (HVI-Fluide) eine Kraftstoff-/Dieseleinsparung in Erdbewegungsmaschinen zwischen drei und fünf Prozent erreichen im Vergleich zu ISO-viskosen Einbereichshydraulik­ölen. Die Einsparung lag in einem verbesserten volumetrischen Wirkungsgrad durch höhere Viskosität bei Betriebstemperatur und durch geringere Dichte der Fluide und somit geringeren Strömungsverlusten.

Wolfgang Bock, Bild: Fuchs Schmierstoffe
Wolfgang Bock ist Leiter Produktmanagement bei Fuchs Schmierstoffe. Bild: Fuchs Schmierstoffe

Im Bereich der Kunststoffspritzmaschinen lagen die Einsparpotenziale in Abhängigkeit von den Spritzteilen beziehungsweise den Betriebsbedingungen zwischen zwei und fünf Prozent. Einsparpotenziale im zweistelligen Bereich sind gegebenenfalls in Modelluntersuchungen nachweisbar, jedoch auf den praktischen Einsatzfall von Hydraulikölen in der Regel so nicht übertragbar.

Geben Sie Produktinformationen zum Beispiel über zinkhaltige oder zinkfreie Additivierung oder über Ölkennzeichen wie die Öxidationsstabilität heraus? Wenn ja, wo erhält der Anwender diese Information?

In der Regel geben wir bei allen zink- und aschefreien Hydraulikölen an, dass sie zink- und aschefrei sind. Die Verwendung der Kurzbuchstaben ZAF steht für zink- und aschefreie Formulierung, in dem Fall sind die Formulierungen zinkfrei, calcium- und magnesiumfrei, haben also keine Metallkomponenten in der Formulierung und sind meist auf Phospor, Schwefel oder auf Phosphorkomponenten als Verschleißschutzadditive aufgebaut.

Welche Fehler machen Anwender bei der Auswahl des Hydrauliköls häufig und wie können sie diese vermeiden?

Die Auswahl eines optimalen Hydrauliköls sollte in Abstimmung mit dem Betreiber und dem Schmierstoffhersteller erfolgen. Je nach Anwendungsbereich gibt es ganz unterschiedliche Lösungsansätze, um den unterschiedlichen Betriebsbedingungen von Anlagen gerecht zu werden.

Sind zum Beispiel Hydrauliksysteme durch Wasser oder Metallbearbeitungsflüssigkeiten kontaminiert, treten hohe Temperaturen auf, so können detergierend beziehungsweise dispergierend wirkende Hydrauliköle hier Betriebssicherheit gewährleisten und das Wasser beziehungsweise die Kontamination feinstverteilt in Schwebe halten und dem Filter zuführen. Viele Probleme in Hydraulikanlagen treten durch Fremdkontaminationen, Wasser, Schmutz und Feuchtigkeit auf. Detergierende Hydrauliköle sind hierbei Problemlöser. Andere Probleme treten durch Verlackungen, Varnishbildung in Ventilen und Sicherheitsbauteilen auf. Auch hier zeigen detergierende Hydrauliköle Lösungsansätze auf. In diesen Fällen empfiehlt sich ebenfalls der Einsatz von hochtemperatur- und hochoxidationsstabilen Hydraulikölen.

Hydrauliköle minderer Qualität neigen zur Schlammbildung, zur Bildung von Ablagerungen und zu Systemstörungen. So sollte Wert auf die Qualität der fertig formulierten Produkte gelegt werden. Auch das Überfahren und Mischen von zinkhaltigen Hydraulikölen mit zink- und aschefreien Systemen sollte im Labor getestet werden beziehungsweise ist mit dem Schmierstoffhersteller abzusprechen.