Symbolbild Antriebstechnik, Bild: Jan Engel/fotolia

Um zu entscheiden, welche Antriebstechnik die passende ist, sind viele Faktoren einzubeziehen. Bild: Jan Engel/fotolia

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach drehzahlvariabel einsetzbaren Pumpen?

Zahn: Die Nachfrage entwickelt sich deutlich nach oben, da zum einen die Möglichkeiten und das Angebot der drehzahlvariablen Antriebe steigen und auch die Kosten für diese Art der Antriebe sehr viel attraktiver geworden sind. Zum anderen sind Kunden mittlerweile sensibilisiert für diese Technik.

Dies gilt für die meisten Branchen, wobei es eindeutig Unterschiede in den verschiedenen Anwendungsbereichen gibt. In manchen Einsatzfällen ist es allerdings auch nicht sinnvoll, drehzahlvariable Pumpen zu verwenden, weil der Anwender immer den gleichen Volumenstrom mit gleich bleibendem Druck fördern muss.

Dr. Andreas Wahl, Bild: Kamat
Dr. Andreas Wahl ist Geschäftsführer bei Kamat. Bild: Kamat

Wahl: Grundsätzlich erfreulich. Die Vorteile kommunizieren wir seit Jahren. Anfangs gab es bei dem Kunden Vorbehalte bezüglich der Zuverlässigkeit der Umrichter. Dies ist glücklicherweise überstanden, auch wenn eine umrichtergesteuerte Anlage stets höhere Anforderungen an die Steuerungstechnik und -software stellt als eine Anlage ohne Umrichter.

In explosionsgeschützten Bereichen sind die Kosten für die Umrichter sehr hoch. Dies führt leider in sehr kostensensiblen Anwendungen immer noch zu einer generell geringen Akzeptanz für die Mehrinvestition.
Eine zusätzliche Komplikation ist, dass in bestimmten Anwendungen 3,3-Kilovolt-Spannungsnetze betrieben werden – im Gegensatz zu den weiter verbreiteten 1,1-Kilovolt-Netzen. Umrichter für 3,3-Kilovolt-Spannung sind nochmals deutlich teurer und werden deswegen abgelehnt, leider. Ich hoffe, dass die Preise für 3,3-Kilovolt-Umrichter fallen werden, wie es bei vielen anderen Produkten im Laufe der Zeit auch geschieht.


In einer unserer Expertenrunden fiel dieser Satz: „Wir sehen, dass die drehzahlveränderlichen Antriebe stark im Wachsen sind im europäischen Markt.“ Können Sie dies bestätigen?

Zahn: Ja, dies kann ich bestätigen, wobei es nicht nur für den europäischen Markt gilt. Wir sehen weltweit eine steigende Nachfrage nach drehzahlvariablen Pumpen.

Wahl: Ja, der europäische Markt ist sicherlich einer der technisch anspruchsvollsten und am weitesten entwickelten in der Welt. In Europa wird oft das technisch Machbare umgesetzt, was in anderen Regionen der Erde nicht unbedingt der Fall ist. Aber auch in den USA ist die Umrichtertechnik bei Pumpenantrieb sehr weit verbreitet und „Stand der Technik“. Übrigens ist auch die Akzeptanz in China groß – allerdings eher bei Hochleistungs-Anlagen mit hohem „Prestige-Faktor“, bei denen das technisch Machbare gezeigt werden kann und soll.

„Jemand, der Wert auf niedrige Betriebs- oder Energiekosten legt, wird sich in die Richtung drehzahlveränderliche Pumpe entscheiden oder zumindest für einen vernünftigen Abschaltbetrieb.“ Würden Sie dieser Aussage so zustimmen?

Daniel Zahn, Bild: Düchting Pumpen Maschinenfabrik
Daniel Zahn sieht als Sales Director bei Düchting Pumpen Maschinenfabrik steigende Nachfrage für drehzahlvariable Pumpen. Bild: Düchting Pumpen Maschinenfabrik

Zahn: Es kommt – wie eingangs erwähnt – auf die Art der Anwendung, sprich auf das Bedarfsprofil, an. Es gibt Einsatzfälle, die keine drehzahlvariablen Pumpen erfordern. Des Weiteren gibt es auch Anwendungen, in denen komplizierte elektrische Antriebe oder größere Aufbauten ein Problem darstellen. Dort wird gerne und zu Recht weiterhin mit festen Drehzahlen oder zum Beispiel mit Riementrieben gearbeitet.
Bei Anwendungen, in denen ein sanftes An- oder Abfahren der Pumpen gewährleistet werden muss oder bei denen unterschiedliche Volumenströme oder Drücke erreicht werden müssen, sind drehzahlvariable Antriebe und Pumpen aus Sicht der Betriebs- und Energiekosten auf jeden Fall sinnvoll.
Nicht vernachlässigen sollte man auch die Servicekosten einer Pumpe – darauf zielt der letzte Satz des Statements. Drehzahlvariable Antriebe können den Verschleiß und damit die Betriebskosten reduzieren, weil die Pumpe sanft und ohne Druckschläge anfährt und abschaltet.

Wahl: Absolut – das ist auch sachlich richtig. Leider entscheiden nicht immer diejenigen über einen Einkauf, die die Anlage auch betreiben. Wer den Fokus ausschließlich auf niedrige Einkaufskosten legt, vernachlässigt die Sicht auf das Gesamtsystem und die Betriebskosten. Wenn Wert auf niedrige Betriebskosten gelegt wird, fällt die Entscheidung sinnvollerweise für die Drehzahlregelung.

Wie viel Energieeinsparung halten Sie für realistisch beim Umstellen auf drehzahlvariable Antriebe?

Zahn: In vielen Anwendungen sind Energieeinsparungen möglich und realistisch. Aber man kann keine pauschale Aussage über die Höhe möglicher Einsparungen treffen, weder als Gesamtzahl noch prozentual.
Wir liefern Pumpen mit Antriebsleistungen von kleiner zehn Kilowatt bis drei Megawatt. Die Einsparmöglichkeiten sind bei großen Pumpen natürlich deutlich höher als bei Pumpen mit kleinen Leistungen. Generell gelten die beiden Grundregeln: Je höher die Pumpenleistung, desto größer die Energieeinsparung. Und je größer die Varianz beim Volumenstrom oder beim Druck einer Pumpe im täglichen Betrieb – je größer also der Regelbedarf –, desto größer die mögliche Energieeinsparung.

Wahl: Dazu kann man seriöserweise keine pauschale Aussage machen, da die effektive Energieeinsparung stark von der Fahrweise der jeweiligen Anlage bestimmt wird. Ebenso ist die Anlagenstruktur wichtig. Deshalb muss man stets den Einzelfall betrachten. Ich halte Energieeinsparungen von etwa 30 Prozent für machbar, bei „umrichterfreundlichen“ Betriebsbedingung sogar mehr.