Ölhahn mit Knoten, Bild: © Bertold Werkmann - Fotolia.com

Um Maschinen energieeffizienter und zuverlässiger zu machen, kommt es auf das richtige Hydrauliköl an. Bild: © Bertold Werkmann - Fotolia.com

Wie wichtig ist das richtige Hydraulik-Öl für eine Maschine?
Unheimlich wichtig. Wir sollten das Hydraulik-Öl als integralen Bestandteil betrachten, weil ohne Hydraulik-Öl die Anlage nicht funktioniert. Als Konstrukteur und Anwender muss ich mir überlegen, was ich erreichen möchte, etwa nur die Basis-Anforderungen oder auch höhere Anforderungen erfüllen. Dementsprechend muss das Öl darauf abgestimmt sein.

Wie sehen Sie das in den Unternehmen? Wird dem Hydraulik-Öl schon so eine wichtige Bedeutung zugemessen?
Noch nicht richtig und auch nicht in allen Fällen. Bei einigen Kunden ja, aber in vielen Fällen nein. Und einiges, was am reinen Tisch beschlossen wird, etwa mit den Reinheitsklassen, ist im richtigen Leben in einer Werkstatt schwer umsetzbar; oder kann dort stark beeinflusst werden. Mein Team und ich sind hier Aufklärer und Berater.

Sie gehen zu den Unternehmen und sagen, wenn sie ein anderes Hydraulik-Öl genommen hätten, dann wäre das nicht passiert.
Idealerweise sind wir vorher beim Kunden, sodass alles entsprechend der Vorstellungen läuft. Im letzten Jahr haben wir ungefähr 10.000 Anrufe über unseren Technischen Helpdesk gekriegt, und das waren nur die Fälle mit Industrie-Öl. Teilweise werden wir angesprochen und angefragt und teilweise gehen wir auch proaktiv von unserer Seite in die Unternehmen.

Jörg Spanke, Bild: fluid
Jörg Spanke ist bei Shell verantwortlich für den Schmierstoff Technischen Außendienst und den Technischen Helpdesk in West- und Nordeuropa. Bild: fluid

Was müssen Unternehmen beim Hydraulik-Öl beachten?
Das Wichtigste ist, dass man sich überlegt, was möchte ich mit der Anlage erreichen und wie. Möchte ich Basisanforderung wie zum Beispiel Zuverlässigkeit erfüllen, oder möchte ich die höchste Verfügbarkeit der Anlage haben, oder Letzteres und dazu noch Energieeffizienz.

Abhängig davon, was und wie ich es erreichen möchte, muss das Hydraulik-Öl dementsprechend gewählt werden. Da gibt es jetzt viele Unterkriterien, auf was man beim Öl achten muss: Ölstandzeiten, Oxidationsverhalten, Verschleißverhalten, potenzielle Energieeinsparung und so weiter.

Was sind denn die Vorteile von Mineralölen zu Bio-Ölen?
Generell ist es so, dass Öl zum größten Teil aus Grundölen besteht. Diese Grundöle sind in verschiedene Gruppen einsortiert. Die Hauptkriterien für diese Einordnung sind Schwefelgehalt, der Anteil der gesättigten Komponenten und der Viskositätsindex, das heißt, wie abhängig ist die Viskosität das Öls von der Temperatur.

In die Gruppe 1 fallen zum Beispiel nicht so hochwertige Mineralöle, die eine sehr hohe Spannbreite im Schwefelgehalt haben. Außerdem haben sie relativ wenig gesättigte Komponenten, was nicht so gut für die Oxidationsstabilität ist, und der Viskositätsindex ist nicht so hoch.

Wenn sie jetzt die Gruppe 2 nehmen, da haben wir zum Beispiel einen wesentlich niedrigeren Schwefelgehalt, was positiv ist. Sie haben viel mehr gesättigte Komponenten, die die Öl-Lebensdauer verlängern.

Die Öle in Gruppe 3 erfüllen alle Eigenschaften der Gruppe 2 und sind weniger temperaturabhängig, der Viskositätsindex ist höher und damit können sie unheimlich viel in der Anlage machen. Sie können etwa bei niedrigeren Temperaturen dünnflüssigeres Öl nehmen, was das Anlaufen der Anlage bei diesen Temperaturen erleichtert, ohne dass Sie riskieren, dass die Anlage Verschleißprobleme bei höheren Temperaturen hat.

Sind die Mineralöl-Vorkommnisse irgendwann erschöpft?
Die Ressourcen sind endlich, aber es ist nicht abzusehen, dass wir in absehbarer Zeit keine Grundöle mehr haben.

Und wie sieht es mit den Bio-Ölen aus?

Jedes Öl ist biologisch abbaubar, es ist nur eine Frage der Zeit. Es gibt Europäische Kriterien, ab wann Sie ein Öl als biologisch abbaubar bezeichnen können. Bei dieser Debatte spielt auch das mögliche Ölwechselintervall eine Rolle. Wenn sie ein doppelt so langes Ölwechselintervall haben, haben sie nur halb so viel Altöl-Anfall. Man muss dieses Thema also übergreifend betrachten.

Welche Trends sehen Sie im Bereich Hydraulik-Ölen?
Die Anforderungen werden klar anspruchsvoller. Die Maschinen werden insbesondere im mobilen Bereich kleiner, die Temperaturen steigen und die Öl-Umlaufvolumina werden kleiner. Das heißt, dass weniger Öl eine höhere Leistung erbringen muss. Der Trend geht klar zu höherwertigen Grundölen.

Die Öle der Gruppe 1 decken im Moment einen großen Anteil des Bedarfs ab. Die Reise wird aber mehr zu Grundölen der Gruppe 2 und 3 gehen. Denn die erhöhten Anforderungen müssen mit höherwertigen Grundölen erfüllt werden.