Dr. Bernd Garbe

Dr. Bernd Garbe ist Global Executive Officer Service KSB und Geschäftsführer von KSB Service GmbH. Das Unternehmen hat auf der Achema das Reverse Engineering vorgestellt. Das bedeutet, KSB konstruiert Ersatzeile für Produkte fremder Hersteller, die nicht mehr existieren, nach. Bild: KSB Service GmbH

 fluid: Herr Dr. Garbe, der Spezialist für Pumpen und Armaturen KSB betreibt seit Mitte der neunziger Jahre den After Sales Service in einer eigenen Gesellschaft. Was waren dafür die Beweggründe?

Der wesentliche Beweggrund war, dass das Service-Geschäft ein schnelles und flexibles Geschäft ist, während große Gesellschaften bei der Einstellung von Personal und auch generell bei den Prozessen langsamer sind. Wir brauchten also mehr Flexibilität. Eigene Service-Gesellschaften haben wir übrigens nicht nur in Deutschland gegründet, sondern auch in anderen Ländern, in denen wir größere Gesellschaften haben, wie beispielsweise in Frankreich. Die Ausgliederung hat sich bewährt. Wir haben jedes Jahr zweistellige Wachstumsraten erzielt, weil sich die Mannschaft zu hundert Prozent auf den Service konzentrieren konnte.

fluid: Wie sieht es denn aktuell mit der Gewinnsteigerung aus? Merken Sie ein leichtes Einknicken durch die Märkte in Europa?

Ja, auf jeden Fall. Die größten Bauchschmerzen bereiten uns die Entwicklungen im Energiegeschäft. Das ist einer unserer Kernmärkte, und durch das Zurückfahren der Kernkraft und die zunehmende Diskussion um den Ausstieg aus der Kohle haben wir vor allem hier in Deutschland ein Problem, unser aktuelles Umsatzniveau zu halten.

fluid: Sie tüfteln aber an neuen Märkten und Marktsegmenten, oder?

Daran tüfteln wir schon längere Zeit. Wir haben unsere Organisation entsprechend angepasst, sodass wir uns heute in Deutschland verstärkt um die anderen Endbetreiber und Endkunden kümmern, insbesondere um diejenigen, die in der mittleren und höheren Technik unterwegs sind. Das sind Chemiebetriebe, Raffinerien und Prozessindustrien, aber auch die Bereiche Wasser und Abwasser. Wir wachsen momentan in Deutschland nicht mehr zweistellig, aber wir haben den Umsatz in Summe relativ stabil gehalten.

fluid: Haben Sie den Eindruck, dass das Servicegeschäft in der Fluidbranche stiefmütterlich behandelt wird?

Dass das Servicegeschäft stiefmütterlich behandelt wird, kann ich für unsere Branche in Summe nicht sagen. Unsere Hauptwettbewerber haben alle ein starkes Servicegeschäft, insbesondere diejenigen, die zu einem größeren Konzern gehören. Bei kleinen Unternehmen, die sich weltweite Servicestrukturen in der Form gar nicht leisten können, weil sie nicht weltweit präsent sind, trifft dies aber schon zu.

fluid: Welche Services bieten Sie denn genau an und was bieten Sie mehr als Ihr Wettbewerb?

Unser Service-Portfolio ist sehr umfangreich. Das Ganze fängt an mit der Ersatzteilversorgung, dem Inspektionsservice, der Wartung und Instandsetzung. Wir betreiben Schadensanalysen, wir bieten Systemeffizienzmessungen, bis hin zum sogenannten Total Pump Management, also wenn ein Kunde das gesamte Handling der eingebauten Pumpen durch uns betreuen lässt. Wir haben ein Servicegeschäft, das modular aufgebaut ist und bieten die komplette Bandbreite für das Pumpen- und Armaturengeschäft als auch Service für das komplette Rotating Equipment für Produkte, die nicht unbedingt aus dem KSB-Portfolio kommen. So ein breites Leistungsspektrum hat unser Wettbewerber in der Form nicht.

fluid: Welcher Bereich wird denn am besten angenommen?

Im Wesentlichen sind das Inspektion und Instandsetzung im Servicecenter oder vor Ort. Das sind die klassischen Reparaturleistungen, mit denen wir den größten Umsatz erzielen. Inspektionsservice heißt, wir haben Tausende von Rahmenverträgen, wo wir uns in regelmäßigen Abständen die Pumpen anschauen, ob sie noch in Ordnung sind. Dann haben wir das Werkstattgeschäft. Was momentan am Kommen ist und ganz aktuell ist, ist das Thema Energieeffizienz. Wir gehen in die Anlagen und sagen dem Kunden, welche Pumpe zu viel Strom braucht und legen ihm eine entsprechende Kalkulation über die Payback-Zeit über neue oder angepasste Pumpen mit geringerem Energieverbrauch vor.

fluid: Wo sehen Sie den Markt in fünf bis zehn Jahren?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, weil es unterschiedliche Tendenzen in den Ländern gibt. Ich glaube aber, dass der Servicebedarf weiter wächst. Insbesondere denke ich, dass Industrie 4.0 der wesentliche Zukunfstrend ist, der sich durchsetzen wird. Dazu gehört, dass die Anlagen immer mehr vernetzt sind und überwacht werden, und dass die Online-Anbindung der einzelnen Komponenten zunimmt, sodass man Störungen frühzeitig erkennen und Serviceeinsätze schon Tage oder Wochen im Voraus planen kann. Man muss sich also darauf einrichten, dass alles schneller mit kürzeren Lieferzeiten und kürzeren Einsätzen behandelt werden muss.

Was sich auch massiv ändern wird: Die Märkte, die mit nuklearen und fossilen Kraftwerken zu tun haben, werden sich zumindest in Europa massiv reduzieren. Auf der anderen Seite treiben andere Länder wie China oder Indien das Thema massiv voran. Und in Frankreich ist die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke schon verabschiedet worden. Wir müssen uns also hinsichtlich unserer Serviceleistung Land für Land darauf einstellen.

Das Interview führte Angela Unger, Redaktion