Fakuma

Bild: Schall Messen

Dem Hype um die additive-generative Fertigung auf der Basis von 3D-Drucktechnologien folgt nun die industrielle Umsetzbarkeit und die hängt wesentlich ab von neuen Werkstoffen oder Materialien“, erklärt Paul Eberhard Schall, Geschäftsführer vom Messeveranstalter Schall und Fakuma-Legende.

Werkzeugeinsätze

Live auf dem Boy-Messestand entstehen in kürzester Zeit neue Werkzeugeinsätze auf einem 3D-Drucker. Die Einsätze werden dann in ein Trägerwerkzeug auf einer Boy XS eingesetzt und die Produktion von praktischen Karabinerhaken aus diversen Materialien startet. Bild: Boy

Schall spricht hier einen Trend an: Ausgehend von der stark zunehmenden Materialvielfalt und speziell auf Funktionen zugeschnittenen Material-Eigenschaften, dürfte die Verbreitung der 3D-Verfahren in den nächsten Jahren rasant zunehmen und das Angebot an kunststoffverarbeitenden Fertigungsverfahren weiter vergrößern. „Obgleich 3D-Druck-Vorfahren wie STL und Laser-Sintern schon seit über zwanzig Jahren zum Ausstellungs-Portfolio der Fakuma gehören“, relativiert Schall.

„Des Weiteren nimmt das Präzisions-Mikrospritzgiessen noch mehr Raum ein und dasselbe gilt für das Präzisions-Thermoformen“, zählt Schall weitere Trends auf, die auch die Fakuma 2015 bestimmen werden. „Bei diesen Verfahren kommen additiv-generative Fertigungsverfahren auf der Grundlage von Metallpulververarbeitung zum Tragen, in dem sich neue Möglichkeiten bei der Werkzeug-Herstellung bezüglich konturnaher Kühlsysteme, dünnerer Wandungen an den Kunststoffteilen, mehr Funktionsintegration oder auch Design ergeben.

Kunststoffbe- und -verarbeitung

Anwender können sich auf der Fakuma über alle für die Kunststoffbe- und -verarbeitung relevanten Verfahren, Maschinen und Werkzeuge gezielt informieren. Bild: Schall Messen

Ansonsten steht Ressourcenschonung durch weniger Materialeinsatz auf der Agenda und dasselbe gilt für das Generalthema Energieeffizienz, weshalb immer mehr Produktionssysteme rein elektrisch betrieben werden“, ergänzt Schall.

Full House mit Ausstellerforum und Sonderschau

Zur 24. Fakuma darf sich die Fakuma-Legende Schall auf 1627 Aussteller aus 37 Nationen und schätzungsweise 45.000 Fachbesucher aus mehr als 100 Ländern freuen. Damit ist die Fakuma internationaler denn je aufgestellt.

Naturgemäß steht Deutschland mit 1045 Ausstellern an der Spitze, gefolgt von Italien (109), Schweiz (105), Österreich (64), Frankreich (50), China (43), Portugal (29), Niederlande (27) Tschechien (20) und Türkei (17). „Der Anteil an ausländischen Ausstellern steigt somit auf über ein Drittel an und wir erwarten diesbezüglich für die kommenden Jahre eine weitere Steigerung“, erklärt Schall begeistert.

3D-Druck-Verfahren

3D-Druck-Verfahren sind wieder ein Highlight auf der Fakuma. Bild: Schall Messe

Bleibt abzuwarten, wie sich die 85.000 Quadratmeter Messefläche und zwölf Messehallen dann verteilen werden. Das Foyer Ost beherbergt jedenfalls auch in diesem Jahr wieder das beliebte Ausstellerforum, zu dem sich laut Schall bis heute schon eine große Anzahl an Fachleuten mit Vorträgen und Referaten angemeldet haben. Hier können sich teilnehmende Aussteller in vierzigminütigen Vorträgen vorstellen.

Zusätzlich wird es im Foyer West eine Sonderschau geben, die als Thermoformerinsel konzipiert ist und über die Technologie Thermoformen in allen Ausprägungen informiert. Der Gemeinschaftsstand hat das Ziel, den potenziellen Anwendern die Thermoform-Verfahren näher zu bringen; zumal sich modernes Thermoforming nun in Genauigkeits-Bereichen bewegt, die vor kurzem noch als nicht machbar galten.

Produktneuheiten

Was mit neuen Produkten alles machbar ist, hat fluid anhand einiger Beispiele in aller Kürze für Sie herausgesucht. Je nach Anforderungen der verschiedenen Branchen-Segmente (Verpackung, Konsumgüter, Technische Teile, Medizintechnik-Komponenten, Bauelemente) mögen sich die technischen Lösungen der Fakuma-Aussteller zwar unterscheiden, jedoch geht es im Grunde immer um Material- und Energieeffizienz sowie natürlich Produktivität:

Arburg präsentiert sich in Halle A3, Stand A3-3101 über die Maschinentechnik hinaus als Fertigungssystemlieferant für die Kunststoffteileproduktion. In Halle A3, Stand 3101, sind acht Allrounder und drei Freeformer, das Arburg Leitrechnersystem ALS und integrierte Automation zu sehen. Produktionseffiziente Anwendungen zeigen aktuelle Branchentrends. Ein Highlight ist das Individualisieren von Großserienteilen durch Kombination von Spritzgießen und additiver Fertigung inklusive Vernetzung mit Industrie 4.0-Technologien.

„Die Verwendung von additiv gedruckten Werkzeugeinsätzen ist unser Ansatz in die 3D-Welt“, so Michael Kleinebrahm, Leiter der Boy-Anwendungstechnik. So entstehen live auf dem Boy-Messestand (Halle A7, Stand A7-7101) in kürzester Zeit neue Werkzeugeinsätze auf einem 3D-Drucker. Diese Einsätze werden dann in ein Trägerwerkzeug auf einer Boy XS eingesetzt und die Produktion von praktischen Karabinerhaken aus diversen Materialien startet. Werkzeugstandzeiten bis zu 100 Schuss sind problemlos möglich, und der Wechsel von neuen Einsätzen erfolgt in wenigen Minuten.

neue Baureihe

Auf der Fakuma 2015 stellt L&R Kältetechnik nicht nur unterschiedliche effizienzsteigernde Maßnahmen der Kälteerzeugung vor, sondern auch mit Ecopro eine ganz neue Baureihe. Bild: L&R Kältetechnik

L&R Kältetechnik wird in Halle A5, Stand A5-5308 nicht nur unterschiedliche effizienzsteigernde Maßnahmen der Kälteerzeugung vorstellen, sondern auch mit Eco-Pro eine ganz neue Baureihe vorstellen, die sich durch innovative Konstruktionsmerkmale auszeichnet.

Bei den Kernkomponenten – Verdichter, Wärmetauscher, Kondensator, Pumpenantriebe, Einspritzventil – kommen neueste, hoch effiziente Produktgenerationen zum Einsatz. Die L&R-eigene Steuerungstechnik schafft die Voraussetzung für das Zusammenspiel aller Komponenten – und für eine bedarfsgerechte Kälteerzeugung auch und gerade bei ungleichmäßigem Kältebedarf.

Für die Herstellung von Thermoschalter-Gehäusen präsentiert Engel in Halle A5, Stand A5-5204 erstmalig einen hochintegrierten, vollautomatisierten Prozess – vom Rohmaterial bis zu vollständig geprüften und beschrifteten Metall/Kunststoff-Verbundbauteilen. Herzstück der Fertigungszelle ist eine Engel insert 60V/35 single Vertikalmaschine. Dem Spritzgießprozess vorgelagert sind der Bandabwickler, ein Pressmodul sowie ein Bearbeitungsmodul zum Formen eines Gewindes, nachgelagert die Qualitätskontrolle, die Laserbeschriftung und ein weiteres Pressmodul.

Bayer MaterialScience tritt in Halle B4, Stand B4-4206 zum ersten Mal unter seinem neuen Namen Covestro auf. Bei Polycarbonaten, einer wichtigen Produktgruppe des Unternehmens, spielt die Einfärbung eine zentrale Rolle, wenn daraus wettbewerbsfähige funktionale Teile hergestellt werden sollen. Heute sind verschiedenste Farbtöne möglich, außerdem Fluoreszenz-Effekte sowie transparent und transluzent eingefärbte Produkte. Das Portfolio wird ergänzt um UV- und lichtbeständige sowie maßgeschneiderte infrarot-absorbierende Typen.

Gimatic präsentiert in Halle A7, Stand 7204 Innovationen aus seinem Mechatronik-Baukasten. Darunter stehen besonders zwei neue Optionen im Fokus: Die Mechatronik-Greifer mit Greifkraftvorgabe und mit direkter Erfassung der Backenposition.

Info

Fakuma Hallen

Bild: Schall Messen

Öffnungszeiten & Tickets
Dauer: 13.10.-17.10.2015
Veranstaltungsort:
Messe Friedrichshafen, Neue Messe, 88046 Friedrichshafen
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr, Samstag 9-15 Uhr
Eintrittspreise:
Tageskarte 28 Euro,
ermässigte Tageskarte 20 Euro, 2-Tageskarte 45 Euro

 

fluid hakt nach

Paul Eberhard Schall

Fakuma-Legende Paul Eberhard Schall erwartet die 24. Ausgabe der Fakuma. Bild: Schall Messen

Vier Fragen an Paul Eberhard Schall, Geschäftsführer von Schall Messen

Dieses Jahr geht die Fakuma in ihre 24. Auflage. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Wenn Sie so wollen, steht die 24. Fakuma stellvertretend für Kunststoffverarbeitung 24.0. Wir konzentrieren uns auf die Präsentation des aktuellen Weltangebots an Kunststofftechnik als Technologie- und Verfahrens-Mix mit Praxis-Orientierung. Darüber hinaus sehen wir es als unsere ureigene Aufgabe an, den Fachbesuchern schon frühzeitig den Blick über den Tellerrand hinaus zu ermöglichen.

So geschehen in den vergangenen 25 Jahren und bis heute, in dem wir die Vorläufer der additiv-generativen 3D-Druckverfahren wie STL, FDM, SLS, SLM und dergleichen mehr als zur Kunststoffverarbeitung komplementäre „Satelliten-Technologien“ ansahen, noch bevor sie in der industriellen Breite genutzt wurden.

2014 hatte die Fakuma ihr letztes Rekordjahr. Der letzte Rekord liegt mit dem Jahr 2008 jedoch sechs Jahre zurück…

Sogenannte Rekorde bergen immer die Gefahr, noch eins drauflegen zu müssen, um nicht ins vermeintliche Hintertreffen zu geraten. 2008 hatte, wie wir heute wissen, mit der Realität nicht viel zu tun, 2014 dagegen hatte qualitativ also hinsichtlich Nachmesse-Geschäft für die Aussteller viel mehr Substanz und Bestand.

Mit der erneut kompletten Belegung der Messe Friedrichshafen und Full House in allen Hallen sowie Reserveflächen sind wir am Anschlag. Deshalb nutzen wir die für weitere potenzielle Aussteller leider hinderliche, für uns jedoch eher komfortable Situation für qualitatives Wachstum und setzen auf mehr Internationalität.

Wie ordnen Sie den Standort Bodensee für den Erfolg der Fakuma ein?

Das Dreiländereck D/A/CH am Bodensee gilt seit jeher als hochtechnisierte Region, in der sehr viele mittelständische und auch große unter anderem kunststoffverarbeitende Industriebetriebe sowie vor allem viele Werkzeugbau-Unternehmen angesiedelt sind. Hinzu kommt die Nähe zur weiteren Schweiz, zu den weiteren österreichischen sowie osteuropäischen Regionen und schließlich zu Norditalien mit seiner starken kunststoffverarbeitenden Industrie.

Das hier quasi vor Ort anzutreffende Potenzial anspruchsvoller Kunden zieht wie ein Magnet die leistungsfähigen Hersteller und Anbieter des Equipments für die Kunststoffverarbeitung an. Deshalb ist hier das Weltangebot an Maschinen, Werkzeugen, Peripheriegerät und Materialien anzutreffen, wofür sich natürlich auch die Fachbesucher aus aller Welt mehr als nur interessieren.

Haben Sie Visionen, in welchen Punkten Sie die Fakuma noch weiterentwickeln möchten?

Wie schon angedeutet, streben wir nach qualitativem und weniger nach quantitativem Wachstum. Die jüngere Geschichte bei einigen Messen mit nur zum Teil komplementären Themen, die sich mit Entwicklung, Prototyping und Formen-/Werkzeugbau befassen, zeigt gnadenlos auf, was passiert, wenn man die Bedürfnisse des Marktes falsch einschätzt oder gar ignoriert.

Wir bleiben mit der Fakuma klar auf Nomenklatur-Kurs und setzen, zusammen mit dem Aussteller-Beirat, auf eine zwar kontinuierliche, aber nicht kurzen Trends folgende Entwicklung, und das ausgehend von innovativen, jedoch der kunststoffverarbeitenden Industrie Nutzen versprechenden Technologien und Verfahren – Experimente sicher nicht ausgeschlossen, aber zuvor sorgsam die möglichen Auswirkungen oder Folgen hinterfragt!

Das Interview führt Florian Blum, Redaktion