Mähdrescher Virginia Reaper, Bild: Wikimedia.org

1831 erfand Cyrus McCormick den Mähdrescher Virginia Reaper, um die Erntearbeit zu erleichtern. Bild: Wikimedia.org

Ein Acre sind knapp 4047 Quadratkilometer. Und das sind knapp zwei Drittel eines Fußballfeldes. Diese Feldfläche mussten Bauern bis in die 1830er-Jahre mühsam mit der Sichel schneiden. Das wollte Farmersohn Cyrus McCormick aus Virginia ändern. In der Landmaschinenwerkstatt seines Vaters erfand er zusammen mit seinem Bruder um 1831 eine Mähmaschine, die von Pferden gezogen wurde. Damit die Tiere das Getreide nicht niedertraten, wurde die Schneidevorrichtung seitlich angebracht. Die erste Mähmaschine, Virginia-Reaper, schaffte schließlich ein Acre in zwei Stunden. Das Besondere an dem neuen Gerät war die Dreschtechnik. Bewegliche Klingen zwischen sogenannten Fingern klemmten während des Fahrens Getreidehalme zwischen Klinge und Finger ein, um sie gezielt im Mähbalken zu schneiden.

Balkenmähdrescher, Bild: Robert N. Dennis, Wikimedia.org
Ein erster Balkenmähdrescher von McCormick um 1831. Dieser wurde von 33 Pferden gezogen. Der Mähdrescher war dabei seitlich angebracht, damit die vielen Tiere nicht das Getreide niedertrampelten. Bild: Robert N. Dennis, Wikimedia.org

1834 meldete McCormick seine Maschine zum Patent an. Trotzdem tüftelte er weiter und entwickelt sechs Jahre später eine Maschine, die einen Acre in damals unglaublichen 90 Minuten abernten konnte. Damit revolutionierte der amerikanische Erfinder die Erntetechnik nachhaltig. Die Nachfrage war groß. 1847 gründete er mit seinen Brüdern die McCormick Harvesting Machine Company in Chicago. Gut zehn Jahre später wurde sie zur größten amerikanischen Firma für Farmer-Bedarf.

In Deutschland dauerte es jedoch noch Jahrzehnte, bis sich die Geräte auch hier durchsetzten. Ein wesentlicher Grund dafür, waren die vielen Landarbeiter, die für einen geringen Lohn auf den Feldern arbeiteten.

Deutsche Evolution

Schließlich baute das Unternehmen seine Mähdreschertechnik kontinuierlich aus. Ab 1942 folgte ein Mähdrescher, vorangetrieben mit einem Quer-Längsfluss-Verfahren. Hier wird das Getreide im Querfluss gedroschen und im Längsfluss aus der Maschine gefördert. Ab 1958 erhielt er eine hydraulische Bedienung. Mit dieser war es dem Fahrzeugführer mit Hilfe eines Hydrauliksteuergerätes auf dem Traktor möglich, die Grundeinstellungen des angehängten Mähdreschers zu bedienen.

1953 erschien parallel der erste selbstfahrende Mähdrescher. Der Claas Mähdrescher Selbstfahrer, kurz SF, arbeitete nach dem Längsfluss-Verfahren und hatte eine eigens entwickelte Hydraulik und einen luftgekühlten 4-Zylinder-Motor an Bord. Der SF war 4,20 Meter breit und enorm vielseitig. Er verarbeitete neben den bekannten Getreidearten auch problemlos Erbsen, Raps, Mais, Klee, Grassamen und andere Spezialsämereien. Danach folgten verschiedene Mähdreschermodelle für die individuellen Ansprüche der Landwirte. So zum Beispiel 1961, als das Unternehmen die Großmähdrescher-Serie mit dem Modell Matador weiter ausbaute. Dieser hatte eine Arbeitsbreite von sechs Metern, einen 87-PS-Diesel-Motor und einen Korntank mit 2690 Liter Fassungsvermögen.

Mähdrescher MDB, Bild: Claas
Die ersten Claas Versuchs-Mähdrescher mit integriertem Schlepper, bei dem im Frontschnitt gemäht wurde. Das abgeschnittene Getreide wurde hinter dem Schlepper ausgedroschen. Bild: Claas

Intelligente Erntehelfer

Nach den Anfängen mit Sichel, Pferd und erstem Mähdrescher mit Motor, sind heutige Landmaschinen zu intelligenten Hightech-Erntehelfern geworden. So werden Mähmaschinen mit GPS-Steuerungen ausgestattet, um ihre exakte Position zu bestimmen. Damit wird eine saubere Schnittkante und das Ansetzen der nächsten Schnittkante direkt daneben exakt bestimmt.

Seit 2012 macht das System Cemos Automatic von Claas eine vollautomatische Maschinenstellung möglich. Das System führt die optimalen Maschineneinstellungen eigenständig durch, reguliert durchgehend Restkornabscheidung und Reinigung und passt die Maschine permanent an die Erntebedingungen im Tagesverlauf an. Dadurch soll vor allem die Ernte verbessert werden. Nach einer Claas-Praxisstudie stellte sich heraus, dass sich mit dem vollautomatischen System die Druschgeschwindigkeit um 0,3 auf 0,8 km/h erhöhte und die Durchsatzleistung demnach um sieben bis 16 Prozent anstieg.

Der Erfinder: Cyrus McCormick

Cyrus McCormick (*15.2.1809 – † 13.5.1884) revolutionierte mit seiner Entwicklung die Erntetechnik. Bild: Wikimedia.org

Cyrus McCormick wurde am 15. Februar 1809 in Virginia geboren. Schon sein Vater betätigte sich nebenberuflich als Erfinder – allerdings mit wenig Erfolg. McCormick zeigte seinen Erfindergeist 1824 mit der Konstruktion einer kompakten Aufnahmevorrichtung für die Getreideernte. 1831 übernahm er Pläne seines Vaters und entwickelte den „Virginia-Reaper“. Er erhielt 1834 das Patent für seine Mähmaschine. 1847 gründete er die McCormick Harvesting Machine Company und meldete ein Jahr später ein Patent für eine Mähmaschine mit Kutschbock an. 1858 folgte das Patent für eine Mähmaschine mit automatischem Rechen.