Karl-Heinz Lochner

Karl-Heinz Lochner von Sensor-Technik Wiedemann ist besonders stolz darauf, dass man den Kunden ein komplettes System für die Elektrifizierung von mobilen Arbeitsmaschinen zur Verfügung stellen kann: von der powerMELA-140 kW-Maschine über den CAN-Bus-Drucktransmitter bis hin zum CAN-Bus-Temperatursensor. Er steht auch zu der Aussage, dass man fast alle kundenspezifischen Anforderungen verwirklichen könne.

fluid: Die Druckmesstechnik bei Sensor-Technik Wiedemann ist beinahe so alt wie das Unternehmen selbst. Bitte kurz die wesentlichen Meilensteine in der knapp 30-jährigen Entwicklungsgeschichte.

Nicht nur beinahe. Das erste Produkt nach Firmengründung 1985 war ein hochpräziser Transmitter für Wasserstandsmessungen. Danach ging es weiter mit folgenden Meilensteinen: 1989: Einstieg in die Entwicklung und Fertigung von elektronischen Steuerungen für mobile Arbeitsmaschinen. 1994: Gründung der Firma Kaufbeurer Mikrosysteme Wiedemann GmbH (KMW) im Dezember. Ziel: Entwicklung und Produktion eigener Druckmesszellen auf Metall mit Dünnschichttechnik. 1995: Zertifizierung der Firmen nach DIN EN ISO 9001. 2001: Gründung einer eigenen Niederlassung in den USA, Norcross, Georgia (Atlanta) und in England, Pavenham, Nähe Bedford.

Start der Entwicklung von Elektromaschinen mit hoher Leistungsdichte (MELA). 2003: Zertifizierung der Firmen nach ISO/TS 16949. 2004: Neubau und Bezug des eigenen Gebäudes für die Herstellung von Dünnschichtsensoren mit 400 m2 Reinraum. 2007: Erweiterung der Produktionsfläche für die Elektronikproduktion. 2008: Erweiterung der Produktpalette durch Teleservice, Hybridsysteme und Anwendungen für Elektrofahrzeuge. 2009: Bau eines Test- und Prüfgebäudes für Hybridsysteme. 2012: Auslieferung erster Safety-Drucktransmitter. 2015: 30-jähriges Firmenjubiläum.

fluid: Welchen Stellenwert nimmt heute im Gesamt-Portfolio von STW speziell die Sparte Messtechnik und Sensorik ein?

Der Bereich Messtechnik und Sensorik stellt unser zweitstärkstes Geschäftsfeld dar. Somit ist dieser Bereich neben unseren Geschäftsfeldern Steuerungstechnik, Teleservice und Hybridsysteme ein fester Bestandteil unseres Produktportfolios.

fluid: Welchen Warenkorb bieten Sie in dieser Sparte an?

Da gibt es den Bereich der Dünnschichttechnik (DST) mit unseren Messzellen für die Druckmesstechnik. Kraftsensorik und Projekte mit mehrlagigen Dünnschichtaufbauten werden aktuell weiter ausgebaut. Beispielsweise haben wir für einen Kunden einen Flusssensor mit DST entwickelt. Durch unseren Baukasten für die Druckmesstechnik sind wir in der Lage, Sensoren und Drucktransmitter für die unterschiedlichsten Anwendungen kurzfristig zu liefern.

Mit unseren neuen Produkten F01 und F02 haben wir jetzt auch Transmitter zur Verfügung, die gemäß den Normen IEC 61508 (SIL2), ISO 26262 (ASIL B) und ISO 13849-1 (PL d Cat. 2) zertifiziert sind. Auch haben wir in einer kundenspezifischen Entwicklung bereits einen SIL3-Drucktransmitter realisiert. Atex-Varianten werden zukünftig dieses Portfolio ergänzen. Mit dem neu überarbeiteten NGS2 bieten wir einen 3-achsigen Gyroskop-Sensor mit integrierter Beschleunigungs- und Neigungsmessung an.

fluid: Welche Druckbereiche decken Sie mit Ihren Komponenten ab?

Kurz und knapp: 0,1 bis 3000 bar.

fluid: Sie stellen dem Anwender für die Druckmesstechnik die drei wichtigsten Membrantypen zur Verfügung. Wann ist welche Messzelle sinnvoll?

Siliziummesszellen verbauen wir in unterschiedlichen Bauformen und überwiegend für niedrige Druckbereiche. Varianten mit passiver Seite zum Medium sind preiswert und haben eine sehr kleine Bauform. Sie werden bei uns hauptsächlich für Druckschalter im Pneumatik-Bereich eingesetzt. Varianten mit Edelstahlvorlage haben eine hohe Medienverträglichkeit und werden unter anderem für frontbündige Anwendungen benötigt. Sie werden beispielsweise in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Keramikmesszellen haben ebenfalls eine hohe Medienverträglichkeit und sind auch für Absolutdruck verfügbar. Einsatzbereiche sind neben Hydraulik- und Pneumatikanlagen, chemische und verfahrenstechnische Anlagen.

Dünnschichtmesszellen aus hochwertigem Edelstahl werden wegen ihrer hohen Temperatur- und Medienverträglichkeit, ihrer Lastwechsel- und Überlastfestigkeit und ihrer Linearität und Langzeitstabilität in allen Bereichen von mobilen Arbeitsmaschinen, Sonderfahrzeugen und dem Nutzfahrzeugbereich eingesetzt. Bei typischen Anwendungen in der Druckmessung überschneiden sich die Einsatzmöglichkeiten der unterschiedlichen Membrantypen. Deshalb ist es immer von Vorteil, den Einsatzbereich des Sensors zu kennen, um die für die Anwendung beste Lösung anbieten zu können.

fluid: Welche Rolle spielt in der Druckmesstechnik speziell die Hydraulikindustrie als Abnehmerbranche?

Aktuell ist die Hydraulikindustrie für uns immer noch der größte Abnehmer. In den dort vorhandenen Druckbereichen können unsere Transmitter mit DST-Messzellen ihre Vorteile voll ausspielen. Jedoch gewinnen andere Märkte wie zum Beispiel die Medizintechnik oder Spezialanwendungen wie die Zylinderdruckmessung immer mehr an Bedeutung.

fluid: Welche Anwenderbranchen sind für Sie sonst noch wichtig?

Unsere Märkte sind die Agrartechnik, Baumaschinen, Spezialfahrzeuge, Automobilindustrie, Industrietechnik, Medizintechnik, Tief- und Tagebau, Kraftwerks- und Motorenbau und viele andere. Grundsätzlich stehen wir allen Märkten, die Interesse an unseren Innovationen haben, sehr offen gegenüber.

fluid: Auf welche aktuelle Produktentwicklung sind Sie besonders stolz – und warum?

Da gibt es einige. Wer unseren Firmennamen zum ersten Mal hört, wird uns wahrscheinlich als reinen Sensorhersteller einordnen. Aber unsere Entwicklungen im Steuerungs- und Hybridbereich zeigen, dass wir mit unserer 150 Mann starken Entwicklungsabteilung viel mehr leisten können, als unser Firmenname im ersten Moment vermuten lässt. Würden wir eine einzelne Entwicklung aus der letzten Zeit besonders hervorheben, würden wir viele andere hervorragende Entwicklungen herab setzen. Wenn wir die ganze Palette betrachten, von der powerMELA-140 kW-Maschine bis zum CAN-Bus-Drucktransmitter und dem CAN-Bus-Temperatursensor zur Überwachung des Kühlkreislaufs, sind wir besonders stolz, unseren Kunden ein komplettes System für die Elektrifizierung von mobilen Arbeitsmaschinen anbieten zu können.

fluid: Gab es in jüngster Zeit ein Druckmesstechnik-Projekt, das technisch besonders anspruchsvoll war?

Ja! Ein Kunde hat während der Entwicklung eines Safety-Transmitters die Spezifikation für die Vibrationsfestigkeit geändert. Die Beschleunigungswerte wurden von ursprünglich 6 g auf 50 g erhöht. Diese Herausforderung hat die Terminschiene des Projektes etwas verlängert. Wir konnten die neue Problemstellung aber lösen und der Transmitter wird heute bei diesem Kunden in Serie verbaut.

fluid: Gibt es charakteristische Merkmale bei Ihren Exponaten, die sich von Wettbewerbsprodukten unterscheiden?

Generell sind unsere Produkte auf Robustheit und Verfügbarkeit optimiert. So können wir mir unseren kleinflächigen Edelstahlmesszellen sehr kleine Sensoren für Druckbereiche bis 3000 bar und Medientemperaturen bis 300 °C realisieren. In Verbindung mit unserer Erfahrung und Flexibilität verwirklichen wir fast alle kundenspezifischen Anforderungen.

fluid: Welche Forderungen diktieren heute Anwender ins Pflichtenheft eines Herstellers von Druckmesstechnik?

Dies ist abhängig vom Einsatzgebiet. In Industrieanwendungen wird weniger gefordert wie in automotiven Safety-Anwendungen. Hier werden zum Beispiel umfangreiche Qualifikationen in externen Prüflaboratorien eingefordert. Auch FMEA’s und dokumentierte Reviews zu den einzelnen Musterphasen gehören heute schon fast zum Standard. Bei kundenspezifischen Entwicklungen erhalten wir zu einem detaillierten Lastenheft auch gleich die betreffenden Werksnormen dazu. Dies zeigt, dass zum einen der Qualitätsanspruch der Kunden steigt, aber auch die Anforderungen vom Gesetzgeber beim Thema Sicherheit immer größer werden.

Autor: Franz Graf, Chefredakteur