Industrie 4.0

Wenn Industrie 4.0 kommt, müssen die Komponenten und Systeme entsprechend integriert werden. Bild: fotolia / fotohansel

Nicht für alle Branchenvertreter lief das Jahr 2014 gut und auch nicht überall sieht man so positiv ins Jahr 2015 wie bei Aventics, wo man für das nächste Jahr von einem weiteren stabilen und soliden Wachstum ausgeht. „Die wirtschaftliche Situation ist momentan nicht berauschend. Die Prognose für 2015 sehe ich nicht anders. Der geringe Bedarf im Inland ist sehr umkämpft. Die Margen sind teilweise nicht mehr ausreichend“, bringt es Erwin Schierle auf den Punkt.

Und Ingrid Hunger fasst zusammen: „In der zweiten Hälfte des Jahres 2014 verzeichnen wir einen Rückgang der Auftragseingänge. Die Lage ist daher nicht so positiv wie noch zu Anfang des Jahres gedacht. Dieser Rückgang wird sich auch in der ersten Jahreshälfte 2015 auf unsere wirtschaftliche Situation entsprechend negativ auswirken. Ab Mitte 2015 erwarten wir jedoch wieder einen Anstieg und eine positive Entwicklung.“ Eine Besserung sieht auch Dr. Karl Tragl von Bosch Rexroth frühestens für die zweite Jahreshälfte 2015.

Wachstumspotenzial im Edelstahlgeschäft

Gut verlief das Jahr 2014 beispielsweise für das Unternehmen Parker Hannifin, das ein Rekordquartal bezüglich der Verkaufszahlen, des Nettogewinns und der Rendite pro Aktie für das erste Quartal des Fiskaljahres 2015, das vom 1. Juli bis zum 30. September 2014 lief, vermeldete. Auch für Volz verlief das Jahr 2014 insgesamt gut. „Besonders positiv hat sich das Edelstahlgeschäft entwickelt“, resümiert Ralph Wolter. „Als einziger Hersteller mit eigener Fertigung in Deutschland positionieren wir uns sehr klar gegenüber dem Wettbewerb.

Dementsprechend sehen wir im Edelstahlgeschäft ein großes Wachstumspotenzial und rechnen auch für 2015 mit einer positiven Entwicklung.“ Der Argo-Hytos-Gruppe ist es laut Christian H. Kienzle bereits gelungen, dem Rückgang in der Landtechnik in Europa und den Baumaschinen in China durch eine weitere Internationalisierung zu begegnen. Voss Fluid wird dieses Jahr mit leichten Zuwächsen gegenüber dem Vorjahr abschließen.

Allerdings verzeichnet auch dieser Spezialist, dass die Stimmung seit August merklich eingetrübt und der Auftragseingang deutlich verhaltener ist. „Diese Unsicherheit wirkt auch auf die Aussichten für 2015“, so Dr. Martin Giersch. Das Unternehmen nimmt es pragmatisch: „Demnach planen wir weiteres Wachstum über den Ausbau neuer Märkte und speziellen Kundensegmenten auch mit neuen Produkten“, bekundet der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Woanders wachsen

Wenn alte Märkte wegbröckeln, müssen neue her. Vor allem Südamerika und Afrika scheinen für die Branche mittel- und langfristig interessante Perspektiven aufzuzeigen. „In Südamerika sehen wir insbesondere Brasilien als Wachstumsmarkt, wobei wir vor allen Dingen hoffen, dass sich die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen nach der Wahl verbessern werden. Den Markt in Afrika betreuen wir über Vertragshändler, beobachten die Entwicklung nun aber intensiver!“, so Kienzle.

Auch bei Parker Hannifin, Bosch Rexroth und Aventics sieht man Afrika als Wachstumsmarkt an. Dr. Peter Saffe von Aventics meint, dass sich der Markt im Bereich der Bergbauindustrie erweitern könne. Bei Voss Fluid sieht man die Entwicklung im Hinblick auf Afrika aber eher als langfristig an, „da hier die eigentlichen Produktionsstätten unserer Zielbranchen noch nicht nennenswert vertreten sind“, wie Dr. Martin Giersch sagt. Aber auch in anderen Ländern besteht Grund zur Hoffnung: „Mittelfristig könnten Indien und Korea dazu kommen. Es erzielen aber auch immer mehr Schwellenländer überdurchschnittliche Wachstumsraten, wodurch auch langfristig noch weitere Absatzmärkte für unsere Produkte entstehen“, so Giersch.

Und die Wachstumsbranchen? Hier nannten die befragten Unternehmen Offshore, Stahlwasserbau, Schiffs- und Energietechnik, Öl- und Gasindustrie, Wind- und Solar-Branche, Schienenverkehr, Life Sciences, industrielle Automation, Lebensmittel- und Verpackungsindustrie, Medizintechnik sowie das Segment Lkw und die Offroad-Branche. Aber auch so dürften die Herausforderungen für die Fluidbranche im neuen Jahr immens sein.

Einig waren sich die Unternehmen darin, dass wie im restlichen Maschinenbau vor allem die Senkung des Energieverbrauchs und der Trend zu kompakteren und leichteren Komponenten und Systemen die größten Aufgaben für die Fluidbranche sind. Auch die Integration der Komponenten und Systeme in Industrie-4.0-fähige Systeme sowie die IT-Sicherheit sind für einige Unternehmen wichtige Herausforderungen, denen sich die Branche stellen muss.

Die Wettbewerbsfähigkeit sichern

Doch auch untechnische Sorgen drücken die Unternehmen: „Bereits kurzfristig müssen wir uns der Herausforderung stellen, wie wir in Deutschland angesichts des hohen Lohnkostenvorteils von Wettbewerbern aus dem Ausland unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten“, meint Ingrid Hunger. „Die niedrigen Lohnkosten unserer Konkurrenten, nicht nur in Fernost, sondern auch bei unseren europäischen Nachbarn, führen dazu, dass wir preislich oft nicht mehr mithalten können.

Zudem verlagern Konzerne Produktionsstätten in das billige Ausland.“ Hier sei auch die Politik gefragt. Das bestehende Imageproblem der Branche sieht Ralph Wolter dagegen als hausgemacht an. „Ausbildung ist eine Investition, die sich unserer Erfahrung nach auszahlt. Wir machen beispielsweise sehr gute Erfahrungen mit dem dualen Studium. Aber auch attraktive Ausbildungskonzepte für Facharbeiter binden junge Menschen langfristig an das Unternehmen, immer vorausgesetzt, dass die Unternehmenskultur stimmt und beispielsweise Familie und Beruf auch langfristig vereinbar sind.“