Kunststoff- und Gummimaschinen, Bild: Adobe Stock/www.jh-photo.de

Die Investitionen in Kunststoff- und Gummimaschinen sind merklich zurückgegangen. Bild: Adobe Stock/www.jh-photo.de

| von Florian Mikulasch, VDMA-Kunststoff- und Gummimaschinen

Wie erwartet setzte 2019 ein Abwärtstrend ein: Die deutschen Kunststoff- und Gummimaschinenbauer verbuchten einen Umsatzrückgang von sechs Prozent, meldete der VDMA Anfang August. „Nach elf langen Jahren des Wachstums kommt dieser Einschnitt jedoch bei niemandem aus der Branche mehr überraschend“, resümiert Ulrich Reifenhäuser; er ist der Vorsitzende des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA. „In vielen wichtigen Abnehmerbranchen, allen voran der Automobilindustrie, standen die Zeichen auf Investitionszurückhaltung, das hat sich schon seit Längerem deutlich in den Auftragsbüchern bemerkbar gemacht. Hinzu kommt das Imageproblem des Kunststoffs“, analysiert der Vorsitzende.

„Den Abnehmerbranchen, die auch zuvor schon schlecht liefen, hat die Pandemie nun den Rest gegeben.“

Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen

Nun kommt zu dieser ohnehin schwierigen Gemengelage auch noch die Corona-Pandemie hinzu. Bis Juni 2020 stehen insgesamt schon 20 Prozent weniger Aufträge in den Büchern als noch im Vorjahr, meldete der Fachverband, der mit mehr als 200 Mitgliederunternehmen mehr als 90 Prozent der Branchenproduktion in Deutschland abdeckt.

Die Krise trifft nicht alle Branchen gleich: „Den Abnehmerbranchen, die auch zuvor schon schlecht liefen, hat die Pandemie nun den Rest gegeben. Allerdings beobachten wir auch, dass gerade in die Bereiche Medizintechnik und Verpackung in Zeiten der Corona-Krise viele Kunststoff- und Gummimaschinen geliefert werden“, erläutert Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes.

Welche Märkte nehmen viele Maschinen ab?

Schnappschuss Fakuma 2018, Bild: Schall
Schnappschuss von der Fakuma 2018: Die internationale Fachmesse für Kunststoffverarbeitung findet dieses Jahr nur virtuell statt. Bild: Schall

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 blieben die deutschen Exporte von Kunststoff- und Gummimaschinen 19 Prozent unter denen des Vorjahres. Dabei ließen die Lieferungen nach China und in die USA Corona-bedingt jeweils um drei Prozent nach. Für den chinesischen Markt sind dabei wieder positive Signale erkennbar, während der jetzige Exportrückgang in die USA erst den Anfang markiert.

Die Auswirkungen der stark vom Coronavirus betroffenen europäischen Länder schlagen sich auch in der Exportstatistik nieder. So nahmen die Lieferungen nach Italien (-31 Prozent), Frankreich (-42 Prozent) und Spanien (-48 Prozent) deutlich ab. Aber auch nach Indien (-73 Prozent) wurden deutlich weniger Maschinen geliefert.

Es gibt allerdings auch Märkte, die in den ersten fünf Monaten 2020 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres überdurchschnittlich viele deutsche Kunststoff- und Gummimaschinen abnahmen. Das sind Russland (+28 Prozent) und die Türkei (+102 Prozent).

Drei-Jahres-Vergleich

Tabelle, Quelle: VDMA
Tabelle: Schon im Jahr 2019 setzte der Abwärtstrend ein. Quelle: VDMA

Alles wegen Corona? Die Gründe für den Umsatzrückgang

Allein die Corona-Pandemie bietet genügend Unsicherheit für die weitere wirtschaftliche Entwicklung im aktuellen und kommenden Jahr. Es gesellen sich allerdings noch die trüben Aussichten in der Automobilindustrie sowie die weiterhin angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und China hinzu, die dem exportorientierten Maschinenbau zu schaffen machen. Die beschlossene Kunststoff-Steuer verdüstert die Stimmung in der Branche zusätzlich: Ab dem 1. Januar 2021 soll pro Kilogramm nicht recyceltem Plastik eine Abgabe von 80 Cent fällig werden. Das Geld soll in den EU-Haushalt fließen und ist Teil des Corona-Hilfspakets, das die Staats- und Regierungschefs in Brüssel beschlossen haben.

So kommt es, dass die Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen mehrheitlich angaben, für 2020 mit einem Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent zu rechnen.

Auf einen Blick

Bei den Herstellern von Kunststoff- und Gummimaschinen tritt nach elf Jahren Wachstum ein Abwärtstrend ein. Diese Wendung war in der Branche erwartet worden. Die Covid-19-Pandemie und bestimmte politische Entwicklungen verstärken den Trend. Hersteller im VDMA rechnen mehrheitlich mit einem Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent in 2020. Die Branche rechnet aber mit einer baldigen Erholung.

Diese Chancen ergeben sich möglicherweise

Farbenfrohe Mitbringsel, Bild: Schall
Farbenfrohe Mitbringsel von der Fakuma 2018: Die Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen rechnen mit einer baldigen Erholung des Marktes. Bild: Schall

Ansonsten zeigt sich der Verband zufrieden mit dem Aufbauplan gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise: Die Europäische Union habe mit der Einigung der Staats- und Regierungschefs die Weichen für eine positive wirtschaftliche Entwicklung gestellt, schreibt der VDMA. Die Handlungsfähigkeit, die dadurch zum Ausdruck kommt, sei ein starkes Signal.

Entsprechend optimistisch blicken die Unternehmen in die Zukunft: Mit knapp 80 Prozent erwartet die deutliche Mehrheit der Kunststoff- und Gummimaschinenbauer spätestens im Jahr 2022 eine Rückkehr zum Umsatzniveau von 2019. Nicht wenige sehen diesen Fall bereits im nächsten Jahr eintreten. Für die zweite Jahreshälfte 2020 erwarten viele eine Belebung der Auftragseingänge aus den Regionen Westeuropa und China. Damit deuten sich bereits die ersten Zeichen eines Umschwungs an.

Darüber hinaus würden die Maschinenbauer auch weiterhin ihren Teil dazu beisteuern, eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft aufzubauen, versichert der Verband. Die Innovationskraft der Gummi- und Kunststoffmaschinenbranche sei ungebrochen und werde die Maschinenbauer auch aus dieser Krise führen.

Fakuma Virtuell als digitaler Branchentreff

Auch per Smartphone und Tablet lässt sich die virtuelle Messe aufrufen. Bild: Schall

Eine virtuelle Messe, kann das funktionieren? Nachdem die Anreise für ausländische Firmen derzeit schwierig ist und auch viele inländische Unternehmen ihre Mitarbeiter dem Risiko nicht aussetzen wollen, hat der Messeveranstalter Schall die Fakuma in den virtuellen Raum verlegt. Die Ausstellung ist über die Startseite fakuma-messe.de erreichbar und funktioniert eigentlich ganz intuitiv: Man wählt einen der Produktbereiche aus, beispielsweise Spritzgießmaschinen oder Rapid-Prototyping-Maschinen. Dann erscheinen in alphabetischer Reihenfolge die Aussteller. Mit einem Klick ist man sozusagen auf dem virtuellen Messestand. Dort gibt es, je nach Unternehmen, Kontaktdaten der Ansprechpartner, Bilder und Texte zu neuen Produkten, Videos, Dokument-Downloads und ähnliches.

Für den persönlichen Kontakt stellen viele Aussteller die Telefonnummer des Firmensitzes ohne Durchwahl zur Verfügung. Wie leicht man auf diesem Weg an einen Gesprächspartner herankommt, der sich auskennt, muss sich zeigen.

Interessant ist, dass man über ein Formular sehr einfach eine individuelle Problemlösung anfragen kann und zwar gleich bei einer ganzen Reihe von Firmen auf einmal. Zusätzlich haben Aussteller die Möglichkeit, Webcasts anzubieten, die vom Prinzip her wie Video-Vorträge funktionieren. Ein Besuch der Plattform kann sich also durchaus rentieren.

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