Forschungsbereiche, Bild: IFAS

Unter der Leitung von Frau Professor Schmitz wurden die Forschungsbereiche neu sortiert. In der Summe wird ein deutlicher Fokus auf die Digitalisierung erkennbar. Bild: IFAS

Das Forschungswesen, insbesondere in Deutschland, hat so seine Besonderheiten. Zum Beispiel kann die Vorarbeit für die Neubesetzung eines Lehrstuhls oder Instituts schon einmal fünf Jahre dauern. Fünf Jahre, in denen der amtierende Lehrstuhlinhaber – so er eine Vision für die Lehre hat – Allianzen schmieden sollte, Politik betreiben kann und seinen Einfluss in die Waagschale werfen muss. Fünf Jahre, in denen unter Umständen die Forschung leidet und an Zukunftsvisionen nicht mit dem in anderen Zeiten möglichen Verve gearbeitet wird.

Frau Prof. Dr. Katharina Schmitz, Bild: IFAS
Frau Prof. Dr. Katharina Schmitz folgt als Leiterin des IFAS...

Da muss man es dem scheidenden Prof. Dr. Hubertus Murrenhoff sehr hoch anrechnen, dass er es gewagt hat, eine vergleichsweise junge Kandidatin zu seiner Nachfolgerin vorzuschlagen. Und dass er damit durchgekommen ist. Es ist Dr. Katharina Schmitz, zuvor technische Leiterin bei Hunger Maschinen, die von der RWTH Aachen University zum 1. März 2018 auf die Universitätsprofessur für das Fach Fluidtechnische Antriebe und Systeme berufen wurde. Sie studierte nach dem Abitur an der RWTH Aachen Maschinenbau, Fachrichtung Verfahrenstechnik, was sie 2010 mit Diplom  abschloss. Danach arbeitete Frau Schmitz (damals noch Schrank) als wissenschaftliche Mitarbeiterin am IFAS der RWTH Aachen, ab 2013 als Stellvertreterin des Oberingenieurs. Nach ihrer Promotion über das Thema „massenkonservative Systemsimulation für Mehrphasenströmungen“ war sie ab 2015 Lehrbeauftrage für das Fach „Fluidtechnik für mobile Anwendungen“. Zwischenzeitlich wechselte sie in die Industrie.

Prof. Dr. Hubertus Murrenhoff, Bild: IFAS
...auf Herrn Prof. Dr. Hubertus Murrenhoff. Murrenhoff hatte das IFAS 24 Jahre lang geleitet. Bild: IFAS

Jetzt also wieder die Uni: Seit dem 11. Internationalen Fluidtechnischen Kolloquium (IFK), das vom 19. bis 21. März 2018 in Aachen stattfand, hat sie nun die Leitung des Instituts für fluidtechnische Antriebe und Steuerungen (IFAS) von Prof. Dr.-Ing. Hubertus Murrenhoff übernommen. Die Büros wurden auch schon getauscht, wie sie auf dem IFK gegenüber der fluid erwähnte.

Neue Besen kehren gut

Mit dieser Wiederbesetzung sichert die RWTH Aachen langfristig Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Fluidtechnik – und für die kommenden Jahre auch ganz ohne politisches Nachfolgegerangel. Und um diesen frischen Wind gleich nach außen kenntlich zu machen, wurden der Lehrstuhl und die Forschungseinrichtung in „Institut für fluidtechnische Antriebe und Systeme“ (IFAS) umbenannt. Falls es Ihnen nicht sofort aufgefallen sein sollte: Steuerungen wurde in Systeme umbenannt – durchaus folgerichtig, wenn man sich die Digitalisierung der Hydraulik ansieht.

Im Zuge dessen wurde nicht nur das Logo neu gestaltet, auch die Forschungsbereiche wurden neu gruppiert. Die fünf Forschungsgruppen heißen nun Mobile & Stationäre Systeme, Digitalisierung & Automatisierung, Fluidtechnische Komponenten, Tribologie & Fluide sowie Simulationsentwicklung & -validierung. Mit dieser aktuellen Aufteilung möchte die neue Leiterin des IFAS einen Schwerpunkt auf die aus ihrer Sicht drängendsten Zukunftsthemen setzen. Und dabei geht es stramm in Richtung Digitalisierung.

Ab Herbst mit neuer Ausstattung

Neues IFAS Logo

Wenn alles gut geht, kann Prof. Dr. Schmitz mit einer komplett neuen Laboreinrichtung durchstarten. Denn ab Herbst soll die neugebaute Halle des Werkzeugmaschinenlabors (WLZ) der RWTH wiedereröffnet werden. Diese Halle, die an das Prüffeld des IFAS angrenzt, war in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 2016 einem Großbrand zum Opfer gefallen, glücklicherweise ohne Personenschäden. Auf Seiten des IFAS sind der Schallmessraum und die Klimakammer, die beide direkt dem Feuer ausgesetzt waren, zerstört worden. Auch die elektrische und informationstechnische Infrastruktur sowie die Lüftungsanlage wurden durch den Brand in erheblichem Umfang beschädigt. Daher war die große Laborfläche des IFAS seit Februar 2016 nicht mehr für Forschungsarbeiten nutzbar. Immerhin: Den Wissenschaftlern am Institut stehen bereits derzeit ein großzügiges Versuchsfeld mit über 1000 Quadratmeter Fläche, fünf schallisolierte Boxen für Langzeitprüfstände, eine Klimakammer mit einem einstellbaren Temperaturbereich von -70 bis +70 Grad Celsius, ein reflexionsarmer Schallmessraum, ein Oberflächenmessraum sowie ein Öllabor zur Verfügung.

Zu guter Letzt möchte die Redaktion der fluid Herrn Prof. Dr. Murrenhoff für seine Jahrzehnte im Dienste der Fluidtechnik danken. In seinen 24 Jahren als Leiter des IFAS hat er die Hydraulikbranche, ebenso wie sein Vorgänger Prof. Wolfgang Backé, maßgeblich geprägt. Wir wünschen ihm viel Freude im Unruhestand und seiner Nachfolgerin ein gutes Händchen in der Leitung des Instituts.

 

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