Sebastian Gerke

„Das neue System öffnet uns viele Möglichkeiten, die mit den alten Systemen so nicht denkbar gewesen wären.“
Sebastian Gerke, Bürkert

KURZINTERVIEW: Sebastian Gerke, Field Segment Manager Wasser bei Bürkert

fluid: Herr Gerke, was machen Sie bei Bürkert?

Ich bin als Field Segment Manager verantwortlich für den Bereich Wasser, speziell die Wasseraufbereitung, aber auch Abwasser, und da im kompletten Portfolio der Messsteuerregeltechnik bis hin zu Dienstleistungen für diese Produkte.

fluid: Wie wichtig ist das Thema Wasser für Bürkert?

Wasser ist eines unserer vier Segmente. Neben Wasser gibt es weitere Segmente wie Gas, Hygienic oder Micro. Aber der Wasserbereich nimmt weltweit mit der steigenden Bevölkerungszahl und den bekannten Problemen des Klimawandels immer weiter an Bedeutung zu. Und daher ist das auch ein Teil in Bürkerts Portfolio, der an Bedeutung gewinnt.

fluid: Insbesondere im mitteleuropäischen Raum sind die meisten Wasserwerke ja eigentlich ausgerüstet. Ist Ihr neues Analysesystem eher ein Produkt für den internationalen Markt?

Momentan ist es so, dass wir in sieben Ländern mit dem System starten. Und natürlich liegen die Wachstumsmärkte oft außerhalb Europas oder Deutschlands. Aber dadurch, dass wir mit dieser neuen Technologie sehr viele Kundenvorteile bieten, die man wirklich greifen kann, haben wir auch in Deutschland schon einige Anwendungen und versprechen uns natürlich auch da weitere Geschäfte.

fluid: Sie sagen, Ihr Online-Analyse-System sei eine völlig neue Herangehensweise ans Thema. Wie ist das zu verstehen?

Wir haben hier einen völlig neuen Technologiemix im Bereich der Online-Analyse. Bisher wurden solche Messungen oft mit Glassonden im Bypass gemacht. Wir haben durch unsere MEMS-Technologie, also mikro-elektromechanische Systeme, eine Modularisierung und auch Miniaturisierung hinbekommen. Und von daher öffnet uns das viele neue Möglichkeiten, die mit den alten Systemen so nicht denkbar gewesen wären.

fluid: Was heißt das im Detail?

Wir haben integrierte mikroelektronische, physikalische und optische Systeme, mit denen wir derzeit die Parameter Leitfähigkeit, Redoxpotenzial, Trübung, pH-Wert und Chlor messen. Mit diessen Modulen brauchen wir wirklich wenig Messwasser, wir kommen mit weniger als zehn Litern pro Stunde und Cube aus. Ende des Jahres werden weitere Messparameter hinzukommen wie der SAK-Wert oder die Flow-Injection-Analyse, was in diesem Fall die Bestimmung von Eisen im Trinkwasser bedeutet. Ein besonderer Vorteil ist außerdem die kompakte Bauweise und damit die Modularität des Systems.

fluid: Welchen besonderen Nutzen hat diese Modularität?

Zunächst einmal, ich kann die Field-Backplane mit den Messmodulen irgendwo in der Anlage platzieren und die Daten digital zum Controller führen. Den Controller mit Touch-Display kann ich dort montieren, wo er gut erreichbar ist. Das nächste ist die Hot-Swap-Fähigkeit: Ich kann einzelne Cubes während des Prozesses ziehen und muss nicht das ganze System abschalten. Auf diese Weise kann ich zum Beispiel im Fall des pH-Wertes den KCl-Tank mit der Elektrode einfach tauschen und muss nicht die ganze Sonde auswechseln. Das spart natürlich Kosten für den Kunden, für den Wasserwerker vor Ort.

Oder das Thema Kalibrierung: Auch hier kann ich einen Cube während des Betriebes ziehen und extern kalibrieren. Dazu haben wir ein eigenes Kalibrationssystem, da stecken wir den Cube hinein, drücken auf Okay, und das Kalibriersystem erkennt ihn. Denn der intelligente Cube teilt dem System mit, was er ist und wie er kalibriert werden muss. Das bietet eine hohe Sicherheit. Und weil die Intelligenz im Cube steckt, kann er auch an einer anderen Stelle im System wieder eingesteckt werden. Er wird sofort erkannt, plug-and-play. Selbst wenn dort ein weiterer Messparameter benötigt wird, kann ich ihn einfach dazu stecken, er wird erkannt, und das System integriert diesen Parameter.

fluid: Ist das Online-Analyse-System 8905 dann in der Erstinstallation komplizierter?

Nein, gar nicht. Alles ist intern vorverdrahtet und verschlaucht. Im Grunde muss ich im Werk kaum etwas installieren. Ich nehme das System und hänge es an die Wand, Stromanschluss, Wasserzulauf, fertig. Es ist keine weitere elektrische Verdrahtung oder fluidische Anschlussarbeit nötig. Dort spare ich schon einiges an Installations- und Montagekosten.

Das Gespräch führte Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur