Dr. Steffen Haack

Dr. Steffen Haack (links) zeigt fluid-Redakteur Florian Blum, wie Rexroth IT und Industrieautomation zusammenführt – am Beispiel der Open Source Automation. Bilder: Rexroth

Wie würden Sie den Weg umschreiben, den Bosch Rexroth wählt, um sich den Herausforderungen von Industrie 4.0 zu stellen?

Wir als Bosch Rexroth positionieren uns zugleich als Leitanwender und Leitanbieter. Wir gehen unseren eigenen Weg, indem wir uns sagen: Industrie 4.0 wird nicht über Nacht, flächendeckend und überall in gleicher Ausprägung kommen. Getreu diesem Motto wählen wir einen Weg der kleinen Schritte, indem wir beispielsweise in unseren eigenen Werken zahlreiche Pilotlinien bauen.

Bosch verfügt weltweit über 250 Werke und derzeit laufen über 100 solcher Projekte in allen Erdteilen, im Laufe derer Industrie-4.0-Linien aufgebaut oder zumindest deren Merkmale aufgezeigt werden. Bei Bosch Rexroth haben wir neun dieser Projekte in den verschiedensten Wertströmen. Die Erfahrungen, die wir aus diesen Projekten sammeln, nutzen wir wiederum für unsere Automationslösungen. Damit wollen wir vor allem eine Verbindung der Automatisierung zur IT-Welt schaffen…

…hakt es denn genau hier noch?

Industrie-4.0-Pilotlinie

Rexroth baut in seinen eigenen Werken zahlreiche Industrie-4.0-Pilotlinien und nutzt das so gewonnene Wissen für die eigene Automatisierungstechnik.

Ja, gerade die Schnittstellen zur IT-Welt sind noch größte Herausforderungen – neben dem Thema Sicherheit. Es sind nach wie vor dieselben Fragen, die geklärt werden müssen: Wem gehören die Daten? Welche Vereinbarungen müssen getroffen werden? Das betrifft besonders die Themen Cloud und Datenerfassung. Ein weiteres vordringliches Arbeitsfeld sind aber natürlich auch die laufenden Diskussionen rund um die Standardschnittstellen. Hier sind aber erfreulicherweise erste Schritte in die richtige Richtung erkennbar.

Wenn wir schon bei dem Thema IT sind – ganz wichtig ist ja auch der interdisziplinäre Austausch der Mitarbeiter untereinander? Was tut Bosch Rexroth, um solch einen Austausch zu fördern?

Wir arbeiten hierzu eng mit unseren Bosch-Kollegen zusammen. Das betrifft verschiedenste Bereiche wie einen Unternehmensbereich, der sich mit Data Mining und Data Analytics beschäftigt oder einem eigenen Unternehmensbereich, der sich mit Software-Lösungen und Software-Anbindungen beschäftigt.

Dazu kommt: Als Automationsanbieter arbeiten wir selbst von Natur aus tagtäglich mit Software-Experten zusammen. Darüber hinaus bündeln wir im Konzern die Kräfte weiter und fokussieren uns auf das Thema Industrie 4.0. Uns ist natürlich klar, dass dies aus Kundensicht alleine wahrscheinlich nicht ausreicht. Deshalb gehen wir Kooperationen ein und arbeiten gezielt mit Partnern aus der IT zusammen. Wir sind überzeugt, dass man da das Rad nicht nochmal neu erfinden muss, indem man alles selbst macht, sondern Synergien nutzen kann.

Apropos Partnerschaften, ich habe gehört, dass Sie sich auch in der Initiative it’s OWL engagieren?

Das ist uns sehr wichtig. Wir engagieren uns international in über zehn vergleichbaren Initiativen. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, auch aus solchen Interessensgemeinschaften Themen zu treiben und auch nachvollziehen zu können, wo sich andere Unternehmen hin entwickeln. Am Ende des Tages braucht es für die Umsetzung von Industrie 4.0 immer eine Verbindung von Endkunden, Maschinenbauern, der Wissenschaft und der IT-Welt. Ohne Engagement in entsprechenden Initiativen kommen wir hier nicht weit.

Glauben Sie, die Fluidbranche erwartet ein gesonderter Weg für Industrie 4.0?

Im Thema Fluid sind wir relativ weit und auch ein wenig stolz darauf. Das war zu sehen auf der letzten Hannover-Messe. Grundsätzlich muss man sagen, dass hier schon ein Unterschied zwischen Anlagenbau und Fabrikautomation besteht. In der Fabrikautomation ist man, was das Thema Industrie 4.0 angeht, ein Stückchen weiter als im Anlagenbau. Im Anlagenbau sind eher Service und Anlagenverfügbarkeit die Treiber von Industrie 4.0, weniger der Fokus auf Produktivitätssteigerungen.

Wir sehen und leben sehr starke Fortschritte in dem Bereich Predictive Maintenance mit entsprechender Datenerfassung, Auswertung und Vorhersage, um Anlagenverfügbarkeit sicherzustellen. Bei der Fabrikautomation spielen eher die Themen Digitalisierung als durchgehender Prozess, Vernetzung, Produktivität und Bestandsreduktion eine Rolle.

Kommen wir abschließend zu Ihrem Messestand: Sie haben vorher davon gesprochen, dass Sie IT und Industrieautomation zusammenbringen möchten. Am Beispiel welches Highlights sieht man das hier besonders?

Ganz klar Open Core Engineering: Es verbindet beide Welten. Am Beispiel dieses Features beobachten wir gerade einige Aha-Effekte auch bei Firmen aus der IT-Welt. Auch die ITler lernen unsere Welt und die Herausforderungen der Automatisierung ja immer wieder neu kennen. Sie sind begeistert, wenn sie feststellen, dass ihre Anwendungen und Sprachen auf unseren Steuerungen auch direkt laufen. So werden Synergien wirklich sichtbar.