Dipl.-Ing. Albert Haugg

Dipl.-Ing. Albert Haugg ist seit seinem Maschinenbaustudium in der Kühlerbranche tätig. Seit Anfang 2015 leitet er die deutsche Hennlich-HCT als Geschäftsführer.

Zunächst einmal, wer oder was ist Hennlich-HCT?

Die Hennlich Cooling-Technologies GmbH (HCT) wurde als eigene Firma innerhalb der Hennlich-Organisation als Spezialfirma für Kühlung und Wärmetauscher gegründet. Hennlich ist eine familiengeführte österreichische Unternehmensgruppe mit einer sehr starken Vertriebskompetenz. Sie wurde gegründet in den zwanziger Jahren als Handelsniederlassung, damals noch in der Tschechischen Republik und nach dem Zweiten Weltkrieg dann in Österreich als Handelshaus.

Mittlerweile ist Hennlich in ganz Mittel- und Osteuropa mit eigenen Niederlassungen vertreten, selbst in Weißrussland, Albanien, im Kosovo, in Mazedonien, aber auch in den größeren Industrieländern wie Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei oder Russland. Das war für uns ein idealer Partner, um ein Unternehmen hier neu zu gründen. Da Hennlich in den genannten Ländern auch sehr viele deutsche Produkte vertreibt, seinen Lieferanten im deutschen Heimatmarkt aber keine Konkurrenz machen will, gab es Hennlich in Deutschland bislang nicht. Das soll auch künftig so bleiben, das heißt, wir werden in Deutschland nur unsere selbst hergestellten Komponenten, Kühler, Speicher und Zubehör, verkaufen.

Start-ups kennt man ja eher in jungen Branchen wie der IT-Welt. Die Hydraulik ist mittlerweile ein sehr etablierter Industriezweig. Was bringt eine ganze Schar an ehemaligen Olaer-Mitarbeitern dazu, ein Start-up zu gründen?

Dipl.-Ing. Albert Haugg

Dipl.-Ing. Albert Haugg ist seit seinem Maschinenbaustudium in der Kühlerbranche tätig. Seit Anfang 2015 leitet er die deutsche Hennlich-HCT als Geschäftsführer.

Nun, wir waren früher alle bei Olaer beschäftigt. Für uns stand aus dem Selbstverständnis eines Mittelständlers heraus eine sehr starke Kundenorientierung und eine individuelle Lösungskompetenz, wie sie von Olaer vertreten wurde, im Vordergrund. Dann haben wir die Übernahme durch den amerikanischen Großkonzern Parker Hannifin miterlebt. In diesem Konzern, der natürlich auch seine Berechtigung und seine Stellung im Markt zurecht hat, konnten wir uns mit unserem Fachwissen und mit unseren Vorstellungen nicht mehr wiederfinden.

Wir hatten das Gefühl, dass Parker die Nische, in der Olaer agiert hatte und in der wir unsere Erfahrung hatten, nicht mehr bedienen wollte. Und so entstand daraus die Überlegung, diese spezifischen Kunden mit ihren individuellen Bedürfnissen, diese Marktlücke, die aus unserer Sicht nicht mehr bedient wurde, selber zu füllen. Deshalb haben wir uns getraut, ein Start-up in einem etablierten Markt zu gründen. Wir sehen uns nicht als Wettbewerber der großen etablierten Player in diesem Gebiet, sondern wir sehen uns wirklich explizit als der Bediener dieser Nische. Wir wollen schnell und flexibel am Markt auf die Kundenwünsche reagieren.

Was verstehen Sie unter schnell reagieren? Wenn ich einen Kühler oder Speicher brauche, dann rufe ich bei einem Unternehmen an, die so etwas verkaufen, schaue im Katalog nach und sage, den hier brauche ich. Dann schicken die mir den. Wo ist die Lücke, die Sie beschrieben haben?

Also, den Standard-Ölkühler mit einem Standard-Elektromotor am Lüfter, den gibt es sicher auch von unseren großen Wettbewerbern. Den Motor aber mit einer gewissen Spannung, mit einer höheren Kühlleistung, vielleicht geräuschreduziert und dann unter Umständen noch mit einer Atex-Zulassung, den gibt es nicht überall über Nacht ab Lager. Solche Anforderungen sind die Probleme, für die wir uns zuständig fühlen. Das Gleiche gilt in der Speichertechnik, wenn es um Sonderzulassungen geht, oder um eine Blase in Sonderausführung. Solche Spezialanwendungen, da können wir schnell reagieren, und da ist es auch unser Anspruch, schneller zu reagieren als unsere großen Wettbewerber.

Das heißt, Sie wollen Sonderanfertigungen schneller liefern als die Konkurrenz…

Klar, schnelle Lieferzeiten sind wünschenswert. Aber ich definiere die schnelle Reaktion nicht nur in Bezug auf Lieferzeiten , sondern ich meine auch die schnelle Antwort am Telefon. Es ist doch so: Die Hydraulik ist kein Ausbildungsberuf, und es gibt zahlreiche kleinere Unternehmen mit hoher Kompetenz in Ihren jeweiligen Anwendungsgebieten. Die Hydraulik ist dort oft nur ein Nebenprodukt, das zum Gesamtpaket dazu gehört. Gerade für diese Kunden ist eine schnelle Beratung am Telefon hilfreich.

Haben Sie da ein Beispiel?

Albert Thomas Haugg

Wenn wir in der Zukunft etwa 60 Prozent dessen erreichen, was Olaer hatte, dann sind wir sehr gut. Das ist unsere Vision, unser Ziel.
Albert Thomas Haugg, Hennlich-HCT

Das fängt schon damit an, dass viele denken, weil sie einen kleinen Öltank haben, landen sie auch bei einem kleinen Kühler. Aber wenn man zu schnell umwälzt, kann das Öl anfangen zu schäumen. Das sind Erfahrungswerte, die nicht jeder kleine Betrieb mitbringt. Und mit dieser Erfahrung schon beim Erstkontakt Produktempfehlungen zu geben, das ist für mich unter „schnell und flexibel schon am Telefon“ zu verstehen. Bei einem Großbetrieb kann der Sachbearbeiter eine Bestellnummer entgegen nehmen, kein Problem, das geht auch schnell. Aber sobald das ein bisschen ins Spezielle hineingeht, gehen bei Konzernen oft die Warteschleifen los.

Und auch, wenn mit einem Produkt einmal Probleme auftreten, können wir schnell reagieren. Es gibt Fälle, da stimmt die Kühlleistung nicht, weil zum Beispiel der Motor der Pumpe verkehrt herum läuft, die Blase wird ins Ventil gezogen, was auch immer. Wir kennen die gängigen Fehler. Das ist das Beratungsplus durch unsere langjährige Tätigkeit am Markt. Zusammen haben wir im Team mehr als 100 Mannjahre an Hydraulik-Erfahrung! Wir wissen, was die Kunden im Betrieb benötigen.

Sie haben viel Erfahrung, aber das Unternehmen existiert erst knapp ein Jahr. Da Sie eine Neugründung sind, konnten Sie auch nicht auf das Olaer/Parker-Portfolio zurückgreifen…

Richtig, wir konnten auf nichts aus dem Olaer-Programm zurückgreifen, nur auf unsere Erfahrung. Aufgrund der geschilderten Sachverhalte reifte in jedem Einzelnen der Wunsch nach Veränderung. Im Laufe der Überlegungen entstand daraus die Idee einer gemeinsamen Unternehmung und schließlich das Konzept dieser Gründung. Der Bündelung dieser verschiedensten Fähigkeiten und dem Engagement jedes Einzelnen ist es zu verdanken, dass wir innerhalb kürzester Zeit das Standardprogramm entwickeln konnten. Ohne das überaus engagierte Team wären wir nicht so weit, wie wir es jetzt sind.

Und womit haben Sie hier dann angefangen?

Ganz einfach: Wir haben hier wirklich mit einem weißen Stück Papier angefangen. Die gesamten Berechnungen, die gesamten Konstruktionen, die gesamten Zeichnungen sind alle hier in St. Ingbert entstanden. Wir haben alle nötige Software, etwa die Design-Berechnungssoftware für Speicher, sowie die relevanten Normen beschafft, und wir haben alles hier im Haus entwickelt. Das heißt, wir haben die mit der Druckgeräteherstellung einhergehenden Gefahrenanalysen, die konstruktiven Auslegungen und Lebensdaueranalysen produktspezifisch in unseren Entwürfen berücksichtigt. In diesem Zusammenhang können wir auch bereits auf die ersten Hennlich-HCT-Zulassungen für Hydroblasenspeicher nach der europäischen Druckgeräterichtlinie DGRL 97/23 EG verweisen. Wir haben auch die erste Zulassung für einen Atex-Kühler auf Russisch, für den russischen Markt. Das wurde alles hier in St. Ingbert entwickelt.

Hennlich-HCT-Team

Das Hennlich-HCT-Team (v.l.n.r.): Achim Schultz, QM/Sachverständiger; Albert Thomas Haugg, Geschäftsleitung; Ingo Münzebrock, Technik/Vertrieb; Marcus Sander, Technik/Vertrieb; Véronique Gerhaher, Einkauf; Oliver Gabriel, Technik/Vertrieb und Salvatore Bellia, technischer Vertrieb.

Haben Sie denn auch bereits konkrete Produkte?

Nun, Anfang 2014 gab es bereits in Österreich eine Neugründung, die Hennlich Cooling, die Kühler produziert und nur in Österreich vertreibt. Damit waren also die Kühler für uns von Anfang an verfügbar. Sie kommen aus dem österreichischen Produktionswerk und werden von uns deutschlandweit vertrieben. Ziemlich schnell hatten wir dann aber auch eigenes Speicherzubehör und Absperrblöcke entwickelt. Seit Mitte des Jahres bieten wir nun das komplette Programm an Membran- und Blasenspeichern, samt Zubehör wie Füll- und Prüfvorrichtungen oder Schellen und Halterungen an.

Wie sieht Ihr Kühler-Portfolio genau aus?

Da haben wir Luftkühler in verschiedensten Ausführungen, Plattenwärmetauscher, Rohrbündelwärmetauscher, geschraubte Plattenwärmetauscher, sämtliches Zubehör wie Thermoschalter, Bypassventile, Stein- und Staubschutz. Dieses Produktportfolio steht zu 100 Prozent und kommt wie gesagt von unseren österreichischen Kollegen. Dort ist das Kompetenzzentrum für Kühler in der Hennlich-Gruppe, und wir werden das Kompetenzzentrum für Hydraulikspeicher in der Hennlich-Gruppe.

Aber realistisch gesehen: Braucht der deutsche Markt noch einen zusätzlichen Kühler- oder Speicherhersteller?

Wartet der Markt auf uns? Eher nein. Es gibt in Deutschland viele Hersteller. Braucht er uns? Womöglich schon. Denn wir bedienen eine Nische. Wir können Geräte mit Atex-Zulassung herstellen, die werden in vielen speziellen Bereichen, Oil and Gas, Chemie, gebraucht. Wir machen Druckgeräte, das kann nicht jeder machen und wir haben das Know-how.

Wo wollen Sie mit Hennlich-HCT hin, was ist Ihre Vision?

Ich beziehe mich einmal auf den Zielmarkt Deutschland. Wenn wir in der Zukunft etwa 60 Prozent dessen erreichen, was Olaer hatte, dann sind wir sehr gut. Das ist unsere Vision, unser Ziel.

Bis wann wollen Sie das Ziel erreichen?

Ich halte es für machbar, will da aber keine Jahreszahl nennen. Vielleicht dauert es sechs, vielleicht acht oder zehn Jahre. Wir planen auf jeden Fall ein solides organisches Wachstum in den kommenden Jahren.

Autor: Wolfgang Kräußlich, beobachtet die Märkte weltweit, um Chancen für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau zu finden.Wolfgang Kräußlich