Eaton Germany

Thomas Schmidt, Engineering Group Manager bei Eaton Germany (links) und Michael Weidenbrück, Produktmanager für die Sparte Eaton Walterscheid. Bild: fluid

Dennoch gibt es dort Neues: fluid sprach mit dem zuständigen Bereichsleiter und dem Produktmanager über Innovationen in einem stark normierten Bereich.

Sie vertreten den Bereich Eaton Walterscheid. Was bedeutet das genau?

Michael Weidenbrück: Wir sind ein Teil des globalen Eaton-Konzerns. Eaton Walterscheid ist Teil des Industrial-Sektors. In der Hydraulik ist Eaton Full-Liner für alle Arten von Hydraulik-Produkten, Pumpen, Motoren, Ventile, Schläuche und mehr. Die Marke Eaton Walterscheid ist innerhalb dessen Hersteller von metrischen Rohrverbindungen sowie den dazugehörigen Systemen und Maschinen für die Vorkonfektionierung von Rohren.

Was heißt das aus Produktsicht?

Michael Weidenbrück
„Wir haben in Hannover erstmals ein komplettes Eaton-Aggregat mit der Kombination Eaton Electrical und Eaton Hydraulics gezeigt. Da geht die Reise hin.“ Michael Weidenbrück, Eaton. Bild: fluid

Michael Weidenbrück: Von der Größe unserer Rohrverschraubungen bieten wir den ISO-spezifizierten Bereich von sechs bis 42 Millimeter an. Mit unserem Flanschsystem gehen wir auch bis 60,3 Millimeter. Kernprodukte sind das Walpro-System als Zweischneidenring mit gesteuerter Endmontage, das Walring-System, ein Zweischneidenring mit Weichdichtung, sowie Walform mit der Kaltumformung des Rohrendes. Walform ist in meinen Augen das führende Umformsystem. Wir sind mit der fünften Generation am Markt, haben bereits rund 1100 Maschinen hergestellt und auf der letzten Hannover Messe den 20. Geburtstag von Walform gefeiert. Wir sind in dem Bereich übrigens einer der Wenigen, die eigene Maschinen anbieten und weiterentwickeln.

Apropos weiter entwickeln: Was tut sich denn im Bereich der Rohrverbindungstechnik? Wo gibt es Innovationen?

Michael Weidenbrück: Zum einen entwickeln wir die Maschinen zur Rohrverbindung weiter. Da geht es regelmäßig darum, die Anwendung komfortabler, prozesssicher und zuverlässig zu gestalten. Eine wichtige Anforderung von Kundenseite ist die nach engeren Biege­radien für kompaktere Bauweisen der Maschinen. Hier sind wir intensiv daran, Lösungen zu erarbeiten, die wir dann auch dem Markt zugänglich machen werden.

Thomas Schmidt
„Für Verschraubungen ist vor allem ein verlässliches System wichtig: Es muss sicher sein, leckagefrei, einfach und narrensicher montierbar.“ Thomas Schmidt, Eaton. Bild: fluid

Thomas Schmidt: Ein anderer Innovationsschwerpunkt – auch über die Walterscheid-Sparte hinaus – ist die Verbesserung des Korrosionsschutzes. Wir arbeiten an einem Eaton-übergreifenden, standardisierten Korrosionsschutz für alle Hydraulikprodukte. Zumindest überall da, wo es Sinn macht. Unsere Beschichtung auf Zink-Basis gewährleistet nicht nur dauerhaften Korrosionsschutz und gute Montagefähigkeiten. Sie überzeugt auch unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes und der Umweltverträglichkeit.

Bei Rohrverschraubungen denk man schnell an Standardprodukte. Gibt es in Ihren Bereich auch kundenspezifische Lösungen?

Thomas Schmidt: Wir haben ein umfangreiches Katalogportfolio, aber wir bieten auch eine Vielzahl kundenspezifischer Produkte. Zu diesem Zweck sind wir fertigungstechnisch sehr flexibel aufgestellt. Denn man muss die auf den Kunden zugeschnittenen Produkte ja nicht nur designen, man sollte sie innerhalb kurzer Zeit auch herstellen und liefern können.

Was sind denn typische Kundenprojekte?

Michael Weidenbrück: Das können ganz banale Sachen sein wie eine Sprunggröße, von einer großen auf eine kleine Verbindung, die so nicht im Katalog aufgeführt ist. Oder auch – was auf den ersten Blick unlogisch erscheint – von einer S-Baureihe zu einer L-Baureihe, also von einem Hochdruckanschluss auf einen, der diesen Druck gar nicht verkraftet. Aber für den Kunden kann das in gewissen Applikationen so notwendig sein, und wir können es anbieten.

Welche weiteren Trends sehen Sie?

Thomas Schmidt: Das Thema Energieeffizienz ist ein ganz entscheidendes Thema. Auch für die Hydraulik und damit auch für unsere Komponenten. Denn zu einem effizienten System gehört auch die entsprechende Auslegung der Verschraubung. Hier geht es um die Strömungsoptimierung an gewissen Bauteilen, wie etwa richtungseinstellbare Verschraubungen. Ein Trend geht auch auf jeden Fall Richtung Druckstufenerhöhung.

Die Druckstufen sind heute schon sehr, sehr hoch und reizen die Möglichkeiten, die über Material und Design geboten werden, weitestgehend aus. Aber es gibt Kundenanforderungen, die darüber noch hinausgehen. Auf der anderen Seite, quasi entgegengesetzt, gibt es auch Kundenanforderungen nach kostengünstigeren Lösungen. Manchmal werden für gewisse Anwendungen oder Märkte strömungsoptimierte Bauteile durch einfachere Verschraubungsarten, die kostengünstiger sind, ersetzt. Es kommt auf den Anwendungsfall an.

Michael Weidenbrück: Und wenn man Trends abseits der Produktspezifikationen betrachtet: Es ist mit Sicherheit eine Herausforderung der heutigen Zeit, dass man die Kunden global bedienen können muss. Nicht nur, dass unsere Kunden global aufgestellt sind, mit Produktionswerken auf allen fünf Kontinenten. Sondern auch, dass die Maschinen, die in Deutschland gebaut werden, auch wieder exportiert werden.

Und da bietet die Eaton-Organisation schon den Vorteil eines globalen Unternehmens. Wir haben in nahezu allen Ländern Vertretungen oder Partner. Wir haben eigene Werke, in denen wir local for local produzieren, die wir aber auch als Vertriebsorganisation mit nutzen können. Ich denke mal, das ist die Herausforderung der Zukunft: der Mix aus der globalen Verfügbarkeit, der globalen Versorgung und des globalen Services zusammen damit, dass man das Produkt technisch beherrscht.

Wohin wird sich Walterscheid entwickeln?

Thomas Schmidt: Der wirkliche Schlüssel zum Erfolg ist die Partnerschaft. Ein Unternehmen wie Eaton hat sehr viele Möglichkeiten. Wir betreiben Innovationszentren auf allen Kontinenten. In Prag zum Beispiel ist eines, das sich mit Zukunftstechnologien auseinandersetzt. Aber im täglichen Geschäft, in der Anwendung, sind der enge Kontakt zu Endanwender und Handel entscheidend, um Erfolg zu generieren. Hersteller, Handel und Kunde sollten in einer partnerschaftlichen Dreiecksbeziehung Erwartungen kommunizieren und Erfahrungen austauschen. Das ist ein guter Weg, um erfolgreich zu agieren.

Michael Weidenbrück: Mit der Marke Walterscheid blicken wir auf eine lange Historie zurück, auf viele lange Partnerschaften. Eaton hat jetzt die Möglichkeit, das Ganze mit den vielen anderen Hydraulikprodukten zu vervollständigen. Und auch mit elektrischen Produkten. Wir haben auf der Hannover Messe das erste Mal ein komplettes Eaton-Aggregat mit der Kombination Eaton Electrical und Eaton Hydraulics gezeigt. Da geht die Reise hin – wir wollen Systemanbieter sein für die Zukunft.