Frank Braun

„Beim Thema Qualität gibt es bei Voss keine Kompromisse.“ Frank Braun ist Bereichsleiter Qualitätsmanagement bei Voss Fluid

Ein durchaus geläufiges Ziel, das allerdings bei der hohen Anzahl an Marktbegleitern kein leichtes Unterfangen ist. Ein Gespräch mit Frank Braun, dem Bereichsleiter Qualitätsmanagement bei Voss Fluid, über die Herstellungsprozesse in dieser Branche.

Hanna Maurer: Herr Braun, internationale Normen grenzen die Herstellung von Rohrverbindungen ja sehr ein. Sie geben den Rahmen für eine gewisse Einheitlichkeit der Produkte vor und sorgen für eine unproblematische Kompatibilität mit Fabrikaten Ihrer Marktbegleiter. Oder gibt es hier Unterschiede?

Konturgraph

Der Konturgraph mit integriertem Rauheitsmesser tastet den Dichtkegel mit einer Diamantnadel ab und prüft ihn auf Oberflächenrauheit. Bild: Voss Fluid

Die Normen für Rohrverbindungen sind nur Randbedingungen für die Kompatibilität von Produkten und Systemen verschiedener Hersteller – eine Aussage über deren Qualität kann und will die Norm nicht geben. Ausschlaggebend für eine hohe Produktqualität sind letztendlich die Kompetenz des Herstellers sowie dessen Prozesse.

Anwender haben hier verschiedene Möglichkeiten, dies selbst zu überprüfen, wie beispielsweise durch Lieferantenaudits, Erstmusterprüfungen, laufende Lieferantenbewertungen oder die Nachverfolgung von Fehlern oder Reklamationen. Das alles sind Bewertungskriterien für eine hohe Produktqualität.

Hanna Maurer: Wie sieht denn die Definition von Qualitätsstandards bei Voss Fluid im Detail aus?

Wissen Sie, jedes Verbindungselement ist ja nur so gut wie das eingesetzte Vormaterial. Deshalb findet bei uns die Definition von Qualitätsstandards schon im Vorfeld der eigentlichen Produktion statt. Dabei greifen wir nur auf selbst auditierte Partner zurück, die uns ausschließlich rissgeprüftes und EU-Norm-konformes Material zukommen lassen. Im Detail sieht das dann so aus: Alle unsere Zulieferer durchlaufen bis zur ersten Lieferung einen mehrstufigen Freigabeprozess.

Konturmessung mit optischem Profilprojektor

Mithilfe von programmierten Messabläufen werden Voss-Artikel durch ein optisches Kamerasystem innerhalb von Sekunden präzise erfasst. Bild: Voss Fluid

Durch kontinuierliche Lieferantenbewertungen entwickeln wir diese – sowie auch uns selbst – permanent weiter. Ganz nach dem Motto „Wenn es einen Weg gibt, etwas besser zu machen: Finde ihn“.

Hanna Maurer: Und wie wirkt sich das auf Ihre eigenen Herstellungsprozesse aus?

Bei der Herstellung unserer Produkte setzen wir auf modernste Fertigungstechnologien. Dabei werden die Prozesse ständig vollautomatisch überwacht. Darüber hinaus kommen unterschiedlichste Technologien, wie Schnittkraftüberwachungen, Schallsensoren, Weg-/Kraft-Messsysteme, Kamerasysteme, Laserüberwachung und Ähnliches zum Einsatz, um die Produktqualität permanent im Blick zu haben. Zusätzlich werden alle Prozesse mit regelmäßigen Fähigkeitsuntersuchungen auf ihre Tauglichkeit hin geprüft, sodass sie stabil und reproduzierbar bleiben.

Hanna Maurer: Ein hoher Automatisierungsgrad allein gewährleistet aber noch nicht die gleichbleibende Qualität der Produktion, oder?

Ein hoher Automatisierungsgrad kann nur die Basis sein, um die Herstellungsprozesse stabil zu halten. Natürlich führen wir vom Qualitätsmanagement gemeinsam mit der Konstruktionsabteilung auch regelmäßig Benchmark-Analysen durch. So versuchen wir, dass unsere Produkte stets einen kleinen Vorsprung vor denen unserer Marktbegleiter haben.

Eine weitere wichtige Rolle für eine effektive Qualitätssicherung spielt die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Jede Reklamation durchläuft beispielsweise erstmal einen Analyseprozess. Wir nutzen so die Chance, uns mit der Anwendung beim Kunden auseinanderzusetzen und kontinuierlich Verbesserungen in unserem Produktprogramm vorzunehmen.

Hanna Maurer: Man kann also sagen, dass die Messlatte bereits hoch liegt. Wie werden Sie sich zukünftig noch weiterentwickeln?

Messwerte Konturgraph

Eine Computersoftware bildet das Messergebnis des Konturgraphen graphisch ab und bewertet es anhand von Toleranzen, die von der DIN-Norm vorgegeben sind.

Es gibt natürlich immer Luft nach oben. Für die Umsetzung unserer Null-Fehler-Strategie sind wir ständig auf der Suche nach neuen Technologien und Lösungen. Bei all dem ist es zusätzlich sehr wichtig, nicht die bereits bestehenden Prozesse aus dem Auge zu verlieren, sondern diese ebenfalls kritisch zu begutachten. Aktuell arbeiten wir unter anderem an einer 100%-In-Prozess-Kontrolle. Diese soll sukzessive an unseren Fertigungsmaschinen eingeführt werden.

Gleichzeitig investieren wir auch in anderen Bereichen: Im Bereich der Eigengalvanik beispielsweise betreiben wir eine eigene Versuchsanlage, um unsere Kernkompetenz in der Oberflächenbeschichtung kontinuierlich weiterzuentwickeln. In der Montage bereiten wir die Einführung eines Manufacturing-Management-Systems vor, das die Abwicklung der einzelnen Montageaufträge noch effizienter und sicherer machen wird.

Die Anforderungen unserer Kunden steigen stetig. Deshalb bewegen wir uns auf hohem Niveau. Nur so sind wir in der Lage, auch die Anforderungen der Automobilindustrie zu erfüllen. Der Trend hinsichtlich des eingesetzten QM-Systems geht damit klar zur ISO TS 16949.

Hanna Maurer: In die laufende Produktion und bestehende Prozesse einzugreifen, gehört sicherlich zu den größten Herausforderungen im Qualitätsmanagement?

Ich habe das große Glück, in einem Unternehmen zu arbeiten, das Qualität für das Alleinstellungsmerkmal schlechthin hält. Beim Thema Qualität gibt es bei Voss keine Kompromisse. Ein Beispiel: Wir geben an Mitarbeiter nicht nur Leistungs-, sondern auch Qualitätsprämissen aus. SPC-Messsysteme etwa sind an die Maschinensteuerung gekoppelt.

Wenn Messungen vergessen werden, schaltet die Maschine automatisch ab. Darüber hinaus betreiben wir ein aktives Qualitätsmanagement, das heißt, es geht nicht darum, den Status quo zu bewahren, sondern ständig an einer Verbesserung des Qualitätslevels zu arbeiten.

Hanna Maurer: Kommen wir zur ersten Frage zurück: Wie kann denn nun der Anwender die Qualität verschiedener Produkte vergleichen?

Als Erstes sollte er das gesamte Leistungspaket des Lieferanten betrachten. Aus meiner Sicht ist es dabei besonders wichtig zu schauen, inwieweit der Lieferant bereit ist, den Anwender aktiv zu unterstützen. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass die überwiegende Zahl der Leckagen durch Montagefehler hervorgerufen wird.

Hier sollte der Anwender hinterfragen, welche Werkzeuge, Schulungen und Vor-Ort-Unterstützung der Lieferant anbietet. Außerdem muss ein guter Lieferant die gesamte Wertschöpfungskette beherrschen: vom Vormaterial über die Zerspanung bis hin zur Galvanik. Wobei gerade die Oberflächenbeschichtung nicht unterschätzt werden sollte. Die eigentliche Bauteil- und Prozessprüfung durch den Anwender gestaltet sich sehr schwierig, da dafür umfassende Fachkenntnisse notwendig sind.

Bei Voss Fluid unterstützen wir die Qualitätsabteilungen unserer Kunden und Interessenten deshalb von Anfang an sehr intensiv und beraten sie aktiv bei der Auswahl eines geeigneten Lieferanten.

Das Unternehmen Voss Fluid

Systempartner des Maschinenbaus

Voss Fluid ist ein international führender Anbieter hydraulischer Verbindungstechnik. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Wipperfürth und ist mit rund 400 Mitarbeitern Teil der Voss Holding. Das Produktportfolio umfasst Rohrverbindungen für die Stationär- und Mobilhydraulik, darunter Schneidringverschraubungen, Rohrumformsysteme und Flanschverbindungen.

Für Voss Fluid als Entwicklungs- und Systempartner des internationalen Maschinenbaus liegt der Schwerpunkt auf anwendungsspezifischen Systemlösungen. Der Hersteller bietet Kunden alles aus einer Hand: von der Projektierung und dem Engineering über die Fertigung und Montage bis zu wirtschaftlichen Logistikleistungen.

Die vier eigenen Vertriebsgesellschaften in Europa und Asien sowie weitere Präsenzen der Voss-Gruppe und einem weltweiten Händlernetz gewährleisten jederzeit die zuverlässige Distribution ihrer Systemlösungen.