Hans-Jürgen Haas

Wir dürfen aber wohl nicht davon ausgehen, dass wir im Jahr 2016 eine kurzfristig einsetzende massive Verbesserung der wirtschaftlichen Lage sehen.“Hans-Jürgen Haas, Parker Hannifin. Bild: Parker Hannifin

Ende 2014 hatten die Unternehmen keine großen Erwartungen an 2015 – und lagen nach dem bisher vorliegenden Zahlenmaterial des VDMA richtig mit ihrer Einschätzung. Für das erste Halbjahr 2015 sind bereits Zahlen verfügbar: Der VDMA meldet, dass sowohl Umsatz als auch Auftragseingang der Hydraulikunternehmen um ein Prozent zurückgegangen sind. Die Entwicklung kommt nicht ganz unerwartet.

Zwar hatte der Verband Ende 2014 noch mit einem leichten Wachstum von etwa fünf Prozent gerechnet, doch schon im März korrigierte auf drei Prozent und verband diese Prognose zudem mit einem Hinweis auf die Ungenauigkeit einer jeden Vorhersage aufgrund der geopolitischen Lage und marktspezifischen Entwicklungen.

Der stellvertretender Hauptgeschäftsführer im Verband sowie Geschäftsführer der Fachverbände Antriebstechnik und Fluidtechnik Hartmut Rauen erklärte nun im November anlässlich der Agritechnica, dass die Antriebs- und Fluidtechnik ähnlich dastünde wie der gesamte Maschinenbau: „Der Euroraum zeigt eine leichte Erholung, der Nicht-Euroraum eine schwächere Tendenz. Im laufenden Jahr scheinen sich die deutsche Antriebs- und Fluidtechnik in einer Seitwärtsbewegung zu befinden.“

Maschinenbau und Fluidtechnik

Damit steht das laufende Jahr etwas schwächer da als 2014; in diesem Zeitraum war der Umsatz der Branche zumindest ein bisschen gestiegen: Plus vier Prozent lautet das Fazit damals. Der Auftragseingang wuchs gleichzeitig um zwei Prozent. Mit dem Umsatzplus von neun Prozent der Pneumatik lag die Fluidtechnik dann insgesamt bei sechs Prozent Wachstum. In absoluten Zahlen belief sich der Umsatz 2014 auf 4,4 Milliarden Euro, mit der Pneumatik ergab das für die Fluidtechnik rund 6,6 Milliarden Euro, der Maschinenbau insgesamt kam auf einen Umsatz von 212,0 Milliarden Euro.

Gemischte Gefühle beim Rückblick auf 2015

Steffen Haack

Maschinenbauer und Endanwender beschäftigen sich immer stärker mit Industrie 4.0. Damit wächst die Nachfrage nach intelligenter, vernetzbarer Hydraulik und energieeffizienten Lösungen.“
Steffen Haack, Rexroth. Bild: Rexroth

Die Hydraulikunternehmen befinden sie sich trotz der aktuellen Branchelage keineswegs im Jammertal. Tanja Hänchen, Geschäftsführerin von Hänchen, erklärt beispielsweise: „Mit den neuen Produkten H-CFK und Maschinenelemente konnten wir in 2015 schon erste Erfolge erzielen.“

Dazu, dass die Bilanz der Branche insgesamt gemischt ausfällt, tragen verschiedene Gründe bei, wie Hans-Jürgen Haas, Geschäftsführer bei Parker Hannifin, erklärt: „Der weitere Rückgang der Weltmarktpreise für Öl und Gas und die damit verbundene Auswirkungen insbesondere auf den Bereich Offshore-Förderung hat durchaus deutlich negative Spuren beim Bedarf an hydraulischer Ausrüstung hinterlassen. Hier erwarten wir leider auch keine kurzfristige Erholung.“

Im Bereich Mobilhydraulik mache sich die Sanktionen gegenüber Russland und die daraus resultierenden Unsicherheiten in ganz Osteuropa verstärkt bemerkbar, fährt er fort. „Zudem schwächelt der chinesische Markt stärker als wir das zu Beginn des Kalenderjahres erwartet hatten.“ Doch der Geschäftsführer hat auch gute Nachrichten mitzuteilen: „Positiv war die Nachfrage seitens der Hersteller von Anlagen für die Kraftfahrzeugindustrie, wo es momentan einen erhöhten Bedarf an Investitionen in neue Fertigungstechnologien gibt.“

Bei Rexroth war die Entwicklung bei stationären Anwendungen im Bereich des Anlagenbaus und Engineering sowie der Fabrikautomation stark von branchenspezifischen Entwicklungen geprägt. „Rohstoffnahe Branchen wie die Offshore-Ölförderung, Mining oder Metallurgie haben Investitionen in die Zukunft verschoben. Daher verzeichnen wir in diesen Branchen kein Wachstum. Andere Branchen wie die Automobilindustrie und die Umformtechnik entwickeln sich dagegen sehr erfreulich“, erklärt Steffen Haack, Mitglied des Vorstands.