Kolbenspeicher, Bild: Roth Hydraulics

Kolbenspeicher sind ein Kernprodukt bei Roth Hydraulics. Der wichtigste Unterschied zu anderen Speichertypen ist hier die Möglichkeit der Überwachung. Bild: Roth Hydraulics

Das Jahr 2016 hat gezeigt, dass in puncto Effizienz bei den Mobilen Maschinen noch einiges geht. Ein Beispiel dafür ist das Steam-Projekt, bei dem es den Teilnehmern rund um die RWTH Aachen gelang, den Dieselverbrauch eines Baggers mittels einer geänderten Hydraulik um ein Drittel zu reduzieren. Die Forscher setzten dabei auf eine Speicherhydraulik. Das Projekt war auch unter den Nominierten für den Bauma-Innovationspreis 2016 in der Kategorie Forschung. Insgesamt sei ihm die Rekuperation auf der Bauma 2016 an vielen Ständen begegnet, berichtet Frank Fuchs. Er ist Geschäftsführer beim Speicheranbieter Roth Hydraulics, der bis vor Kurzem noch Bolenz & Schäfer hieß.

Bei der Energierückgewinnung gibt es zweierlei Methoden: Entweder wird anfallende Energie aus sich senkenden Lasten oder Bremsenergie direkt in einen anderen Verbraucher geleitet oder sie wandert in einen Speicher. „Der hydraulische Speicher hat gegenüber elektrischen Speichern eine höhere Dauerfestigkeit und Energiedichte. Außerdem ist er kompakter“, argumentiert Fuchs. Das Unternehmen arbeitet momentan auch an Projekten zur Rekuperation mit Baumaschinenherstellern.

Andere Trendthemen wie Industrie 4.0 sind für die Speichertechnik bislang weniger relevant. Es gäbe in diese Richtung momentan keine starken Impulse, da die Preise für Sensoren noch recht hoch lägen, erklärt Fuchs. Das Unternehmen arbeite dennoch zusammen mit einem Sensorhersteller an einer derartigen Lösung.

Ähnlich sieht es bei Leichtbau-Varianten aus: Materialien wie CFK sind für Speicherlösungen zwar grundsätzlich geeignet, aber auch hier ist der deutlich höhere Preis dieser Werkstoffe ein Hindernis. Die Unternehmen würden deshalb bei gewichtsreduzierten Varianten eher auf veränderte Geometrien setzen, erklärt Hartmut Kämmer, Leiter Vertrieb und Marketing bei Roth Hydraulics. Prototypen gebe es auch schon, wobei allerdings – egal in welcher Variante – Zertifizierungen und Richtlinien fehlen.

Fortschritte in der Speichertechnik

Harmut Kämmer und Frank Fuchs von Roth Hydraulics, Bild: fluid
Vertriebs- und Marketingleiter Hartmut Kämmer (links im Bild) und Geschäftsführer Frank Fuchs. Bild: fluid

Dauerbrenner für die Entwicklungsabteilung des Speicherherstellers sind hingegen die Bauteilsauberkeit, längere Lebensdauer der Speicher und die Weiterentwicklung der Dichtungssysteme. Das gilt vor allem für die Kolbenspeicher, die der Hersteller seit 1952 fertigt. Sie werden beispielsweise bei Crashtests eingesetzt und halten bis 1200 Bar aus.

Auch bei Kundenanfragen werden die Entwickler aktiv. „Da ging es beispielsweise mal um eine Anwendung, die bis -60 Grad Celsius arbeiten sollte. Dafür mussten wir ein applikationsspezifisches Dichtungssystem entwickeln“, erzählt Fuchs. Kleinserien bis zehn Stück oder auch Einzelanfertigungen sind bei den Kolbenspeichern nicht ungewöhnlich. „Bei den kundenspezifischen Aufträgen geht es nicht nur um die Bauform, sondern auch um Anschlüsse“, erläutert Fuchs.

Der Vorteil von Kolbenspeichern gegenüber anderen Speichertypen ist die Überwachungsmöglichkeit. „Das sind Bereiche, die zunehmend an Bedeutung gewinnen werden“, erklärt Fuchs. „Wir setzen darauf, dass sich dort einiges tun wird.“

Die Kolbenspeicher produziert das Unternehmen fast zu 100 Prozent selbst. „Die Produkte müssen rückverfolgbar sein, bis zur Rohstoffcharge“, erklärt Fuchs. „Wichtig ist eine 100-prozentige Wareneingangsprüfung bei Dichtungen, die wir von namhaften europäischen Herstellern nach unseren Spezifikationen beziehen.“ Um weltweit den gleichen Qualitätsstandard anbieten zu können, produziert das Unternehmen die Kolbenspeicher in Deutschland und liefert sie von dort in alle Welt.