Weber Steuerblock

Steuerblock für hydraulische Pressen von Modulhydraulik Weber. Ein integriertes Zylindersynchronisationsventil kompensiert Dichtungsverluste von Hydraulikzylindern.

Klein, aber fein. So lässt sich kurz und prägnant die österreichische Firma Modulhydraulik Weber beschreiben. Denn was andere Hydrauliker mit Stahl realisieren, führt das in Gattendorf ansässige Unternehmen MHW in Aluminium aus. Mit großem Erfolg. Vier Produktsegmente belegen das: Gleich-/Wechselstromhydraulikaggregate, Steuerblöcke, Rohrbruchventile und Cartridgeventile.

Die Webers reisen viel. Nach Japan, Australien, USA, aber auch in Schwellenländer wie Südafrika und Malaysia. Gemeint sind Gisela, Walter und Günter Weber von der österreichischen Firma Modulhydraulik Weber, die im Jahr 1985 von dem Trio gegründet wurde.

Erfährt man nun, dass die in der 1200-Einwohner-Gemeinde Gattendorf ansässige Firma insgesamt rund 80 Mitarbeiter beschäftigt, denkt man zwangsläufig über die rege Reisetätigkeit der Drei nach. Natürlich sind das keine Lustreisen, sondern Besuche bei bestehenden und möglichen zukünftigen Kunden. Und dennoch. Die folgende Geschichte jedenfalls bringt Licht ins Dunkel und erklärt, warum die Webers China heute noch meiden.

Eines vorab: Auf der Internetseite findet sich neben dem Kürzel MHW (für Modulhydraulik Weber) noch das AHT-Logo. Die drei Buchstaben stehen für Aluhebetechnik. Dahinter verbirgt sich der in eine eigenständige Firma eingebrachte Geschäftszweig, der mit Ladebordwänden aus hochfestem Aluminium zu tun hat. AHT ist im Übrigen das einzige Unternehmen, das auf eine Vollaluminium-Bauweise setzt. Diese Aktivitäten sind im Folgenden weitgehend ausgeklammert. Dennoch lässt sich nicht ganz verhindern, dass ab und an dann doch die Rede davon sein wird.  Umsatzbezogen weit größer als der Ladebordwand-Zweig ist der Hydraulikbereich. Der umfasst im Wesentlichen Gleich- und Wechselstrom-Hydraulikaggregate, Ventil- und Steuerblöcke aus hochfestem Aluminium, Voll-Aluminiumzylinder und schließlich absolut dichte Cartridgeventile in verschiedenen Baugrößen.

Warum nun die Hydraulikkomponenten der kleinen Firma Modulhydraulik Weber bei Anwendern so hoch im Kurs stehen, erklärt sich in erster Linie über die Technik, aber auch ein bisschen über die Firmenphilosophie. Walter Weber betont: „Wir arbeiten Tag und Nacht und der Kunde ist bei uns König.“

Stetige Weiterentwicklung

Dass in der Vergangenheit immer wieder erfolgreiche Produkte auf den Weg gebracht worden sind, dokumentieren viele Weber-Exponate. Exemplarisch sollen im Folgenden drei Produkte als Fallbeispiele dienen: Steuerblock, Rohrbruchventil und Cartridgeventil. Für alle drei Produktgruppen gilt: Sie sind über die Jahre hinweg stetig weiterentwickelt worden und die Produktentwicklungen waren in aller Regel kundengetrieben. Walter Weber bringt es auf den Punkt: „Unser Geschäftsmodell ist, dass wir uns mit den Produkten dem jeweiligen Land anpassen und nicht versuchen, unser Standardprodukt durchzudrücken.“ Und noch eines: Das Cartridgeventil-Programm und die Gleich-/Wechselstromhydraulikaggregate sind die Hauptumsatzträger.

Günter Weber

Günter Weber hat ganz wesentlich die Produktentwicklung der neuen Steuerblock-Generation geprägt. Wie so manch anderes von Modulhydraulik Weber ist auch dieser Block aus Alu.

Bei der neuen Steuerblock-Generation, das betonen Walter Weber und seine Frau Gisela immer wieder, hat Günter Weber ganz wesentlich die Produktentwicklung geprägt. Der erste Anwender war ein großer österreichischer Hersteller von hydraulischen Abfallpressen. Als Hintergrund: Die wesentlichen Hydraulikkomponenten sind Hydroaggregat, Hydraulikzylinder und Steuerblock. In derartigen Pressen wurden über viele Jahre hinweg Steuerblöcke aus Stahl verwendet. Manko war: Die Blöcke konnten Undichtheiten im Zylinder nur bis 1,5 l kompensieren. Daraufhin wurden die Gattendorfer Hydraulikspezialisten von dem Pressenbauer mit der Frage konfrontiert, ob man das denn besser lösen könne. Und Modulhydraulik Weber konnte. Günter Weber: „Wir haben für den Block nicht Stahl, sondern Aluminium verwendet. Unser Steuerblock ist konstruktiv so konzipiert, dass er in der Lage ist, bis zu 6,5 l undichtes Öl im Zylinder auszugleichen. Zudem wiegt der Alu-Block nur halb so viel wie die Stahl-Variante und die Rostproblematik stellt sich auch nicht. Bauteile und Laufflächen der Steuerelemente sind keramikbeschichtet, dadurch verschleißfrei.“

Nullfehlerstrategie überzeugt

Mittlerweile seien den Angaben von Weber zufolge rund 3000 Steuerblöcke im Markt. Außerdem setze seit kurzem ein zweiter österreichischer Abfallpressen-Hersteller auf die Vorteile der Weber-Blöcke, dem nach erfolgter Auditierung „die langfristigen Geschäftsbeziehungen mit japanischen Kunden und die Nullfehlerstrategie der Webers“ überzeugt haben. Damit decke man nun 100 % des österreichischen Marktes ab. Da drängt sich beinahe zwangsläufig die Frage nach dem deutschen Markt auf. Günter Weber sagt: „Der deutsche Markt ist der naheliegendste, größte und interessanteste Markt. Es existieren bereits Kontakte zu deutschen Müllpressenbauern und wir haben auch schon Muster geliefert. Doch die Zurückhaltung ist noch sehr groß. Wir stellen immer wieder fest, dass man einer kleinen Firma, die zudem nicht auditiert ist, große Engineeringleistungen nicht zutraut.“ Dabei kann Walter Weber mit einer interessanten Zahl aufwarten: „Wir hatten in den letzten zwei bis drei Jahren bei den Steuerblöcken keinen einzigen Reklamationsfall.“

Auf die Frage, wie man denn beim Preisvergleich zur Stahlausführung abschneide, antwortet Günter Weber: „Unser Alu-Block kann mehr und obendrein ist er nicht teurer als das Stahlpendant.“ Im Moment gibt es hinsichtlich der Größe nur eine Grundvariante. Die österreichischen Hydraulikprofis sind aber in der Lage, sich ganz den Wünschen der Anwender anzupassen. Beispielsweise hinsichtlich der Anzahl und Ausführung der Druckschalter oder der Sicherheitsventile. Günter Weber ergänzt: „Wir haben für den Block ein spezielles Sicherheitsventil entwickelt, das auf zwei verschiedene Drücke einstellbar ist und als Cartridgeventil ausgeführt ist.“

Dass die Zeit bei den Steuerblöcken nicht stehen bleibt, zeigt sich an einer aktuellen Produktergänzung. Derzeit entwickeln die Ingenieure einen anflanschbaren Zusatzblock, der die Müllpresse im Einsatz noch flexibler macht. Walter Weber fasst zusammen: „Was der Kunde haben möchte, bekommt er von uns.“ Dass da der Steuerblock neben der Abfallpresse künftig auch noch in anderen Applikationen Eingang finden wird, versteht sich beinahe von selbst.

Nicht weniger spannend ist die Entwicklungsgeschichte, die sich hinter den Rohrbruchventilen verbirgt. Derzeit sitzen alle gängigen Rohrbruchventile tief im Anschlussgewinde von Zylindern. Sollen diese ausgebaut und nachträglich eingestellt werden, stehen die Servicetechniker häufig vor großen Problemen. Denn: die Ventile sind meist eingeklebt.

Rohrbruchventile von MHW

Die Rohrbruchventile von MHW sind anders als all die anderen bekannten Ausführungen. In Rohrverschraubungen integriert sind sie einstellbar.

Welche Umstände mit dieser Konstruktion verbunden sind, musste Walter Weber vor Jahren selbst leidvoll erfahren: „Es waren 30 Ladebordwände in einem Container nach Australien zu liefern. Im letzten Moment hatten wir bemerkt, dass die Rohrbruchventile falsch eingestellt waren. Die Folge davon war ein riesiger Änderungsaufwand. So entstand die Idee, die Rohrbruchfunktion direkt in die Verschraubung zu integrieren. Innerhalb von einem Tag haben wir den Fauxpas aus dem Weg geräumt und das ohne großes Entwicklungsbudget.“ So geht man in Gattendorf grundsätzlich mit Problemen um. Hat jemand eine gute Idee, appellieren Gisela, Walter und Günter Weber an die Mitarbeiter: „Kameraden aufs Pferd, wir reiten.“

Seit nunmehr zehn Jahren besitzt MHW ein Patent für das Rohrbruchventil, bei dem in handelsübliche Standardverschraubungen das Ventil eingebaut wird. Der Vorteil, dass diese Leitungssicherung einfach nachjustiert werden kann, war für viele Anwender überzeugend und so hat das Produkt über die Jahre in vielen hydraulischen Anwendungen Eingang gefunden. Erwähnenswert noch: Selbst wenn die Rohrverschraubung durch Fehlmontage am Gewinde abgerissen wird, schließt das Ventil bei Schlauchbruch sofort und verhindert Schlimmeres.

Vor kurzem sind nun die Hydraulikprofis in Sachen Rohrbruchventil den nächsten Entwicklungsschritt gegangen, den Gisela Weber so beschreibt: „Bei der wieder patentierten Idee brauchen wir nicht zwingend eine Verschraubung, sondern wir reduzieren das Ventil auf sich selbst und können es direkt in einen Schlauch einbauen. In der Konstruktion des Rohrbruchventils gab es vom ersten zum zweiten Entwicklungsschritt keine Veränderung. So gesehen ist die Neuheit bereits millionenfach bewährt.“

Dass Patentanmeldungen für Modulhydraulik Weber wichtig sind, steht außer Frage. Im Zusammenhang mit China stellt sich der Stellenwert allerdings etwas anders dar. Gisela Weber klärt auf: „Der Produktzyklus ist generell deutlich kürzer geworden als noch vor 20 Jahren. Das bedeutet, in den ersten Jahren, wenn das neue Produkt patentgeschützt ist, ist das ein Vorteil im Markt. Das ist auch einer der Gründe, warum wir China weitgehend meiden. Denn die Chinesen nehmen keinerlei Rücksicht auf Patente.“

Einen sehr hohen Stellenwert nehmen Cartridgeventile bei Modulhydraulik Weber ein. Anders ausgedrückt: sie sind ein konstanter Umsatzträger des Unternehmens. Die hundertprozentige Dichtheit der Ventile war vor zwanzig Jahren der Türöffner und das Eintrittsprodukt in den japanischen Markt.

Cartridgeventile von MHW

Die absolute Dichtheit ist das besondere Merkmal der Cartridgeventile von MHW.

Auf die Frage, worin sich denn die Ventile von den zahlreichen Wettbewerbsprodukten unterscheiden, antwortet Walter Weber: „Unsere Ventile sind absolut dicht und weisen keine interne Leckage von drei bis fünf Tropfen, die in der Branche als Standard gelten, auf. Das Erfolgsgeheimnis ist auch hier die Aluminium-Bauweise.“

Mit den früher eingesetzten Fremdfabrikaten aus Italien und USA hat Weber nur schlechte Erfahrungen gemacht. Die Cartridgeventile waren zu einem Großteil undicht: „Nachdem wir alle Innenteile, die aus Stahl und zum Teil gehärtet und geschliffen waren, durch eine druckkompensierte Aluminiumkonstruktion ersetzt haben, waren die Ventile auf Anhieb dicht.“ Diese Erfahrung war letztendlich der Startschuss für die Eigenentwicklungen.
Gisela Weber beschreibt das aktuelle Portfolio so: „Die Ventile sind angepasst an die Mobilhydraulik mit relativ geringe Durchflussmengen. Sie sind kompakt und leicht. Sie stehen in vier Baugrößen von 8 bis 100 l/min zur Verfügung. Aus den vier Baugrößen können wir jede Menge Ventiltypen generieren. Der Druckbereich reicht bis 300 bar. Markant ist jedoch die absolute Dichtheit der Ventile und dieses Attribut ist für unsere Kunden bestechend.“

Obwohl sich MHW mittlerweile seit 15 Jahren mit Cartridgeventilen beschäftigt, ruht sich die Mannschaft um die Famile Weber nicht auf den Lorbeeren aus. Um nur ein Fallbeispiel herauszugreifen: Eine recht diffizile Angelegenheit war die Cartridgeventil-Entwicklung für Zentralschmieranlagen. Dass sie vom Anwender angenommen worden ist, spiegelt sich in entsprechenden Stückzahlen wider.

Dass Modulhydraulik Weber immer für Überraschungen gut ist, haben die Österreicher in der mittlerweile beinahe 30-jährigen Firmengeschichte immer wieder aufs Neue bewiesen. Doch das Erfindungspotenzial ist noch längst nicht erschöpft. Und so werden die Webers schon in Kürze eine Sache präsentieren, die für Furore sorgen wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

Autor: Franz Graf, Chefredakteur