Geplatzter Schlauch mit Berstschutz, Bild: fluid/hei
Wenn ein Schlauch platzt, schützt der Schlauchschutz Anwender vor Hydrauliköl. Dieses wird dank dem Berstschutz zertäubt. Bild: fluid/hei

Wenn es dann zum Versagen der Hydraulik-Schlauchleitung kommt, sind peitschende Leitungen, spritzende Hydraulikflüssigkeiten, Brandgefahren und Verätzung von Haut und Atemwegen nur einige der Gefahren. Diese Gefährdung des Personenschutzes reicht dann schließlich doch aus, damit Unternehmen Gelder für Schutzmaßnahmen freigeben.

Andreas Laubsch von Rauh Hydraulik - Gefahren bei Schläuchen erkennen (Quelle: fluid)

Die Gefahrenquellen lassen sich mit einer Gefährdungsbeurteilung nach BGR 237 erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen festlegen. Ausserdem werden in dieser Berufsgenossenschaftlichen Regel verschiedene Prüfungen nach der Montage und vor der Inbetriebnahme sowie wiederkehrende Prüfungen empfohlen. Auch sollten Unternehmen Prüffristen festlegen und auch einhalten, um möglichen Ausfällen von Hydraulik-Schlauchleitungen rechtzeitig zuvor zu kommen.

Andreas Laubsch von Rauh Hydraulik - Wo Schutzschläuche Sinn machen (Quelle: fluid)

Eine Möglichkeit sich vor Pinholes und Co. zu schützen sind einfache Schutzschläuche wie ein Berstschutz. Der Schutzschlauch zerstäubt beim Platzen des Schlauches den gefährlichen Ölstrahl und schützt damit den Mitarbeiter. Dabei sollte der Berstschutz nicht zu eng gewählt werden. Der Innendurchmesser des Schutzschlauches muss erfahrungsgemäß 30 Prozent jedoch mindestens 15 Millimeter größer sein als der Außendurchmesser der Hydraulik-Schlauchleitung.

Außerdem sollte dieser „offen“ montiert werden und sowohl Schlauch als auch Fassungen bedecken. Ist eine Befestigung erforderlich, sollte der Schutzschlauch nur einseitig zum Beispiel mit Kabelbindern oder Schellen befestigt werden. Bei beidseitiger Befestigung muss der Anwender darauf achten, dass beim Bersten das Hydrauliköl abfließen und die Energie des plötzlich austretenden Öles abgefangen werden kann. Deswegen sollte der Schutzschlauch auch im gebogenen Zustand der Leitung nicht unter Spannung stehen.

Andreas Laubsch von Rauh Hydraulik - Die richtige Montage von Schutzschläuchen (Quelle: fluid)

Sicherheit beginnt beim Konstrukteur

Aber nicht nur die Montage ist ausschlaggebend, sondern auch schon die ersten Schritte in der Konstruktion. Ingenieure müssen darauf achten, dass die verwendeten Schläuche auch den Umgebungsbedingungen standhalten. Sie müssen zum Beispiel auf ölhaltige Luft, Einsatz von Reinigungsmittel, Umgebungstemperatur und Maximaldrücke achten. Vor Allem Druckspitzen belasten die Hydraulik-Schlauchleitung enorm. Auch die richtige Schlauchgröße sei wichtig, erklärt Laubsch. Werde ein zu kleiner Schlauchdurchmesser gewählt, stehe der Schlauch permanent unter Belastung durch zu hohe Durchflussgeschwindigkeiten. Eine weitere Aufgabe des Konstrukteurs ist es, an den gefährlichen Stellen entsprechende Abschirmungen oder Fangsicherungen vorzusehen, offen zugängliche Hydraulikschlauchleitungen an seiner Maschine verbaut sind.

Schlauchtest bei Rauh Hydraulik - Der Berstschutz wirkt (Quelle: fluid)

Test einer Hydraulik-Schlauchleitung 1SN DN 12, Betriebsdruck 160 bar, Prüfdruck 320 bar, mind. Berstdruck 640 bar. Die Schlauchleitung wurde vorgeschädigt (stark angescheuert, Drahteinlage verletzt), um eine realitätsnahe Situation zu simulieren, geborsten bei 150 bar, das austretende Öl wird durch den korrekt montierten Schutzschlauch sehr gut zurückgehalten bzw. zerstäubt.

Was Konstrukteure und Anwender beachten sollten

  • Richtige Auswahl von Schlauchleitungen unter Beachtung der Umgebungsbedingungen
  • Personen vor Schlauchleitungen in Verkehrswegen schützen, durch Schutzschläuche bzw. andere Schutzmaßnahmen
  • Richtige Montage des Berstschutzes: 30 Prozent größer als der Schlauch, einseitige oder beidseitige Befestigung mit Kabelbindern oder Schellen, Schläuche dürfen dabei nicht gequetscht werden; das Öl muss abfließen können
  • Regelmäßige Prüfung der Leitungen: nach der Montage und vor der Inbetriebnahme, während der Inbetriebnahme und bei der Instandhaltung
  • Einhaltung der Prüffristen
  • Bei Prüfungen auf die richtige Montage und Sitz des Schutzschlauchs achten