Rohrgeometrien verarbeiten

Mit dem Gerät lassen sich ganz verschiedene Rohrgeometrien verarbeiten. Bild: Voss Fluid

Rund um den Globus werden tagtäglich unzählige Kilometer an Rohrleitungen für unterschiedlichste Systeme der Stationär- und Mobilhydraulik gefertigt. Ihnen gemein ist die Forderung nach sicheren und wirtschaftlichen Rohrverbindungskomponenten. Die Wahl fällt oftmals auf Schneidringsysteme. Einen Qualitätshersteller vorausgesetzt bieten sie bei mustergültiger Montage hohe Leckagesicherheit.

Für die korrekte Vormontage sind am Markt diverse Hilfsmittel erhältlich, von Handvormontagestutzen für die Einzelmontage im Schraubstock über Servicemaschinen für die Baustelle bis hin zu Vormontagegeräten für die Serienfertigung.

Bei den meisten Montagearten ist der jeweilige Monteur für die korrekte Einstellung und Handhabung zuständig. Genau dieser Sachverhalt birgt allerdings Fehlerpotenzial: Schneidringe können falsch herum aufgesetzt werden. Auch können unpassende Schneidringe ausgewählt werden. Nicht immer werden fehlerhaft vormontierte Leitungen erkannt und ausgemustert; das gilt insbesondere bei häufig wechselndem oder unerfahrenem Personal. Die Folge sind Leckagen an Maschinen und Anlagen, die durch Servicetechniker behoben werden müssen, was hohe Kosten verursachen kann, vom Imageschaden ganz zu schweigen.

Auch wenn es sich um Ausnahmefälle handelt und qualitativ hochwertige Schneidringsysteme ein hohes Maß an Leckagefreiheit bieten, hatte der Verbindungstechnikanbieter Voss Fluid eine Idee, um den Prozess zu verbessern. Das Unternehmen brachte ein neues Vormontagegerät für die Serienmontage von Schneidringen auf Stahl- und Edelstahlrohre auf den Markt: das Vormontagegerät Typ 90 Comfort.

Fehlerquellen eleminieren

Das neue Vormontagegerät bietet ein Plus an Sicherheit durch die Kombination von automatisierten Bedien- und Handlingprozessen sowie durch zuverlässige Fehlererkennung: Der Monteur rüstet das Vormontagegerät lediglich mit dem zu verarbeitenden Rohr sowie dem passenden Werkzeug des Anbieters und startet den Vormontageprozess. Ab diesem Zeitpunkt realisiert der Typ 90 Comfort alle weiteren Aufgaben selbsttätig und verwendet dazu Technik für die automatische Identifizierung von Objekten: Im Kolben des Vormontagegeräts befindet sich ein RFID-Lesegerät, zudem sind alle Werkzeuge mit einem RFID-Chip ausgestattet. Sobald die Maschine gerüstet wird, liest sie den Werkzeugchip aus und stellt den benötigten Arbeitsdruck ein. Direkt im Anschluss startet die druck- und wegabhängige Vormontage.

Durch die hohe Automatisierung sind Bedienfehler selbst bei ständigen Werkzeugwechseln wirksam unterbunden. Allenfalls ein unkorrektes Rüsten der Maschine wäre noch denkbar. In diesen Fällen greift jedoch die integrierte Fehlererkennung: Das Vormontagegerät identifiziert denkbare Mängel, beispielsweise einen falsch positionierten oder fehlenden Schneidring, und zeigt sie auf dem Display an. Damit der Monteur die Warnung nicht übersehen kann, muss er die Information erst manuell bestätigen, bevor er den Fertigungsprozess fortsetzen kann.

Auf diese Weise ist eine höhere Prozesssicherheit in der seriellen Schneidringvormontage gewährleistet.

Geschwindigkeiten zwischen 1,8 und 2,5 Sekunden

Außerdem lohnt ein Blick auf die Taktzeiten des Vormontagegeräts: Bei kleineren Durchmessern liegt die Geschwindigkeit je Schneidringmontage bei etwa 1,8 Sekunden, beim größten Rohraußendurchmesser von 42 Millimeter bei rund 2,5 Sekunden. Im Vergleich zum Vorgängermodell reduzieren Anwender ihre Taktzeiten durchschnittlich um mehr als 60 Prozent.

Darüber hinaus bietet das Vormontagegerät mehr Flexibilität in der Fertigung. Das Maschinendesign erlaubt die Verarbeitung unterschiedlicher Rohrgeometrien. Auch enge 180-Grad-Bögen und sperrige Leitungsverläufe lassen sich qualitativ hochwertig vormontieren. Möglich macht dies die V-förmige Aussparung am Doppelkolben des Geräts.

Bei Bedarf kann der Typ 90 Comfort mithilfe eines Maschinenumbaus durch den Anbieter auch für die Vormontage von BV-10-Bördelkegeln und

ZAKO-Kragenringen eingesetzt werden. Auch bei diesen Rohrverbindungskomponenten gewährleistet das Gerät hohe Prozesssicherheit. Durch die konstante, wegabhängige Montage gehören beispielsweise übermontierte Kegel der Vergangenheit an.

Individuelle Systemeinstellungen

Ein Unternehmen, das sich für das Vormontagegerät entscheidet, erhält eine individuell zugeschnittene Maschine. Das betrifft die Anzahl und Zuordnung der Werkzeuge ebenso wie optionale Zusatzausstattungen wie Fußschalter oder eine Bedienung für Linkshänder. Die kundenindividuelle Parametrisierung und Kalibrierung der Maschine übernimmt ein Servicetechniker des Anbieters vor Ort. Anhand von Masterstücken wird bei Bedarf für jedes Rohrmaterial und jeden Durchmesser eine separate Programmierung vorgenommen und Codewort-geschützt gespeichert.

Das Gerät hat einen USB-Anschluss, was externe Speicherung und Archivierung ermöglicht, außerdem kann die Programmierung auf diese Weise auf weitere Geräte überspielt werden. Nachträgliche Anpassungen für Sonderanwendungen sind umsetzbar.

Die frei programmierbare Zähleinrichtung bietet dem Werkstattmeister zudem die Möglichkeit zur statistischen Auswertung; auch Datum und Uhrzeit einer Fehlermeldung sind nachvollziehbar. Das Vormontagegerät eignet sich somit vor allem für Unternehmen, die großen Wert auf eine prozesssichere, zügige Vormontage von Schneidringen legen oder häufig Rohre mit engen Radien verarbeiten. do

Autor: Marco Schawohl, Voss Fluid

Technik im Detail

Typ 90 Comfort

Schneidringe – sechs bis 42 Millimeter Rohr-AD

BV-10 Bördelkegel – sechs bis 42 Millimeter Rohr-AD (nach Maschinenumbau)

ZAKO Kragenringe – bis 38 Millimeter Rohr-AD (nach Maschinenumbau)