| von Dagmar Merger
Rüdiger Hellstern von Hydropneu, Bild: Hydropneu
"Die Vernetzung und Abstimmung von Produktionsabläufen in hydraulisch betätigten Maschinen und Anlagen wird die 'Kommunikationsfähigkeit' fast sämtlicher hydraulischer Funktionskomponenten erfordern", so Rüdiger Hellstern von Hydropneu, Bild: Hydropneu

Rüdiger Hellstern von Hydropneu weist auf ungenutzte Möglichkeiten Seitens der Anwender hin: „Technologisch gibt es seit Jahren etliche Zukunftsthemen wie Energie, Überwachung und Steuerung mit Optimierungspotential bei Service und Verfügbarkeit, die unseres Erachtens bei Hydraulikzylindern noch nicht die ausreichend große wirtschaftliche Bedeutung haben. So hat sich zum Beispiel unser vor knapp drei Jahren vorgestellter, energieoptimierte Kernzugzylinder, der fast 30 Prozent energieeffizienter arbeitet, bisher fast gar nicht durchgesetzt.“ Ein wichtigster Treiber der Zukunft ist für ihn der Industrie-4.0-Gedanke: „Die Vernetzung und Abstimmung von Produktionsabläufen in hydraulisch betätigten Maschinen und Anlagen wird die ‚Kommunikationsfähigkeit‘ fast sämtlicher hydraulischer Funktionskomponenten erfordern. Sensorik unterschiedlichster Art und Kommunikationssysteme werden immer wichtiger werden“, erwartet Hellstern.

Integrierte Messtechnik ist auch bei anderen Herstellern hoch im Kurs. Markus Rukaber von Rexroth erklärt: „Außer der Debatte um die Hartchrombeschichtung sehen wir heute vor allem technologische Treiber aus dem Markt. Im Rahmen von Industrie 4.0 verlagert Rexroth zunehmend die Intelligenz in die Produkte und damit auch in den Zylinder. Beispielsweise mit der neuesten Generation des vollständig im Hydraulikzylinder integrierten Messsystems CIMS. Es erfasst kontinuierlich die Position der Kolbenstange kontaktlos und sehr präzise.“ Die höchste Ausbaustufe in punkto Funktionsintegration seien die autarken Achsen, fügt Rukaber hinzu. „Sie ergänzt den Hydraulikzylinder mit einer integrierten geregelten Motor-Pumpenbaugruppe, einem kompakten Steuerblock und einem eigenen dezentralen Fluidkreislauf zu einer einbaufertigen Achse.“

Zylinder im Industrie-4.0-Umfeld

Martin Kaufmann von Parker Hannifin, Bild: Parker Hannifin
"Parker hat für seine Hydraulikzylinder eine neue Kolbenstangenbeschichtung entwickelt. Global Shield verzichtet komplett auf die Kolbenstangenbeschichtung mit Chrom", führt Martin Kaufmann von Parker Hannifin aus. Bild: Parker Hannifin

André Schwerzmann von ATP Hydraulik bestätigt die zunehmende Bedeutung integrierter Messsysteme: „Es ist ganz klar ein Trend, der aktuell noch mehr zulegt. Der Bedarf nach mehr Informationen darüber, welche Position der Zylinder gerade innehält, der Wunsch nach mehr Regelung und Überwachung ist natürlich nicht zuletzt durch die Industrie 4.0 und der Prozesssicherstellung der Anlagen getrieben.“

Und auch Martin Kaufmann von Parker Hannifin stellt fest: „Der Trend zu mehr Sensorik in Maschinen, Baugruppen und Komponenten ist ungebrochen. Hier gilt es jeweils die neueste Technologie passend zur Aufgabe zu verwenden.“

Ähnlich äußert sich Christan Zenner von Liebherr-Components. Für ihn sind die intelligenteren Zylinder einer von zwei großen Technik-Trends bei den Hydraulikzylindern. Der Zweite sind Komplettsysteme aus einer Hand: „Dabei steht die einzelne Hydraulikkomponente nicht mehr im Vordergrund, sondern das Gesamtpaket, in dem die einzelnen Komponenten von Beginn an aufeinander abgestimmt sind“, erklärt er.

Für Lisa Haslauer von Neuson Hydrotec steht neben der Integration von Ventilen und Sensoren ein anderes Thema im Vordergrund: „Kompaktdichtungen treten in den Hintergrund und werden ersetzt durch Gleitringdichtungen in Verbindung mit Kunststoffführungselementen“, sagt sie. Über den einzelnen Zylinder hinaus beobachtet sie vermehrt den Einsatz von drehzahlvariablen Antriebssystemen für hydraulische Pumpen, um Hydraulikanwendungen energieeffizienter zu machen. Dabei wird die Motor- oder Pumpendrehzahl stufenlos dem effektiven Leistungsbedarf des Prozesses angepasst. „In Einzelfällen können durch Drehrichtungsumkehr Ventile entfallen, Energie aus dem Prozess zurückgewonnen, ins Netz eingespeist oder zwischengespeichert werden. Die verwendeten Motore können kurzzeitig bis zu 300% überlastet werden. Das Aggregat kann dadurch kleiner, leichter, schwächer dimensioniert werden“, bilanziert Haslauer.

Kostenlose Registrierung

Bereits registriert?
*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?