| von Dagmar Merger
Markus Rukaber von Bosch Rexroth. Bild: Rexroth
"Im Rahmen von Industrie 4.0 verlagert Rexroth zunehmend die Intelligenz in die Produkte und damit auch in den Zylinder", beobachtet Markus Rukaber von Bosch Rexroth. Bild: Rexroth

Auch gibt es mitunter technische Nachteile, wie Klaus Wagner von Hänchen bemerkt: „Die Alternativen sind teilweise deutlich rauer als die verchromten und gehonten Oberflächen. Dadurch ist der Dichtungsverschleiß zwangsläufig höher, wodurch entsprechend höhere Leckagen zu beobachten sind, die sich je nach Anwendung negativ auf Umwelt oder Betriebssicherheit auswirken können. Die Reibwerte alternativer Oberflächen liegen höher und verursachen dadurch im Betrieb unnötige Energieverluste.“

Alternative Oberflächenbeschichtungen können jedoch auch positive Effekte haben, wie Markus Rukaber, Leitung Produktmanagement und Marketing Hydraulik bei Bosch Rexroth erklärt: „Aus unserer Erfahrung mit Beschichtungstechnologien wie unserem Enduroq-Programm wissen wir, dass wir durch die Verwendung von speziellen Legierungen sogar die Robustheit und Haltbarkeit verbessern können. Bei der Ablösung der Hartchrombeschichtung durch alternative Beschichtungsverfahren im Bereich Standardzylinder ist der Skaleneffekt die im Wesentlichen bestimmende Kostengröße.“

Bei Parker Hannifin sieht man das Thema entspannt. Das Unternehmen habe eine chromfreie Beschichtung entwickelt, erklärt Martin Kaufmann, Product Managar Hydraulic Cylinder: „Mit der Entwicklung von Global Shield ist es Parker sogar gelungen, die primären Betriebsanforderungen an eine Kolbenstangenbeschichtung noch zu steigern.“ Die Oberfläche verlängere die Lebensdauer der Dichtungen, fährt er fort. „Die Korrosionsbeständigkeit übertrifft Beschichtungen mit Chrom, Nickel-Chrom und Nitrierungen bei weitem.“

Thorsten Brecht von Weber-Hydraulik, Bild: Weber-Hydraulik
"Die Digitalisierung der Hydraulik spielt eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien. Hier setzen wir sehr stark auf integrierte Systemen, die unseren Kunden einen Mehrwert in Bezug auf Energieeffizienz, Sicherheit und Verfügbarkeit bieten", erklärt Thorsten Brecht von Weber-Hydraulik, Bild: Weber-Hydraulik

So oder so werde die Oberflächenbeschichtung für die Zylinderhersteller teurer, erwartet Christian Zenner, Geschäftsführer Technik, Produktion und Vertrieb der Liebherr-Components Kirchdorf: „Vorausgesetzt die heutigen Verchromungsbetriebe erhalten die Freigabe, Chromtrioxid weiter einsetzen zu dürfen, wird die Änderung im ersten Schritt darin bestehen, dass die Kosten für die Verchromung in Europa ansteigen werden. Sollten die europäischen Verchromer Chromtrioxid – wenn auch unter strengen Auflagen – nicht weiter verwenden dürfen, würde uns das in unserer Lieferflexibilität und Wettbewerbsfähigkeit massiv einschränken.“

Sollte es keine Ausnahmeregelung geben, müssten die Hersteller von Hydraulikzylindern auf alternative Verfahren für den Korrosions- und Verschleißschutz wechseln, so Thorsten Brecht, Head of Innovation Center bei Weber-Hydraulik: „Da es hier jedoch aktuell keine kostenneutrale Alternativen gibt, die den heutigen Marktanforderungen entsprechen, wären europäische Hersteller gezwungen, entsprechende Infrastrukturen außerhalb der EU zu nutzen oder auch gegebenenfalls aufzubauen.“

Sicherheit geht vor

Neben der Oberflächenbeschichtung sind es auch Sicherheitsaspekte, welche die Arbeit der Zylinderhersteller beeinflussen. Klaus Wagner von Hänchen berichtet: „Durch die gestiegenen gesetzlichen Anforderungen, vor allem aus der Maschinenrichtlinie, sind die Aufgaben des Hydraulikzylinderherstellers umfangreicher und beratungsintensiver geworden. Einen großen Anteil im Kundengespräch nimmt der Bereich hydraulische Systeme und Sicherheitstechnik ein. Dazu steigen die Anforderungen an Dokumentation und Redundanz von Komponenten, wie zum Beispiel Sensoren, um den Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden.“

Thorsten Brecht von Weber-Hydraulik sieht in den steigenden Anforderungen an die Sicherheit mobiler Maschinen einen wesentlichen Treiber für die Entwicklung, neben aufkommenden Emissionsgesetzgebungen und der rasanten Entwicklung im Bereich Industrie 4.0. „Die Digitalisierung der Hydraulik spielt eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien. Hier setzen wir sehr stark auf integrierte Systemen, die unseren Kunden einen Mehrwert in Bezug auf Energieeffizienz, Sicherheit und Verfügbarkeit bieten.“

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