Hersteller von Gerätschaften, die sich veränderten Umweltbedingungen ausgesetzt sehen, beispielsweise Kranbauer und Produzenten von Windkraftanlagen, profitieren von SGA. Denn eine optimal ausgelastete Schraubverbindung ist unempfindlicher gegenüber Hitze, Kälte und Regen. Letzterer reagiert bei einer per Drehmomentverfahren verschraubten Verbindung mit dem Schmierstoff und verändert so den Reibwert.

Wie aber lässt sich das Verfahren von der Automobilindustrie auf andere Anwendungsfälle mit größeren Drehmomenten übertragen? Das klappt nur, wenn Anziehmoment und Drehwinkel beim Verschrauben exakt überwacht und vor allem eingehalten werden können. Grundlage hierfür ist ein mobiles Verschraubungssystem, bestehend aus einer hydraulischen Prozess- und Dokumentationspumpe im Gespann mit einem handelsüblichen hydraulischen Vierkant- oder Wechselkassetten-Drehmomentschrauber, welcher wiederum mit einem abnehmbaren Drehwinkelsensor bestückt ist.

Eine solche Pumpe beherrscht natürlich auch das Anziehen nach Drehmoment sowie Drehmoment-Drehwinkel und ist damit universell einsetzbar. Solchermaßen intelligente Pumpen bringen verschiedene Statistik- und Stochastikfunktionen mit und können jeden Verschraubungsvorgang analysieren. Sie zeigen dem Anwender bereits während der Montage – also beim Anzugvorgang - über ein Display, wie jeder einzelne Schraubvorgang abgelaufen ist, ob es zu Abweichungen im Verschraubungsprozess gekommen ist und somit eine eventuelle Nacharbeit nötig ist. Pumpe und passender Hydraulikschrauber ziehen immer mit 100 Prozent der Vorspannkraft an und lasten Schrauben so exakt aus. Ein Überdimensionieren ist nicht mehr nötig.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Neben allen Vorteilen, die das streckgrenzgesteuerte Verfahren bietet, müssen auch die Nachteile genannt sein. Zuerst fällt Anwendern sicherlich der Preis der intelligenten Pumpe ins Auge, die teurer ist als ein herkömmliches Standard-Modell.

Natürlich darf ein weiterer Faktor nicht unterschätzt werden: Menschen tun sich schwer mit Veränderungen. Angesichts eines so bewährten Verschraubungsverfahrens wie dem Drehmomentverfahren fällt der Umstieg auf eine andere Methode, die zudem noch neue, etwas komplexere Werkzeuge voraussetzt, den meisten Anwendern denkbar schwer. Lange lässt sich diese Haltung aber nicht mehr aufrechterhalten. Denn auch rund um Verschraubungen verschärfen sich die Vorgaben der Behörden.

Moderne Werkzeuge wie intelligente Hydraulikpumpen erfüllen bereits die seit Anfang 2015 gültige VDI/VDE-Richtlinie 2862 - Blatt 2 (Mindestanforderungen von Schraubsystemen und Schraubwerkzeugen). Wer also seine Werkzeuge erneuert, um den geltenden Normen Rechnung zu tragen, kann durch den Wechsel zu einer modernen Pumpe gleich die Grundlage für das SGA schaffen. Auf dass das Verfahren seine Vorteile nicht nur in der Automobilproduktion ausspielen kann, sondern auch bei mächtigeren Verschraubungen. do

 

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