Mark Krieg, Entwicklungsleiter Pumpen und Motoren bei Parker Hannifin Europa, Bild: fluid

Mark Krieg ist Entwicklungsleiter Pumpen und Motoren bei Parker Hannifin Europa. Bild: fluid

Woran arbeitet Parker aktuell?

Neben technischen Gesichtspunkten wie der Steigerung von Zuverlässigkeit und Robustheit gegenüber extremen Anwendungen und Bedingungen befassen wir uns mit der Verbesserung der Anwenderfreundlichkeit und der Reduzierung der Kosten. Ziel hierbei ist es, nicht nur die Anschaffungskosten für unsere Kunden zu reduzieren, sondern auch deren Gesamtbetriebskosten.

Dazu kommen bestimmte anwendungsspezifische Neuentwicklungen wie zum Beispiel im Bereich der hydraulische Sägemotoren für die Forstwirtschaft oder eine neue Serie von Schrägachsenmotoren mit größeren Schluckvolumina. Zum Thema Energieeffizienz haben wir gerade eine neue auskuppelbare Lkw-Pumpe herausgebracht. Wenn sich der Lkw über Land bewegt und die Hydraulik nicht benötigt wird, wird die Pumpe ausgekuppelt, sodass kein Diesel aufgrund der Planschverluste innerhalb der Pumpe verbraucht wird und sie nicht unnütz verschleißt. Erst am Arbeitsort, wenn die Hydraulik gefordert ist, wird die Pumpe wieder eingekuppelt. Die Idee ist einfach, allerdings war der enge Bauraum, insbesondere beim Anbau direkt an den Dieselmotor eine Herausforderung. Jetzt sind wir mit der Lösung, die wir gemeinsam mit einem großen OEM entwickelt und patentiert haben, sehr zufrieden.

Arbeiten Sie generell sehr nah mit Ihren Kunden zusammen?

Absolut. Das ist das A und O. Wir entwickeln keine Produkte, ohne dass wir im Vorfeld den Bedarf und Nutzen für unsere Kunden ermittelt haben. Ich kann den besten Produktentwicklungsprozess der Welt haben, wenn ich das falsche Produkt, das heißt ein Produkt entwickle, das ich später nicht verkaufen kann. Die detaillierte Produktplanung und -definition ist ein wichtiger Prozessschritt und hier beziehen wir unsere Kunden mit ein. Die Zusammenarbeit zieht sich dann kontinuierlich weiter durch den Entwicklungsprozess. Beispielsweise testen wir Prototypen neuer Produkte immer in Feldtests mit sogenannten Alphakunden. Neben den Tests in unseren Versuchseinrichtungen ermöglicht es uns, Produkte in realer Umgebung zu qualifizieren und dem Kunden, erste Einsatzerfahrungen mit neuen Produkten zu sammeln. Also zu Ihrer Frage: Keine Entwicklung ohne direkten Kundennutzen. Der Kunde ist im Zentrum jeder unserer Entwicklungen. Gerade bei der Produktplanung ist der Kundennutzen und -bedarf nicht von Beginn an bekannt und immer eine Interpretationssache. Wenn Henry Ford seine Kunden gefragt hätte, welches neue „Produkt“ diese bräuchten, hätten sie wohl geantwortet: ein schnelleres Pferd.

Gibt es in Ihrer Branche Trends, die Sie zur Zeit beobachten?

Grundsätzlich kaufen Kunden unsere Produkte, um damit kostenoptimiert zu produzieren. Trends zur Steigerung der Produktivität sind vielfältig und betreffen sowohl technische als auch nicht technische Punkte, wie zum Beispiel guten Service. Einfache Installation und stabile regel- oder steuerbare Pumpen und Motoren ermöglichen dem Kunden, seine Arbeitstakte zu erhöhen oder Ausschuss zu reduzieren. Robuste Pumpen und Motoren verringern geplante oder ungeplante Stillstände, eine hohe Energieeffizienz reduziert die Betriebskosten. Genau wie wir von unseren Zulieferern, erwarten auch unsere Kunden möglichst viel für ihr Geld zu bekommen. Nehmen wir nochmal den Punkt geplante oder ungeplante Ausfälle, Stichworte Predictive Maintenance und Condition Monitoring. Hierfür müssen Daten an den Pumpen erfasst werden. Das Problem ist, das Richtige zu messen. Man erfasst unheimliche Datenvolumina, die es zu beherrschen und zu analysieren gilt, damit bestimmte Tendenzen abgelesen werden können.

Denken Sie da an konkrete Anwendungen?

Ja, eine Investition in Predictive Maintenance lohnt sich vor allem dort, wo das Risiko oder die Kosten von ungeplanten Ausfällen oder Produktionsstillstand kritisch sind. Das können hydraulische Pressenstraßen oder hydraulische, geregelte Schiffsantriebe sein. Wenn zum Beispiel durch den Ausfall mehrerer redundanter Systeme der Motor eines Containerschiffes lahmgelegt wird, wollen wir die Konsequenzen lieber nicht erfahren. Es können aber auch schwer erreichbare Anwendungen sein, wie beispielsweise Hydraulik auf Ölplattformen oder Windrädern. Neben den Kosten für Produktionsausfälle sind hier Wartungseinsätze schlicht teuer.

Was sind die allgemeinen Herausforderungen, vor denen die Hydraulik gerade steht?

Also grundsätzlich steht die Hydraulik im Moment nicht so rosig wie andere Industriezweige da. Für uns sind es vor allem zwei Her-ausforderungen: Zum einen merken wir das Abflauen des chinesischen Wirtschaftswachstums, zum anderen – und vielleicht ist das noch schwerwiegender – ist der niedrige Ölpreis zu nennen. Eines der größten Entwicklungsprojekte von Parker ist beispielsweise die Bremsenergierückgewinnung in Müllfahrzeugen. Wenn der Dieselpreis niedrig ist, dann dauert die Amortisation der Mehrinvestition länger, auch wenn die Technologie – keine Frage – super ist. Bei dem derzeitigen Ölpreis lohnen für unsere Kunden im Öl- und Gasbereich Investition derzeit schlichtweg nicht. Und dies schlägt selbstverständlich zu uns als Zulieferer durch. Das gilt für Parker wie für unsere Marktbegleiter auch. Es herrscht ein entsprechender Kostendruck.

Aber Parker stellt sich den Herausforderungen mit innovativen Lösungen?

Ja, neben den genannten technischen Innovationen entwickeln wir auch unsere Verkaufskanäle weiter. Unsere Kunden können künftig online Pumpen und Motoren nach ihren Bedürfnissen konfigurieren. Dadurch wollen wir die Zusammenarbeit und schließlich den Kauf unserer Produkte für unsere Kunden freundlicher gestalten. Aus dem Konsumer- oder B2C-Bereich sind unsere Kunden Portale wie Amazon, Ikea oder Zalando gewohnt. Das weckt eine Erwartungshaltung im B2B-Bereich, auf die wir beispielsweise mit unseren Online-Konfiguratoren reagieren. Wie im B2C-Geschäft kann sich der Kunde hier sein Produkt aus einer vorhandenen Basis zusammenstellen, er erhält eine Zeichnung im gewünschten Format und kann dies direkt in seine Systemprojektierung integrieren. Dazu bieten wir kurze und verlässliche Lieferzeiten. Da sind wir wieder beim Thema Produktivität: Damit es beim Kunden nicht zu Maschinenstillständen kommt, muss er sich auf kurze Lieferzeiten verlassen können. Aufgrund unserer modularen Produktbasis, gepaart mit dem dichten Vertriebsnetz von Parker, können wir kurze Lieferzeiten auch bei kundenspezifischen Produkten garantieren.