Sven Bornemann

Allgemein zählen energie- und leistungsoptimierte Hydraulikzylinder zu den Favoriten der Kunden.Sven Bornemann, Till Hydraulik, Bild: Günter Till

So hat sich am Markt für Hydraulikzylinder bereits eine Vielzahl von Bauarten und Ausführungen etabliert. Darüber hinaus rüstet sich die Branche für die Zukunft: Auch die Hydraulik bereitet sich auf die vierte industrielle Revolution vor.

Das Thema Nachhaltigkeit – es ist auch in der Hydraulik in den Vordergrund gerückt: Bei modernen Anlagen sind die Energieverluste auf durchschnittlich etwa zehn Prozent gesunken. Der alte Konkurrenzkampf ist damit überwunden: Moderne Hydraulik arbeitet in Harmonie mit der Elektrotechnik. Beispielsweise helfen Motoren mit Frequenzumrichtern, Energie einzusparen, oder Sensorik verleiht der geballten Kraft die nötige Präzision. Es fehlt jedoch an Fachkräften, um dieses Potenzial der Hydraulik einzusetzen. Deshalb wird verstärkt nach dem Plug-and-Play-System gesucht, um das fehlende Wissen zu kompensieren.

Mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung 2015 ist die Fluidbranche positiv gestimmt. Sie erwartet dem VDMA zufolge ein Wachstum von fünf Prozent, darunter wollen die Hersteller von Hydraulik die Produktion um vier Prozent steigern. Dabei setzen sie auf die Erfolgsfaktoren Effizienz, Intelligenz und Premiumqualität.

Bestmögliches Gesamtsystem

Im Fokus der Entwicklungen steht bei Lemacher Hydraulik, Idstein, die Verbesserung der Energieeffizienz. Als Systemanbieter setzt Lemacher nicht bei einzelnen Produktverbesserungen an, sondern bietet dem Kunden die bestmögliche Gesamtlösung an. „Dann ist die optimale Energieeffizienz automatisch integriert“, sagt Inhaber Adolf Rathschlag. Das Paradebeispiel liefert der Hydroquick. Der Hydraulikzylinder mit Mehrkammersystem, um die Produktivität zu erhöhen, besitzt laut Rathschlag eine Fülle von einzigartigen Produkteigenschaften.

Im Vergleich zu einem Nachsaugzylinder ist die benötigte Ölmenge um 50 Prozent reduziert, womit auch die Energiemenge halbiert wird. Mit einem Wirkungsgrad von 97 Prozent handelt es sich um einen besonders effizienten und genauen Synchronlauf. Bei üblichen Systemen ist der präzise Gleichlauf mehrerer Hydraulikzylinder nur mit elektronischem Aufwand realisierbar. Der von Lemacher entwickelte Lineargleichlaufmengenteiler sorgt für synchrone Bewegung mit hoher Genauigkeit von mehreren Kolbenstangen.

Leichtbau-Hydraulikzylinder

Aus einem hochbelastbaren Verbund von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff und weiteren Komponenten besteht der Leichtbau-Hydraulikzylinder H-CFK von Hänchen. Die Gewichtseinsparung reicht bis zu 70 Prozent. Bild: Hänchen

Zur Energieeinsparung werden bei dem Unternehmen Weber-Hydraulik, Güglingen, geschlossene Subsysteme genutzt, die allerdings in das Gesamtsystem integriert werden müssen. Datenschnittstellen rücken in solchen Fällen in den Vordergrund, ein sichtbares Zeichen, dass Industrie 4.0 seine Spuren hinterlässt. „Für die fortschreitende Vernetzung wird die Digitalisierung von Hydrauliksystemen immer wichtiger“, erläutert Thorsten Brecht, Leiter des Innovation-Centers.

Allerdings erwarten die Kunden des Anbieters von hydraulischen Lösungen, dass die Systemintegration möglichst einfach bewerkstelligt werden kann, während der Funktionsumfang der Produkte zunehmen soll. Bei den Innovationen setzt Weber-Hydraulik auf neue Produkttechnologien, wie ein optisches Positionsmesssystem oder eine integrierte Abstützkraftmessung am Kolbenstangenkopf.