Labor ISH

Hier findet das „kleine Blutbild“ bei einer mobilen Ölanalyse statt. Das „große“ wird dann im Labor gemacht – aber eine erste Einschätzung kann in Notfällen bereits die weitere Vorrgehensweise klären. Bild: fluid/rs

Hydraulische Anlagen sind in der Steuerung oft sehr komplex und Ausfallzeiten ausgesprochen kostspielig, gleichzeitig ist das Gefahrenpotenzial durch fehlerhafte Handhabung nicht zu unterschätzen. Daher gibt es einen steten Ausbildungsbedarf für damit betraute Mitarbeiter. Hier bietet die Internationale Hydraulik Akademie IHA ein umfassendes Programm zur Qualifikation von Mitarbeitern im Bereich der Hydraulik.

Zunächst einmal zum beklagenswerten Status quo: Obwohl eine Vielzahl von Unternehmen große und komplexe hydraulische Anlagen betreiben und noch viel mehr Mittelständler täglich mit Mobilhydraulik und kleineren Anlagen arbeiten, ist das Thema Hydraulik bislang kein eigener Studiengang. Rühmliche Ausnahme ist die Hochschule Ulm, die das aus privaten Mitteln finanzierte Kompetenzzentrum Hydraulik gegründet hat und eine Zusatzqualifikation zum Zertifizierten Fachingenieur Hydraulik anbietet. Dieses weiterbildende Studium richtet sich allerdings in erster Linie an Ingenieure der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik und Wirtschaftsingenieurwesen.

Rüdiger Krethe
Rüdiger Krethe, Geschäftsführer von OilDoc in seinem Element: lebendig und anschaulich profundes Wissen zum Thema Öl in der Hydraulik weitergeben.

In der Praxis sind es aber nach wie vor oft die nicht studierten Maschinenbauer, die die Instandhaltung unter sich haben oder Absolventen mechanischer Ausbildungsberufe, die unvermittelt in die Lage kommen, hydraulische Anlagen und Systeme zu warten und beaufsichtigen zu müssen. Mit nicht geringen Anforderungen: Sie sollen die Fehlersuche zügig selber durchführen können und entsprechende Hydraulikkomponenten fachgerecht kontrollieren, reparieren oder auswechseln, die Druckmessungen durchführen und die Hydraulikflüssigkeit in Menge und Qualität im Auge behalten. In den Ausbildungen zum Mechaniker oder Werkzeugmacher wird die Hydraulik allerdings eher stiefmütterlich behandelt. Nach wie vor erfahren viele Techniker im Laufe ihrer Ausbildung zwar einiges über Pneumatik, da Fluidtechnik grundsätzlich im Lehrplan steht, über Hydraulik aber oft nur, dass diese „im Grunde eigentlich genauso wie die Pneumatik“ funktionieren würde.

Wenn eine Firma die Instandhaltung für ihre Hydraulikanlage nicht extern vergibt, was auch oft geschieht, eignen sich die zum Hydrauliker ernannten Mitarbeiter dann im Selbststudium nach dem Prinzip „try and error“ das nötige Fachwissen an und nehmen idealerweise früher oder später an Fortbildungsveranstaltungen in der freien Wirtschaft oder einem Institut teil. Bei dem Besuch einer Instandhaltungs- und Servicetagung der Internationalen Hydraulik Akademie IHA hat sich die Autorin umgehört, wer eigentlich solch eine Schulung besucht, welche Erwartungen die Teilnehmer mit dem Seminar verbinden und ob diese erfüllt wurden.

Teilnehmer aus allen Berufszweigen

Marco Pohlmann
Schulungen zu machen, macht mir einfach Spaß. Und die Fragen der Teilnehmer zeigen mir, dass wir mit der Themenauswahl genau richtig liegen. Wir behandeln das, was die Leute in ihrer Praxis umtreibt. Marco Pohlmann, Internationale Hydraulik Akademie - Bild: IHA

In der Tat ergab die Vorstellungsrunde, dass neben zwei Sachgebietsleitern, einer von der Marine, der andere von den Berliner Wasserbetrieben, die anderen Teilnehmer aus den angesprochenen Ausbildungsberufen aus ganz Deutschland kamen. Da waren Selbständige aus der Baubranche, die viel mit Mobilhydraulik arbeiten, aber auch Kfz-Mechaniker, Schweißer, Industriemechaniker und Heizungsmechaniker, die im Laufe ihres beruflichen Werdegangs in mittelständischen und auch großen Unternehmen in der Instandhaltung gelandet sind und nun die Hydraulikanlage in den Griff kriegen müssen.

Dementsprechend breit gefächert waren die Anwendungsfälle, die es zu besprechen gab. Jeder Seminarteilnehmer brachte andere Fragen mit. Damit ist letztlich schon die zentrale Herausforderung für eine Schulung umrissen, die nutzwertig sein soll: Wie groß ist der Praxisbezug dessen, was man zu hören bekommt?

Zuerst ging es um allgemeine Fragen der Sicherheit in der Leitungstechnik. Marco Pohlmann, Trainer im Bereich Leitungstechnik und Spezialist für Schmierstoffe bei der IHA, klärte uns über einen Umstand auf, der manchen Teilnehmer überraschte: Dass der Arbeitgeber nämlich laut BetrSichV seit 01.06.2015 verpflichtet ist, seine Mitarbeiter in dieser Hinsicht zu schulen. Wir lernten, was Arbeitsmittel im Sinne dieser Verordnung sind und dass sie prüf- und austauschpflichtig sind. Und wie man es nicht macht, führte Marco Pohlmann anhand zahlreicher anonymisierter Fotos aus der Praxis vor, die unfachmännisch verbaute oder reparierte Hydraulik-Schlauchleitungen zeigten.

Sofort stellte sich maximaler Praxisbezug ein, denn nicht wenige dieser Fotos wurden von Kursteilnehmern etwa in der Art kommentiert, dass man das „bei uns“ auch so machen würde und zwar „schon immer“. Selbstverständlich zeigte Trainer Pohlmann bei jedem Beispiel auf, wie man es richtig hätte machen sollen. Außerdem ergaben sich aus diesen Anwendungsbeispielen eine große Zahl an Fragen, die jeder aus seinem Arbeitsumfeld zu diesem Thema mitbrachte und die ausführlich besprochen wurden.

Wir lernten Gefahrenpotenziale beim Einsatz von Hydraulik-Schlauchleitungen kennen und wie man sie ausschaltet. Dazu gehörte auch, wie man Prüf- und Austauschintervalle dokumentiert, wie man Undichtigkeit und Beschädigung erkennt und vermeidet, wie man die Hydraulik-Schläuche so zusammenbaut und verlegt, dass keine mechanische Beanspruchung auf ihnen lastet. Und wie man das hydraulische System sicher druckentlastet, um es gefahrlos demontieren zu können.

Die 5-Finger-Regel kennt nun jeder Teilnehmer aus dem Effeff: 1. Energiezufuhr abtrennen – 2. Sichern gegen Wiederzufuhr von Energie – 3. System inklusive externem Speicher drucklos machen, wobei hochgehaltene Teile abzusichern sind – 4. Prüfen der Druckfreiheit und zuletzt 5. die Gefährdung durch benachbarte Anlagen ausschließen.

Silikagel
Mit Silikagel bekommt man Feuchtigkeit aus dem Ölbehälter heraus. An der Farbe des Granulats lässt sich leicht erkennen, ob es aufnahmefähig ist, oder nicht: orange bedeutet trocken und frisch, bzw. regeneriert. Wenn das Gel Feuchtigkeit aufgenommen hat, verfärbt es sich grün. - Bild: fluid/rs