Brechende, große Welle, Bild: Adobe Stock/derek

Zeit, in Deckung zu gehen - oder? Bild: Adobe Stock/derek

| von Dagmar Merger

Als Inlandsbewohner geht einem die wahre Natur der Welle in der Regel ja völlig ab. Hier empfiehlt es sich, bei nächster Gelegenheit, also vielleicht im Jahr 2022, an die Atlantikküste zu fahren und den überraschend anspruchsvollen Sport des Surfens auszuprobieren. Eine Welle, das ist nämlich nicht nur dieses laue Plätschern, wie man es von der Adria kennt. Und wenn man platt auf einem ausgefransten Leih-Schaumstoffbrett liegt, erscheinen selbst die relativ harmlosen Eineinhalb-Meter-Varianten wie die personifizierte Rache der Natur, eine Meeres-Faust, welche ungeübte Gelegenheitssurferinnen empört ins Wasser fegt, um sich dann das Board zu packen und damit Richtung Strand zu rasen. Festgebunden an der Fußleine, schlackert der sich so wichtig vorkommende Mensch wie ein Fisch an der Angel hinterher, bis das Ungetüm mit zischendem Lachen am Strand ausläuft. Und das sind die ungefährlichen Varianten der „Welle“.

Es lohnt sich, diesen Umstand im Kopf zu behalten, wenn von den Corona-Wellen die Rede ist, denn diese können sich von ihrer Zerstörungskraft mit so einigen Wutmonstern aus dem Atlantik messen. Und die Frage, wann wir in einem symbolischen Akt der Befreiung Scheiterhaufen aus Masken und Test-Kits abfackeln werden, lässt sich momentan nicht so genau beantworten. Bis Anfang 2022 könnte die Pandemie schon noch dauern, lassen sich WHO-Sachverständige vernehmen. Wann wieder internationale Großveranstaltungen möglich sein werden, ist schwer zu sagen: vielleicht im Sommer? Oder erst 2022?

Für die Industrie ist das problematisch. Seit Q2/2020 befinden sich viele Unternehmen in einer Art Kältestarre: Sie lassen kaum von sich hören und sind auch sonst wenig präsent. Nun gut, viele Gelegenheiten gab es nicht. Aber die wenigen, die sich anböten, werden nur recht zögerlich genutzt. Zur digitalen Hannover Messe beispielsweise erwarten die Veranstalter um die 1000 Aussteller. Früher waren es 6000!

Klar, in Krisenzeiten muss gespart werden. Und gerade Ausstellungen funktionieren virtuell wohl nicht so gut. Wahrscheinlich wird uns diese Ausgabe der Hannover Messe auch nicht besonders begeistern. Aber immer weiter abzuwarten, scheint mir als Mehrjahres-Strategie ungeeignet. Wer Erfolg haben will – das ist beim Surfen übrigens auch so – muss sich aus der Deckung wagen und kräftig Fahrt aufnehmen. In anderen Ländern steht die Zeit schließlich nicht still, auch nicht in der F&E.

Eigentlich bräuchte die Industrie ihre Messen jetzt. Doch selbst wenn die Unternehmen sich digital zahlreich versammeln: Die Besucherströme lassen sich nicht lenken. Ob die Gäste wirklich Kontakte knüpfen und diskutieren oder ob sie sich lieber passiv in Konferenzen berieseln lassen, entscheiden sie selbst. Hier ist jeder in der Verantwortung: Eine Messe ist, was man daraus macht.

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