Rüdiger Hellstern

Bei Rüdiger Hellstern steht in den nächsten Monaten der erfolgreiche Start der erweiterten Komponentenfertigung im Mittelpunkt.

fluid: Wieso heißt die Firma Hydropneu?

Der Name entstand bei der Firmengründung im Jahr 1958 aus der Zielsetzung, hydraulische und pneumatische Komponenten für den industriellen Einsatz zu entwickeln und zu vertreiben. Seit längerem konzentrieren wir uns jedoch auf die Hydraulik und bieten pneumatische Komponenten nur noch in Sonderfällen an.

fluid: Wenn Sie am Ende des Jahrgangs 2013 geschäftsbezogen Bilanz ziehen: was war gut, was war schlecht?

Gut in 2013: Die gute konjunkturelle Entwicklung hat sich für uns in diesem Jahr fortgesetzt; wir haben mit dem Bau der für unsere Zukunft wichtigen neuen Fertigungshalle begonnen. Schlecht in 2013: Durch unsere momentan noch sehr hohe Abhängigkeit von Unterlieferanten sind wir immer wieder hinsichtlich unserer Lieferfähigkeit in beträchtliche Engpasssituationen geraten.

fluid: Sie sind seit gut drei Jahren Eigentümer und waren viele Jahre davor Geschäftsführer. Welches Highlight ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Unter einigen Höhen – Tiefen gab’s natürlich auch – war unser 50-jähriges Firmen-Jubiläum im Jahr 2008, welches wir in einer sehr gelungenen Veranstaltung begangen haben, ein außerge-wöhnliches Highlight.

fluid: Beschreiben Sie das aktuelle Produktportfolio.

Wir bieten in der Industriehydraulik nahezu für alle Antriebsaufgaben komplette Lösungen vom Hydraulikaggregat bis hin zu Zylindern oder Drehantrieben. Dabei können wir auf eine breite Palette an standardisierten Produkten zurückgreifen, setzen jedoch wo benötigt oder vorteilhaft immer kundenspezifische Lösungen um.

fluid: Welchen Stellenwert nehmen heute im Hydraulikzylinderbereich Sonderlösungen ein?

Ein wichtiges Merkmal des international so erfolgreichen deutschen Maschinen- und Anlagenbaus ist die sehr hohe Funktionalität und Produktivität seiner Produkte. Dafür benötigt es auch für den Bereich der Hydraulik häufig Komponenten, die speziell in die Maschinen eingepasst werden müssen oder Zusatzfunktionen besitzen. Kurz: Der heutige technologische Stand ist ohne Sonderlösungen nicht denkbar.

fluid: „Für jeden Bedarfsfall haben wir eine wirtschaftliche Lösung“ heißt es in einem Imagefilm. Können Sie ein aktuelles Beispiel nennen?

Ein gutes Beispiel sind unsere hydraulischen Verriegelungszylinder, welche häufig im Bereich des Druck- und Spritzgießens eingesetzt werden. Mit ihnen konnten wir zum Vorteil unserer Kunden schon oft weit aufwendigere und wartungsintensivere mechanisch verriegelte Systeme ersetzen und unseren Kunden bei gleicher Leistung eine deutlich wirtschaftlichere Lösung bieten.

fluid: An welchen aktuellen Projekten arbeitet das Unternehmen derzeit?

Bezogen auf die Produkte arbeiten wir gerade an zwei Entwicklungen mit einem beträchtlichen Innovationsgrad. Darüber berichten möchten wir jedoch erst, wenn diese Produkte ihre Bewährungsprobe im Testeinsatz bei Kunden bestanden haben. Ein sehr wichtiges Projekt für unsere Zukunft ist der derzeitige Bau einer neuen Fertigungshalle, mit der wir unsere Kapazitäten erweitern und unsere Fertigungstiefe erhöhen.

fluid: Auf welche aktuelle Produktentwicklung sind Sie besonders stolz – und warum?

Unsere zentrale kraftverstärkte hydraulische Verriegelungseinheit, welche im Werkzeug- und Formenbau zum Einsatz kommt, ist in vielen Fällen eine äußerst wirtschaftliche Lösung und vermeidet zudem den Nachteil einer notwendigen Nachjustierung, wie sie bei auf dem Markt befindlichen mechanischen Verriegelungssystemen bei Setzungserscheinungen erforderlich ist. Die Anwender sparen sowohl bei der Investition als auch bei den Betriebskosten.

fluid: Welche Anwenderbranchen stehen in Ihrer Prioritätenliste ganz oben?

Sehr an Bedeutung gewonnen hat in den letzten Jahren der sehr breite Bereich des Metall- und Kunststoffgießens beziehungsweise -spritzen. Durch die sehr anspruchsvollen Randbedingungen kommen hier unsere Stärken wie Robustheit der Produkte und Problemlösungen durch die Realisierung von Zusatzfunktionen besonders häufig zum Tragen.

fluid: Gab es in jüngster Zeit ein Projekt, das technisch besonders anspruchsvoll war?

Vom Gesamtumfang und der Funktionalität her war in jüngster Zeit eine Gesamtanlage mit Aggregat, elektronischer Steuerung und verschiedenen Hydraulikzylindern für eine Biegemaschine von Wellenprofilen unser technisch anspruchvollstes Projekt. Nach Inbetriebnahme der Anlage hat sich der Kunde schriftlich bei uns für das gute Produkt und die reibungslose Umsetzung bedankt.

fluid: Wie halten Sie es mit Patenten: wichtig oder eher unwichtig?

Patente haben für uns nur eine untergeordnete Bedeutung, da der Aufwand für eine Patenterlangung im Verhältnis zu den erzielbaren Umsätzen und Erträgen unserer vielen Sonderlösungen in einem ungünstigen Verhältnis steht.

fluid: Ihre wichtigste Aufgabe in den nächsten zwölf Monaten?

Die wichtigste Aufgabe in den nächsten Monaten ist für mich der erfolgreiche Start unserer erweiterten Komponentenfertigung und der reibungslose Umzug unseres Montagebereichs. Damit möchten wir die Möglichkeiten, unsere Kunden schnell und flexibel zu bedienen, weiter stärken.

fluid: Und ganz zum Schluss: Welches Eigenschaftsmerkmal wünschen Sie sich, was die Hydraulik können sollte, aber heute noch nicht kann?

Technisch gesehen kann die Hydraulik in Kombination mit den elektronischen Steuerungsmöglichkeiten heute sehr viel. Vielmehr kam mir bei Ihrer Frage spontan in den Sinn, dass sich die Hydraulikindustrie heute noch viel stärker mit eigenen Darstellungen gegen inzwischen alltägliche Vergleiche der Elektroindustrie wehren müsste, bei denen oft ausschnittsweise Betrachtungen einer Gesamtthematik und eben nicht des Gesamtaufwands während eines Lebenszyklus die Hydraulik in ein ungerechtfertigt schlechtes Licht rücken.

Autor: Franz Graf, Chefredakteur