Alexander Schul

Alexander Schul (Mitte), Produktbereichsleiter Montage- und Antriebstechnik bei Römheld, im Gespräch mit Mitarbeitern. Er ist besonders stolz auf die patentierten Drehmodule mit Mediendurchführung. Sie bieten dem Anwender völlig neue Möglichkeiten für sichere und funktionelle Montagearbeitsplätze.

fluid: Welches Produktprogramm decken Sie mit dem Bereich „Montage- und Handhabungstechnik“ ab?

Für den Einsatz in der Primärmontage liefern wir intelligente Einpressvorrichtungen bis 200 kN. Bis 100 kN sind die Anlagen zum Fügen von Bauteilen im Baukasten erhältlich, optional auch mit Elektro-Fügespindel. Die Bedarfe in der Sekundärmontage bedienen wir mit dem Modulbaukasten modulog. Er besteht aus Hubmodulen für Lasten bis 600 kg, Steuerungselementen und Erweiterungsmodulen für das sichere Lageeinrichten der zu montierenden Werkstücke. Wir bieten die meisten Varianten von Hubmodulen an: von der einfachen Säule mit Alumiumprofilen bis zu rollengeführten Stahlkonstruktionen für anspruchsvolle Aufgaben. Alle Funktionen sind optional elektrisch oder manuell erhältlich. Abgerundet wird der Baukasten durch Wagenmodule, so werden alle Tätigkeiten auch mobil und an verschiedenen Orten möglich. So leisten wir einen Beitrag zur ergonomischen und nachhaltig flexiblen Montage. Das macht unsere Kunden wettbewerbsfähig.

fluid: Auf welche aktuelle Produktentwicklung in diesem Produktbereich sind Sie besonders stolz – und warum?

Jeder neue Baustein bringt mehr Flexibilität und Nutzen für die Anwender von modulog, da die Module durch die standardisierten Schnittstellen untereinander austauschbar sind. Mittelfristig bin ich aber von unseren patentierten Drehmodulen mit Mediendurchführung besonders begeistert. Sie bieten dem Anwender völlig neue Möglichkeiten für sichere und funktionelle Montagearbeitsplätze. Die Module sind noch flexibler und bieten unbegrenzte Möglichkeiten, funktionelle oder sicherheitstechnische Vorrichtungen an der Flanschplatte zu betreiben.

fluid: Welches Produktportfolio decken Sie mit dem Bereich „Linear- und Antriebstechnik“ ab?

Wir liefern Linearantriebe in die Landfahrzeugtechnik, in die Industrietechnik und in die Medizintechnik. Unsere Stärke haben wir in der Landfahrzeugtechnik mit Varianten bis 6000 N mit super robusten Antrieben. Die Maschinen von Qualitätsherstellern profitieren von der Stellpräzision und der Zuverlässigkeit unserer Antriebe. In die Medizintechnik liefern wir hydro-manuelle Actuatoren. Sie zeichnen sich durch nahezu geräuschlosen Betrieb und die Fähigkeit, in Waschautomaten zu bestehen, aus. Wir liefern Varianten für Betten, Liegen und 1-Säulen-Stretcher. Die Industrietechnik setzt sowohl manuelle als auch elektrische Varianten in Maschinen oder Vorrichtungen ein.

fluid: Was diesen speziellen Produktbereich angeht: können Sie hier mit Alleinstellungsmerkmalen aufwarten?

In der Medizintechnik waren wir einer der ersten Hersteller von Actuatoren für die ergonomische Höhenanpassung von Pflegemöbeln. Einige Geschäftsbeziehungen pflegen wir heute noch. Das freut mich ganz besonders. In der Landtechnik bauen wir die robustesten Antriebe. Diese Führerschaft möchten wir weiter ausbauen.

fluid: Wann empfehlen Sie hydro-mechanische und wann elektro-mechanische Lineareinheiten?

Das ist eine gute Frage. In allen Anwendungen mit Regelgliedern empfiehlt sich natürlich ein Elektroactuator. Dies ist gerade bei Fahrzeugen immer öfter der Fall. Für mobile Anwendungen in der Montage bieten wir ein Akkusystem an. Unsere hydromechanischen Antriebe bieten den Vorteil, dass sie immer und überall funktionieren, keinen gesetzlichen Wartungsvorschriften unterliegen und kein Kabel zur Stolperfalle werden kann.

fluid: Welche Anwenderbranchen bedienen Sie vorwiegend mit Ihrem Montage- und Antriebstechnikprogramm?

Das hängt immer vom Produkt ab. Im Bereich der Einpressvorrichtungen sind wir oft Teil eines größeren Projektes. Bedarf besteht meist für hochwertige Bauteile, wo die Qualität des Montageergebnisses überwacht werden muss. Beispielsweise das Fügen eines Achsschenkelbolzens oder eines Kugellagers in einer Radnabe. Die Module aus dem modulog-Baukasten werden oft als Investitionsgüter gekauft. Bedarf besteht hier oft in innovativen, mittelständigen Betrieben, welche zusammen mit ihren Mitarbeitern die Prozesse permanent verbessern. Aber auch große Konzerne legen Wert auf die hohe Qualität und schätzen die lange Standzeit unserer Elemente. Linearantriebe werden meist als Komponenten in einem Erzeugnis des Kunden eingesetzt. Hier herrschen höchste Ansprüche an Qualitätsmanagement und Lieferperformance. Die Ansprüche der einzelnen Branchen sind also sehr vielschichtig und motivieren uns immer besser zu werden.

fluid: Wie flexibel sind Sie bei kundenspezifischen Produktentwicklungen?

Das ist unsere Stärke. Viele der heutigen Katalogelemente von Römheld entstammen aus kundenspezifischen Entwicklungen. Rund 50 % unseres Umsatzes machen wir mit spezifischen Varianten. Unser auf Losgröße 1 ausgerichtetes Produktionssystem bietet uns da viele Möglichkeiten.

fluid: Gibt es in dem von Ihnen zu verantwortenden Produktbereich noch weiße Flecken? Wenn ja, welche?

Ideen für Weiterentwicklungen haben wir viele. Den größten Fleck würde ich heute mit der spezifischen Adaption an des Montagewerkstück beschreiben. Hier kann aber unser Fachbereich Systems mit kundenspezifischen Lösungen den weißen Fleck magenta gestalten.

fluid: In so manchen Applikationen stehen Hydraulik und Elektrik im Wettbewerb. Wie beurteilen Sie diesen Konkurrenzkampf speziell in dem Segment, dem Sie als Produktbereichsleiter vorstehen?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Wie bereits erläutert, hängt der Sieger des Wettbewerbes von der Anwendung ab. Man kann hier kein absolutes Urteil fällen, nur den Kunden gut beraten. Wenn Sie dann wie bei Römheld ein Produktportfolio zur Verfügung haben, in dem sie Einpressvorrichtungen, Montagetechnik, Actuatoren und sogar Spannelemente optional hydraulisch oder rein elektrisch anbieten können, macht das richtig Spaß. Diesen Konkurrenzkampf beurteile ich in meinem Segment als sehr spannend und innovationsfördernd.

Autor: Franz Graf, Chefredakteur