Alexander Goss

Unter dem Dach der Eckerle Industrie-Elektronik befasst sich Alexander Goss in der Hydraulic Division als Entwicklungsleiter primär mit spaltkompensierten Innenzahnradpumpen. In der letzten Zeit steht insbesondere die Weiterentwicklung von Pumpen für Servoantriebe im Mittelpunkt. Was die Zukunft des Unternehmens angeht, wünscht sich der Hydraulik-Spezialist vor allem die Weiterentwicklung der Hydraulikaktivitäten hin zum Systemanbieter. Bild: Eckerle

fluid: Zum Einstieg und Kennenlernen: Welches Produktportfolio bietet Eckerle heute an?

Neben den spaltkompensierten Innenzahnradpumpen für die Mobil- und Industriehydraulik gibt es zwei weitere Geschäftsbereiche: Einer deckt die Entwicklung und Herstellung von elektronischen Vorschaltgeräten ab, die hauptsächlich in der Beleuchtungstechnik eingesetzt werden. Außerdem werden bei Eckerle verschiedene Pumpensysteme für die Heizungs- und Klimatechnik vertrieben. Schwerpunkt liegt hier auf Schwingkolbenpumpen der Firma Gotec, einem Schweizer Unternehmen, das ebenfalls der Familie Eckerle gehört.

fluid: Womit haben Sie sich vor dem Einstieg bei Eckerle beschäftigt?

Ich habe bereits bei Eckerle mein Berufskadamie-Studium Anfang der 1990er Jahre absolviert. Allerdings hat sich in der Firmengeschichte einiges getan. Schon während meines Studiums übernahm Mannesmann Rexroth 50 % des Hydraulikbereichs. Es folgte 1996 die 100 %ige Übernahme durch Rexroth und 1997 die Schließung des Werks. Einen Neuaufbau der Hydraulik gab es dann unter dem Dach der Eckerle Industrie-Elektronik, in die ich mit zwei Kollegen aus der Entwicklung Ende 1997 eingetreten bin.

fluid: Ihre beruflichen Stationen speziell bei Eckerle?

Angefangen habe ich als Entwicklungsingenieur mit Projekten in der Flurförderzeug-Industrie. Danach folgte die Übernahme der Konstruktionsleitung und seit Juli 2013 nun auch die Entwicklungsleitung.

fluid: In dem Zeitraum von Ihrem Firmeneinstieg bis heute gab es sicherlich Höhen und Tiefen. An welche erinnern Sie sich noch ganz besonders gut?

Gut in Erinnerung sind mir noch die Gewinnung der ersten Serienaufträge nach Wiederbeginn der Fertigung Ende 1999. Die überaus erfolgreiche Entwicklung, die der Hydraulikbereich seither gemacht hat, war so nicht vorherzusehen. Aber es gab natürlich auch viele Stolpersteine und Rückschläge, die immer wieder Optimierungen am Produkt und der Organisation notwendig machten.

fluid: Auf welche aktuelle Produktentwicklung sind Sie besonders stolz – und warum?

Besonders stolz bin ich auf die zahlreichen Sonderlösungen, wie beispielsweise Ventilintegrationen, die wir speziell im Mobilbereich für unsere Kunden anbieten. Hier arbeiten wir eng mit den unterschiedlichsten Kunden weltweit zusammen. Jedes Jahr kommen neue Anwendungen dazu.

fluid: An welchen aktuellen Projekten arbeitet das Unternehmen derzeit?

Derzeit liegt ein Schwerpunkt auf der weiteren Optimierung unserer Industrie-Baureihen für den Antrieb durch Servomotoren. Neben Standard-Pumpen entwickeln wir hier auch verstärkt Pumpen für den Vier-Quadranten-Betrieb. Wir bieten unseren Kunden hiermit die Möglichkeit einer höchst effizienten Enegierückgewinnung.

fluid: Gab es in jüngster Zeit ein Projekt, das technisch besonders anspruchsvoll war?

Die bereits angesprochenen Pumpen für den Vier-Quadranten-Betrieb haben uns in letzter Zeit sehr gefordert. Und die Entwicklungen sind sicher noch nicht abgeschlossen.

fluid: In bestimmten Anwendermärkten wird die Hydraulik in jüngster Zeit immer häufiger mit der Elektrik als Alternativtechnik konfrontiert. Wie bewerten Sie den weiteren Gang der Fluidtechnik?

Ich bin mir sicher, dass die Hydraulik auch in den nächsten Jahren überall dort gesetzt sein wird, wo eine hohe Leistungsdichte gefordert ist. In allen anderen Bereichen gab und gibt es immer wieder Wettbewerb mit elektrischen Antrieben. Dies hat letztlich auch zu wichtigen Entwicklungsschritten in der Hydraulik geführt und auch in Zukunft muss sich die Hydraulik immer weiterentwickeln, um dem permanenten Wettbewerb mit anderen Antriebstechniken Stand zu halten.

fluid: Welche Hydraulik-Anwendung erschien Ihnen vor zehn Jahren noch völlig unmöglich?

Zehn Jahre, das ist eine lange Zeit. Von daher meine spontane Antwort: ventillose Antriebe, nur geregelt durch hochdynamische Servomotoren.

fluid: Welches Eigenschaftsmerkmal wünschen Sie sich, was die Hydraulik können sollte, aber heute noch nicht kann?

Ich würde mir Wirkungsgrade von 100 Prozent wünschen.

fluid: Wie halten Sie es mit Patenten: wichtig oder eher unwichtig?

Wichtig. Durch die Globalisierung wird die Absicherung der eigenen Entwicklungen durch Patente nicht nur gegenüber dem bekannten Wettbewerb, sondern auch gegenüber eventuellen Plagiatoren immer wichtiger.

fluid: Was bereitet Ihnen im Berufsalltag derzeit am meisten Kopfzerbrechen?

Die Benennung langfristiger Entwicklungsziele, die auch in einigen Jahren noch als richtige Zielvorgabe gelten.

fluid: Das Aufrichten der Costa Concordia war sicherlich ein Beispiel für anspruchsvolle Ingenieurskunst. Welches Ereignis der vergangenen Jahre hat Sie als Techniker besonders beeindruckt?

Mein erster Flug mit einem Airbus A380 war für mich sehr beeindruckend. Neben der enormen Größe dieses Flugzeuges war insbesondere die deutliche Reduzierung des Innengeräusches für mich ein erkennbarer Fortschritt.

fluid: Was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung des Unternehmens in den nächsten Jahren?

Ein gesundes Wachstum in allen Bereichen und speziell in der Hydraulik eine Weiterentwicklung Richtung Systemanbieter.

Autor: Franz Graf, Chefredakteur