Michael Gruber

Für Michael Gruber sind eine flache Viskositätslinie und die gute Verfügbarkeit eines Hydrauliköls in allen Anbaugebieten der Zuckerrübe entscheidende Faktoren. Bild: Ropa

Herr Gruber, ohne Hydraulik geht bei Ihren Rübenrodern nichts. Welche Anforderungen muss das Hydrau-liköl für Ihre Maschinen erfüllen?

Wir brauchen Öle, die weltweit in allen Zuckerrübenanbauregionen erhältlich sind. Vorgeschrieben ist in unseren Maschinen ein Hydrauliköl HVLP 46 (wenn irgendwie möglich zinkhaltig), ISO-VG 46 nach DIN 51524 Teil drei. Wichtig ist eine flache Viskositätskennlinie, um die Zeit nach dem Kaltstart mit minimalem Verschleiß zu überstehen. Denn eine Verlademaus muss auch bei -15°C Rüben laden, die Saison dauert mittlerweile bis weit in den Januar hinein.

Rübenernten ist ein Saisongeschäft. Die Umweltbedingungen sind auch nicht gerade hydraulikfreundlich. Mit welchen Maßnahmen schaffen Sie es, akzeptable Ölstandszeiten zu erreichen?

Aus unserer Sicht ist die Einhaltung gewisser Temperaturbereiche in jeder Betriebssituation ein sehr wichtiger Punkt. Bei den Lademaschinen wird mit einem Thermoventil die Hydrauliköltemperatur so schnell wie möglich in den Bereich über 45 Grad Celsius gebracht. Bei den Rübenrodern haben wir einen separaten, stufenlos geregelten Lüfterantrieb, der das Hydrauliköl immer im gewünschten Temperaturbereich hält. Unser Ziel sind etwa 65 Grad Celsius im Hydrauliköltank, an keiner Stelle der Maschine Temperaturen von 100 Grad Celsius.

Auch bei Ropa gilt das Prinzip „Schneller, weiter, höher“. Bei welchen Punkten sehen Sie Entwicklungsbedarf bei den Hydraulikölen?

Für uns hätten flachere Viskositätskennlinien den höchsten Wert, dann könnte man die Saugleitungen eine Nummer kleiner dimensionieren. Außerdem die Filter, denn wir versuchen auch bei kaltem Öl das Öffnen von Bypassventilen in den Filtern zu vermeiden. Wie sich die mittlerweile bis 500 bar hohen Spitzendrücke im geschlossenen Kreislauf auf die Ölalterung auswirken, können wir noch nicht einschätzen; zwei Jahre Praxis sind hier noch ein zu kurzer Zeitraum.

Billigeinkauf durch die Maschinenbetreiber oder Bezug auf Basis von Hydrauliknormen ist oft eine große Unsicherheit. Wie kann zum Beispiel ein Betreiber in Russland davon überzeugt werden, dass dies der falsche Weg ist?

Teilweise gar nicht. Teilweise sind sich unsere Kunden aber auch bewusst, dass es billiger ist, vernünftiges Öl zu kaufen als neue Komponenten für die Hydraulikanlage der Maschine. Leider wird aber generell bei vielen Kunden zu stark nur der Preis der einzelnen Ölanbieter verglichen.

Teilweise bieten Ölhändler dem Kunden anstatt dem angefragtem HVLP dann ein HLP an, um den Wettbewerber zu unterbieten und den Umsatz zu generieren. Unser Kunde bemerkt dies teils gar nicht, da er zu wenig genau hinsieht, was auf dem Angebot beziehungsweise auf dem Ölkanister drauf steht. Da wird schnell mal ein fehlender Buchstabe überlesen und nicht bemerkt.

Der Ölwechsel wird heute verstärkt zustandsbezogen durchgeführt. Welche Kriterien und Grenzwerte geben Sie vor?

Wir geben vor, dass das Hydrauliköl jährlich gewechselt werden muss. Möglichst kurz vor der Rübensaison, um eventuell entstandenes Kondenswasser vor der Erntesaison aus der Maschine zu bekommen. Nur im Hydraulik-öltank haben wir etwa 210 Liter, in der gesamten Maschine sind jedoch mehr als 500 Liter. Somit bedeutet ein Ölwechsel nur das „Aufmischen“ mit frischem Öl, ein echter Ölaustausch ist kaum durchführbar.

Die Fragen stellte Helmut Winkler, freier Autor für fluid

Technik im Detail

Ernte im Akkord

Ernte im Akkord: Der dreiachsige Rübenroder „Tiger 5“ ist das Premiumfahrzeug im Sortiment des Unternehmens. Bild: Ropa Fahrzeug- und Maschinenbau

Hydraulik im Rübenroder

Ropa Fahrzeug- und Maschinenbau ist ein Hersteller von Zuckerrübenerntemaschinen. Am Stammsitz in Sittelsdorf sind 300 Mitarbeiter beschäftigt. Premiumfahrzeug ist der dreiachsige Rübenroder „Tiger 5“. Mit einem speziell für dieses Fahrzeug entwickeltem neuartigen Fahrwerkskonzept sowie einer Pendelvorderachse in Verbindung mit zwei hydraulisch gelagerten Hinterachsen wird das Wanken der Maschine im Vergleich mit anderen dreiachsigen Rübenrodern auf ein Drittel reduziert.

Eine Besonderheit ist auch der automatische Hangausgleich mittels sechs Hydraulikzylindern und Sensorik. Die Hydraulik ist damit zum Herzstück des Rübenroders geworden.