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Bild: © Romolo Tavani, Fotolia

Seit Mai 2015 ist IMAV-Hydraulik offiziell Teil von Motrac Hydraulics und heißt davon abgeleitet nun Motrac Hydraulik. Im Unternehmen sehe man die Übernahme durchaus positiv, versichert Nicolai Linssen, Geschäftsführer bei Motrac Hydraulik. Als Teil des Konzerns habe der mittelständische Steuerblockhersteller nun zum Beispiel die Möglichkeit, sich globaler aufzustellen, auch größere Unternehmen anzusprechen und neue Märkte zu erschließen, erklärt Linssen bei einer Presseveranstaltung.

Motrac Hydraulik

Mit dem Motrac-Konzern im Rücken erschließen sich für die ehemalige IMAV-Hydraulik (nun Motrac Hydraulik) neue Wachstumsmärkte. Bild: flu/do

Das Unternehmen stellt pro Jahr etwa 80.000 bis 100.000 kundenspezifische Steuerblöcke in mehr als 10.000 verschiedenen Ausführungen her. Zum Portfolio gehören außerdem auch Ventile.

„Gut 60 Prozent unserer Steuerblöcke sind für den Mobilmarkt wie Krane, landwirtschaftliche Geräte und Reinigungsmaschinen bestimmt; die übrigen Steuerblöcke werden in Pressen sowie für Anwendungen in der Verpackungsindustrie, der Montanindustrie und der Maschinenbauwelt verwendet“, sagt Linssen. Als Teil von Motrac Hydraulics will der Anbieter nun das Seeverkehrsgewerbe als neuen Wachstumsmarkt für Produkte der Marke IMAV-Hydraulics gewinnen.

Hydraulik-Steuerblöcke aus Kunststoff

Bei der Technologie in der Steuerblockherstellung habe sich in den letzten 30 Jahren einiges getan, fasst Linssen zusammen. So sind aktuelle Blöcke im Vergleich zu früher etwa 30 Prozent kleiner und erheblich leichter, weil die Hersteller mehr mit Materialien wie speziellen Aluminium-Legierungen arbeiten.

Nicolai Linssen

Der frühere Firmenname bleibt als Marke für Steuerblöcke und Ventile erhalten, erklärt Geschäftsführer der Montrac Hydraulik, Nicolai Linssen. Bild: flu/do

Obwohl dies früher undenkbar war, halten die Aluminium-Steuerblöcke inzwischen einem Betriebsdruck von maximal 320 bar stand. Nun führt das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Spritzguss-Industrie Versuche mit Kunststoff-Steuerblöcken durch. Diese sollen zunächst für einen Betriebsdruck bis 50 bar und einer Öltemperatur von 100° C eingesetzt werden.

Außerdem laufen Pilotprojekte mit Steuerblöcken aus Stahl in Kombination mit Legierungen. Diese Steuerblöcke werden voraussichtlich ab dem zweiten Quartal 2016 auf den Markt kommen und einem Betriebsdruck von 700 bar standhalten, gibt Linssen bekannt. Schließlich untersucht das Unternehmen Möglichkeiten, den Durchfluss zu erhöhen, ebenso wie – entsprechend der Markt-Nachfrage – den Betriebsdruck.

Fertigung

Blick in die Fertigung: Ein Mitarbeiter versieht die Blöcke mit Schutzkappen. Für den Fall, dass ein Anwender Ersatzteile benötigt, archiviert das Unternehmen seit 1976 die Fertigungszeichnungen aller hergestellten Steuerblöcke. Bild: flu/do

Hingegen ist ein Steuerblock aus dem 3D-Drucker aus Sicht des Herstellers noch kein Thema. Prokurist Vincent Fritz von Motrac Hydraulik erklärt, dass selbst die Gefüge, die beim Lasersintern entstehen, nicht druckdicht seien, zumindest nicht in dem Bereich, in dem eine typische Hydraulikanlage arbeitet. Außerdem müssten die Steuerblöcke nachbearbeitet werden, um die benötigte Oberflächengüte herzustellen. Linssen gibt zu bedenken, dass die Komponente ja nicht nur den Arbeitsdruck, sondern auch die Druckspitzen aushalten muss, welche in einer üblichen 250-bar-

Anwendung durchaus bis 500 bar gehen können. Als Ersatzteil im Notfall kann sich der Geschäftsführer 3D-gedruckte Komponenten zwar vorstellen, bis zur Serienreife werde es aber noch viele Jahre dauern, schätzt er.

Umspannzeiten elimieren

Aktuell arbeitet der Hersteller daran, die Fertigung der Komponenten zu beschleunigen. Linssen berichtet: „Momentan werden bei Motrac Hydraulik alle CNC-Bearbeitungszentren mit einem Schnellspannsystem ausgerüstet, um die Umspannszeiten der Zentren weiter zu verkürzen oder sogar fast zu eliminieren.“

Mit Hilfe des Schnellspannsystems werden die Produkte derart befestigt, dass im ersten Prozessgang eine Seite bearbeitet werden kann. Danach wird das Produkt umgedreht, und die übrigen fünf Seiten werden in einem Prozessgang bearbeitet. Dies macht einen großen Unterschied. So dauerte die Produktion eines Standard-Steuerblocks bis vor Kurzem 120 Minuten. Nun, mit dem Schnellspannsystem und nur einer Umstellung, ist der Block nach 59 Minuten fertig. Begonnen hat das Unternehmen mit dem fünfachsigen Bearbeitungszentrum, die anderen Bearbeitungszentren sollen folgen.

Autorin Dagmar Oberndorfer, Redaktion

Strategie bis 2020

Ambitionierte Wachstumsziele

Motrac Hydraulics ist der größte Importeur für Hochdruckpumpen und Motoren von Linde. Außerdem handelt das Unternehmen mit Komponenten von Eaton, Bücher Hydraulics und Völkel. 2011 setzte sich die Firma das Ziel, neue Märkte zu erschließen und Systemanbieter zu werden. Ausgehend von aktuell knapp 30 Millionen Euro Umsatz (inklusive der ehemaligen IMAV) soll der Umsatz bis zum Jahr 2020 auf 100 Millionen Euro klettern. Der Händler und Hersteller setzt dazu auf das Seeverkehrsgewerbe, den Mobilsektor und den Agarsektor als Wachstumsmärkte.

Vor der Aufstellung dieser Strategie ließ Motrac Hydraulics zunächst eine Marktanalyse durchführen. Demnach betrug der gesamte Hydraulikmarkt in Europa laut CETOP 7,4 Milliarden Euro in 2011. Dieser Betrag umfasste den Verkauf von Einzelkomponenten, Aggregaten und Systemen. 2,1 Milliarden Euro davon beziehen sich auf das mittlere Segment, große Originalhersteller nicht einbezogen. Dieser Umsatz war in erheblichem Maße auf vier größere Spieler und viele kleinere Familienbetriebe verteilt. „Für die Expansionspläne von Motrac Hydraulics liegen hier durchaus Chancen“, meint Vinkesteijn. Eine andere, neue Herausforderung ist der Ausbau dieses Marktes mit der Linde-Vertretung. Motrac hat mit axialen Hochdruck-Kolbenpumpen und Hydraulikmotoren seit 1954 Komponenten des Anbieters im Sortiment.

Nach der Übernahme der IMAV-Hydraulik, die neue Kunden und Märkte erschlossen hat, will das Unternehmen nun seine Mechatronik-Kompetenz erhöhen. „In der letzten Zeit sehen wir auf unserem Markt eine Verschiebung von mechanisch-hydraulischen zu elektrisch-hydraulischen Systemlösungen, und die Nachfrage nach höherem Betriebsdruck von 500 bis 600 bar nimmt zu“, erklärt Verkaufs- und Marketingdirektor Maarten Vinkesteijn von Motrac Hydraulics. Daher ist das Unternehmen weiter auf der Suche nach Übernahme-Kandidaten, beispielsweise unter den Elektrotechnik-Herstellern.