Wenig

Carlo Wenig (links) stellt sich den Fragen der fluid-Redaktion. Das Bild zeigt ihn zusammen mit dem Leiter für Spritzgussfertigung in Diedorf, Erich Baumgärtner. Was ihn bei anderen Anbietern konkret störte, will Wenig zwar nicht verraten. Aber so viel gibt er Preis: Beim Maschinenkauf zählen für ihn nicht nur die Anschaffungskosten; er legt Wert auf ein stimmiges Gesamtpaket. Bild: Borscheid + Wenig

fluid: Ein ganzer Maschinenpark voll mit Sumitomo Demag. Wie ist diese Situation zustande gekommen?

Da muss ich etwas ausholen. Unsere Firma wurde 1961 gegründet. Wir kommen ursprünglich nicht vom Spritzgießen, sondern waren damals überwiegend in der Stanztechnik tätig. Erst in den 70ern und Anfang der 80er Jahre, als sich die Firma neu aufstellen musste, hat man zusätzlich Spritzgießen ins Produktportfolio aufgenommen. So sind die ersten Kontakte zu Demag entstanden. Die haben wir über die Jahre und Jahrzehnte immer weiter ausgebaut. Die erste Maschine von Demag hatten wir um 1987/1988 angeschafft. Mittlerweile haben wir 48 Maschinen im Maschinenpark.

fluid: Das ist in der Tat eine traditionsreiche Geschäftsbeziehung. Schauen Sie sich bei Neuanschaffungen überhaupt noch nach anderen Anbietern um?

An und für sich beobachten wir ständig den Markt. Borscheid + Wenig hatte auch schon andere Spritzgießmaschinen hier in den Hallen stehen, zum Beispiel der Firmen Arburg und Engel. Beide Hersteller sind bei uns momentan aber nicht mehr im Maschinenpark. Das kann sich zwar ändern, schließlich haben die anderen Hersteller mit Sicherheit auch gute Maschinen. Aber momentan sind wir mit Demag einfach rundum zufrieden. Stand heute passt bei denen das Gesamtpaket; nicht nur die Technologie, sondern auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absolut top. Die Kundenbetreuung, die für uns wichtig ist, ist sehr gut. Deshalb hat es kein anderer Hersteller geschafft, bei uns ins Geschäft zu kommen.

fluid: Klingt gut. Aber gibt es denn gar keine Punkte, die Sie stören oder die Sie verbessern würden?

Verbessern lässt sich immer etwas. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Wir haben einen langjährigen Außendienstmitarbeiter bei Demag, der uns betreut. Wenn etwas ist, klären wir das auf dem kleinen Dienstweg.

fluid: Sumitomo Demag ist ja sehr stolz auf die Energiespar-Technologie in den Spritzgießmaschinen. Spielte das für Sie eine Rolle, als Sie das Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet haben?

Ja, wir beziehen das Energiethema sehr stark in unsere Überlegungen mit ein. Denn die Energiekosten werden nicht fallen. Wir haben aus dem Grund auch alle fünf Neumaschinen, die dieses Jahr in Diedorf installiert wurden, mit Energiesparmotoren ausgestattet, dem Active Drive. Das ist von der Grundinvestition natürlich mehr Geld. Aber die Maschinen haben eine Energieersparnis von rund 20 Prozent.

fluid: Können Sie diese Verbrauchswerte mit eigenen Messungen bestätigen?

Das können wir, weil wir hier und auch an unserem neuen Standort in Gersthofen ein sogenanntes Energiemanagement installiert haben. Wir verlassen uns nicht auf die Angaben vom Energieversorger, sondern wir haben unsere Anlagen hausintern vernetzt. So ermitteln wir die Strom-, Wasser-, Gas- und Druckluftverbräuche. Wir sind auch zertifiziert für das Umweltmanagement.

fluid: Was für ein Zertifikat ist das?

Wir sind seit 2007 zertifiziert nach ISO 14 001. Jetzt gerade bereiten wir mit Hochdruck das Energiemanagement vor, das ist die ISO 50 001.

fluid: Welche Vorteile versprechen Sie sich ganz konkret von dieser Zertifizierung?

Da gibt es mehrere Aspekte. Spritzgießmaschinen zum Beispiel haben den höchsten Energieverbrauch, wenn sie hochfahren, weil sich die ganze Hydraulik erst erwärmt. Wenn man das Hochfahren am Wochenanfang zeitversetzt steuert, muss man dem Energieversorger nicht eine große Stromspitze zahlen. Außerdem geht es darum, pfleglich mit den Ressourcen umzugehen und die Mitarbeiter einzubeziehen, sodass jeder den Umweltgedanken lebt.

Die zweite Zertifizierung, die wir jetzt in Vorbereitung haben, hat schlicht und ergreifend einen finanziellen Vorteil. Denn wenn Sie das Zertifikat nachweisen, dann kommen Sie in den Genuss von Rückerstattungen. Wir erwarten uns Gutschriften vom Energieversorger im hohen fünfstelligen Bereich.

fluid: Wann erwarten Sie bei dem Energiesparantrieb in der Spritzgießmaschine einen ROI?

Die Mehrkosten, die den Antrieb anbelangen, sind in meinen Augen relativ überschaubar. Sie machen bei der Anschaffung einen Aufpreis von fünf bis zehn Prozent aus. Wir gehen anhand unserer Messungen davon aus, dass sich das in zwei bis drei Jahren rechnet, wobei wir dreischichtig an sechs Tagen der Woche arbeiten. Das heißt, wir haben eine Wochenarbeitszeit von 18 Schichten.

fluid: Sie haben 48 Spritzgießmaschinen, ist auch eine mit Hybridantrieb darunter?

Nein, das nicht. Wir konnten bislang keinen Vorteil im Hybridantrieb für uns entdecken. Aber wir haben uns ganz aktuell für eine vollelektrische entschieden, eine 100-Tonnen-Intelect, auch von Sumitomo Demag. Das ist die erste vollelektrische Maschine, die wir im Einsatz haben. Alle anderen Maschinen sind noch klassisch hydraulisch betrieben.

fluid: Wie kam es dazu?

In der Vergangenheit sind wir mit den hydraulisch betriebenen Maschinen, was unser Bauteilspektrum betrifft, vollkommen klargekommen. Jetzt machen wir neue Projekte, bei denen es auf Schnelligkeit und auf Präzision ankommt. Wir haben uns dazu entschlossen, eine vollelektrische Maschine zu kaufen, um Erfahrungen zu sammeln, nicht nur rein auf den Energieaspekt bezogen, sondern auch von Seiten der Qualität, von Seiten der Produktivität und natürlich auch von der Energie her. Aber das ist jetzt brandaktuell, ein Feedback kann ich noch nicht geben.

fluid: Wenn Präzision und Schnelligkeit Vorzüge der elektrisch betriebenen Maschinen sind, wo sehen Sie dann die Stärken der hydraulischen Systeme, für die Sie sich ja bisher immer entschieden haben?

Spritzgiessmaschine

Genau eine vollelektrische Spritzgießmaschine steht in den Fabrikhallen der Diedorfer. Gegenüber den hydraulisch betriebenen Nachbarn kostete sie etwas mehr, arbeitet dafür aber genauer und schneller. Genau eine vollelektrische Spritzgießmaschine steht in den Fabrikhallen der Diedorfer. Gegenüber den hydraulisch betriebenen Nachbarn kostete sie etwas mehr, arbeitet dafür aber genauer und schneller. Genau eine vollelektrische Spritzgießmaschine steht in den Fabrikhallen der Diedorfer. Gegenüber den hydraulisch betriebenen Nachbarn kostete sie etwas mehr, arbeitet dafür aber genauer und schneller. Bild: Sumitomo Demag

Ein Vorteil vom hydraulischen System ist, dass unsere ganzen Facharbeiter, die draußen im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten, diese Maschinen im Schlaf bedienen können. Wir betreten mit der elektrischen Maschine jetzt ein Stück weit Neuland. Das gilt nicht nur für unsere Verfahrensmechaniker, die die Maschinen einstellen und bedienen müssen, sondern auch für unsere hauseigene Instandhaltung, die Reparaturen und Wartungsarbeiten machen. Die sind bei uns im Haus natürlich voll auf Hydraulik geschult. Da wollen wir noch einmal Geld in die Hand nehmen für Weiterbildung.

fluid: Würden Sie sagen, dass die elektrischen Spritzgießmaschinen die hydraulischen verdrängen?

Ich würde sagen, dass es bei uns eher ein Nebeneinander sein wird, weil wir vom Spritzguss her nicht rein auf Präzisionsteile ausgelegt sind. Wir stellen auch Bauteile her, bei denen es von der Bauteilgeometrie Toleranzbereiche gibt, die wir mit den hydraulischen Maschinen einhalten können.

Und Sie dürfen eines nicht vergessen: Wenn Sie mit einer elektrischen Maschine arbeiten, haben Sie schon von Vorneherein einen höheren Anschaffungswert, was auch Ihren Maschinenstundensatz erhöht. Und das schlägt sich beim Teilepreis eins zu eins zum Kunden durch. Deshalb wollen wir erst einmal Erfahrungen sammeln und daraus unsere Konsequenzen ziehen.

Unsere hydraulischen Maschinen haben außerdem noch einen weiteren Vorteil: Wir sind im Großmaschinenbereich tätig und brauchen gewissen Schließkräfte. Bei den Elektrischen und den Hybridmaschinen hört die Maschinengröße bei 400 Tonnen Schließkraft irgendwann auf. Unser Maschinenpark geht aber bis 1500 Tonnen Schließkraft. Das ist auch ein Grund, warum wir, denke ich, bei hydraulischen Maschinen bleiben.

fluid: Um auf das Thema Energie und Umwelt zurückzukommen: Welche anderen Maßnahmen haben Sie ergriffen, um den Verbrauch zu senken?

Wir haben im Jahr 2012 einen komplett neuen Standort in Gersthofen gebaut, der 2013 in Betrieb genommen wurde. Das ist von hier zwölf Kilometer weg. Dort kommen wir ohne fossile Brennstoffe aus, weil wir die Abwärme unserer Spritzgießmaschinen zur Warmwassererzeugung, zur Hallenbelüftung und zur Heizung in den Wintermonaten nutzen. Wir sind diesen komplett neuen Weg gegangen, wegen unserer Erfahrungen am Standort in Diedorf: Wir haben hier sehr viel Wärme in den Hallen, die ins Nirwana verpufft.

fluid: Strom beziehen Sie aber trotzdem noch, oder?

Da kommen wir nicht umhin.

fluid: Haben Sie sich denn für sogenannten „grünen“ Strom aus regenerativen Energiequellen entschieden?

Nein, wir beziehen Strom heute von einem großen Energieversorger. Aber wir konnten komplett auf Öl und Gas verzichten. Wir beheizen circa 12.000 Quadratmeter Nutzfläche mit Abwärme der Maschinen. Und wir erzeugen das Warmwasser für die Sozialräume wie Kantine und Toiletten über Wärmerückgewinnung.

fluid: Das ist schön für die Umwelt, als Unternehmer haben Sie aber doch sicher auch die Effizienz im Blick. Wann wird sich dieses ganze System rentiert haben?

In ungefähr fünf Jahren.

fluid: Abschließende Frage: Wie sieht die Lage insgesamt aus bei Ihnen? Welche Entwicklung erwarten Sie anhand der aktuellen Auftragszahlen?

Wir sind optimistisch. Wir haben in 2013 ein Jahr der Konsolidierung erlebt, die Auftragslage blieb gleich. Im ersten Quartal 2014 haben wir ein Wachstum gespürt, das so ungefähr bei zwei Prozent liegt. Ich kann mir vorstellen, dass sich das weiter fortsetzt und wir dieses Ergebnis Ende 2014 in etwa erreichen werden. Für 2015 versprechen wir uns weitere Zuwächse vor dem Hintergrund, dass unser Unternehmen sehr viel Neugeschäft akquiriert hat, das heute in der Projektphase ist. Da werden noch weitere Fertigungskapazitäten aufgebaut, sodass die Geschäftsentwicklung für dieses und nächstes Jahr überaus positiv ist aus unserer Sicht.

Autorin: Dagmar Oberndorfer, Redaktion

Zahlen und Fakten

Fertigung bei Borscheid + Wenig

In dem Unternehmen arbeiten 360 Mitarbeiter, davon 290 in Diedorf und 70 am neuen Standort in Gersthofen. Die Firma bietet Stanz- und Spritzgusstechnik an, außerdem Thermoformen, Wasserstrahlschneiden und, zusätzlich zum Spritzguss, Weiterveredelung wie das Verschweißen in unterschiedlichen Verfahren, zum Beispiel Vibrations-, Ultraschall und Heizelementschweißen. Außerdem montiert das Unternehmen Baugruppen und bedruckt Kunststoffteile im Tampondruckverfahren.

Der größte Geschäftsbereich, der auch die höchsten Zuwachsraten verzeichnet, ist das Spritzgießen inklusive Baugruppenmontage. Damit erwirtschaftet das Unternehmen rund 75 Prozent des Umsatzes. Deswegen hat die Firma vor kurzem ein zweites Werk gebaut. Dort findet nun der Spritzguss auf Großmaschinen statt. In Diedorf hingegen stehen die Kleinmaschinen für den Spritzguss und andere Fertigungstechniken. Hauptabnehmer der Produkte ist die Automobilindustrie.

Info: www.borscheid-wenig.com