Bamberger Hydraulikfrühstück, Bild: fluid

Das 10. Bamberger Hydraulikfrühstück fand im Welcome Kongress Hotel statt. Bild: fluid

| von Felix Lauther

Es gibt wenige Veranstaltungen, die jedes Mal über ihren offiziellen Charakter hinauswachsen. Als Hausmesse deklariert, ist das Bamberger Hydraulikfrühstück mehr als ein reines Produktmarketing des Veranstalters und der teilnehmenden Hydraulik-Unternehmen. Bereits zum 10. Mal luden Andreas Laubsch und sein Kollege Udo Saffer im Namen von Rauh Hydraulik in das Bamberger Welcome-Kongresshotel ein. Zu einem Frühstück, das sich über den Brunch bis in den Spätnachmittag zu einem Pflichttermin im fluid-Kalender gemausert hat. Dort, wo sich Anwender, Hersteller und Fachexperten zum Netzwerken mit Wissenstransfer versammelten, war das Programm mit mehreren spannenden Referaten gespickt.

Gesprächssituation auf dem 10. Bamberger Hydraulikfrühstück
Neben einer spannenden Vortragsreihe, die über den ganzen Veranstaltungstag lief, informierten sich die Besucher auch auf der Hausmesse über neue Hydraulik-Produkte. Bild: fluid

Die Vorträge drehten sich rund um konkrete Problemdarstellungen im Kontext der Montage, dem Betrieb und der Instandhaltung fluidtechnischer Anlagen, beziehungsweise Maschinen. Das Publikum honorierte die Referenten- und Themenauswahl von Key Account Manager Andreas Laubsch mit voll besetzten Reihen im Vortragssaal 8 des Kongresshotels. „Wir bieten eine Plattform zum fachlichen und persönlichen Austausch, wie es sie sonst kaum in der Branche gibt“, erklärt Rauh-Marketingleiter Saffe. Das bestätigte auch die Umfrage unter den Teilnehmern, „die sich ausnahmslos begeistert zeigten und das Hydraulikfrühstück auch im nächsten Jahr gerne wieder besuchen wollen“, so Laubsch in seinem Resümee.

Die Vortragsreihe begann mit einem Thema, das einen kritischen Blick auf die Ausbildungssituation der Hydrauliker warf. Robin Trompetter vom Schulungsunternehmer Advanced Training Technologies richtete sich mit seinem Appell an viele Maschinenbauer und Hydraulikanwender. Gerade beim Wissenstransfer hydraulischer Probleme und Lösungen gebe es in sowohl in der theoretischen Ausbildung als auch in der praktischen Anwendung weiterhin große Lücken. Hier böten sich mit qualifizierten Weiterbildungen Chancen, gefragtes Expertenwissen aufzubauen und gewinnbringend am Markt zu transportieren.

Mindstone und die innere Stimme der Hydraulik

Im Weiteren bestach das vielschichtige Vortragsprogramm aber auch durch inspirierende Blicke über den Tellerrand der Hydraulik hinaus. So referrierte Mind-Coach Michael Lubomirski von Soul Mastery über die Fähigkeit der Konzentration. In einem Selbstexperiment mit dem anwesenden Publikum führte er den Teilnehmern vor Augen, mit welchen Reizen und vor allem Gedankenströmen wir täglich beschäftigt sind. So suchte er in 30 Minuten die innere Ruhe – das Zen. Im Alltag zwischen lärmenden Maschinen, digital flimmernden Schaltplänen und rauen Arbeitsbedingungen auf der Baustelle war dies eine Übung, die den Hydraulikern genauso schwerfiel, wie anderen Stressgeplagten auch. Verhaltenstrainerin Katja Schäfer von Mindstone Coaching rieß die Teilnehmer aus ihrer Selbstreflexion wieder heraus und lud zu einem halbstündigen Workshop ein. In dieser aktiven Gestaltung führte sie den Anwesenden vor Augen, „wie der Gegenüber tickt“. Schäfer gab einen spannenden Einblick heutige Kommunikations- und Verhaltenstendenzen im Berufsalltag.

Podiumsdiskussion zum Thema Schlauchtechnik

Neben weiteren Fachvorträgen rund um fluidtechnische Anwendungsbeispiele von Kolbenstangen, Schlauch- und Kupplungstechniken sowie der Filtration von Hydraulikölen stieß auch die traditionelle Podiumsdiskussion auf interessierte Ohren. Zum Thema „Sicherer Umgang mit Hydraulik-Schlauchleitungen nach DGUV 113-020 und DIN EN ISO 4413 – was Maschinenhersteller und Verwender von Hydraulik-Schlauchleitungen beachten müssen” stellten sich die Experten den Fragen des Moderators. Ein sensibles Thema, denn Schläuche sind ein essentielles Werkstück hydraulischer Maschinen und Anlagen. Sie sind da und sollen funktionieren. Getauscht wird meistens, wenn die Schlauchtechnik sichtbar offene Wunden hat. So unscheinbar sie das fluid scheinbar vom Tank zum Aktuator leiten, gelten sie als die Achillesferse des Hydrauliksystems.

Bild: Michael Aust / Zeck

„Wir haben in der Konstruktion auch lernen müssen, dass das Rohr nicht immer die beste Wahl ist. Verwende ich Schläuche, ist der Systemdruck zu beachten.“

Stefan Brehm, techn. Konstrukteur hydraulische Steuerungen, Zeck

Bei der Auswahlprüfung, Montage und Instandhaltung können schwerwiegende Fehler gemacht werden, wenn die Richtlinien nach DGUV 113-020 und DIN EN ISO 4413 nicht berücksichtigt werden oder keine qualifizierten Mitarbeiter für die Schlauchtechnik Verantwortung übernehmen. Drei Experten legten bei der Podiumsdiskussion den Finger in die Wunde. Dazu zählten Stefan Brehm, Vertreter des Herstellers Zeck, Robin Trompetter, geschäftsführender Gesellschafter von Advanced Training Technologies und Andreas Laubsch, Key Account Manager bei Rauh Hydraulik. Er ist Mitglied im Fachausschuss DGUV-Regel 113-020. Bei der Frage nach den Vorgaben für den Hersteller, bezieht sich Stefan Brehm auf die bei der Gewährleistung gegenüber dem Kunden auf die Vorgaben der DGUV-Richtlinie sowie der DIN-ISO-Norm: „Dabei geben wir an, wie die Schläuche, wann geprüft werden müssen. In unserer Anweisung ist auch klar beschrieben, in welchen Intervallen und nach welchen Kriterien der Instandhalter die Schlauchleitungen wechseln muss.“

Mehr Lehre von Hydraulik

Robin Trompetter sieht einen großen Nachholbedarf bei den Instandhaltern, weil viele Schläuche nicht richtig dimensioniert seien. „Ich sehe das Problem vor allem darin, dass die Anwender kein Bewusstsein für die Bedeutung der Schlauchtechnik entwickeln. Platzt der Schlauch aufgrund falscher Montage, unsachgemäßer Dimensionierung oder unqualifizierter Instandhaltung, bekommt die Thematik eine Dynamik – berechtigterweise. Das ist in den Köpfen noch nicht angekommen. Man muss die Richtlinien auch richtig auslegen können – auch aktiv für ein Unternehmen.“ Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Herstellern, konstatiert er weiter, dass die Schläuche zwar immer besser und auch die Mitarbeiter an Qualifikation dazugewinnen würden. Jedoch „müssen sie diese Fortschritte auch leben und verhaltensorientierter werden. Denn, warum soll ich einen Schlauch tauschen, der nicht kaputt ist?“

Trompetter möchte mit den Angeboten seines Unternehmens national und international stärker schulen. Er wünsche sich zudem, dass die Hydraulik in den Ausbildungen der Ingenieure und Fachkräfte nicht weiter stiefmütterlich vernachlässigt wird.

Gefährdungsbeurteilung für hydraulische Anlagen und Maschinen

Andreas Laubsch nimmt die Arbeitgeber, also die Maschinenbetreiber in die Pflicht. „Hier sind die Vorkehrungen im Vorfeld von entscheidender Bedeutung. Zum einen müssen die Richtlinien eingehalten werden und zum anderen eine qualifizierte Person da sein, die auch versteckte Mängel erkennt. Dazu zählen zum Beispiel rostige Stellen in der Schlauchtechnik, die die Festigkeit der Armaturen schwächen. Es sollte vor allem aber in kürzeren Abständen geprüft werden, wenn ich die Belastung erhöhe, ob die Schläuche immer noch entsprechend zuverlässig ihren Dienst tun.“ Der Arbeitgeber muss schon vor der Inbetriebnahme der Maschine eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen. Rauh Hydraulik erstellt dann Ergänzungen zur bereits bestehenden Gefährdungsbeurteilung. Auch, wenn eine Maschine neu positioniert werde, müsse der Arbeitgeber eine neue Beurteilung schreiben. „Es kann nämlich durchaus sein, dass Schläuche, die zuvor in einer sicheren Umgebung waren, nun plötzlich mitten in den Verkehrsweg der Mitarbeiter ragen“, so Laubsch weiter. Falls hier keine regelmäßige Überprüfung stattfinde, „kann es zum Platzen des Schlauchs kommen oder noch viel schlimmer: Es entsteht ein Pin Hole, also eine Nadelstichporosität des Schlauchs, wodurch das heiße Öl austreten und Mitarbeiter in unmittelbarer Nähe schwer verletzen kann.“

Bild: Rauh Hydraulik

„Ein qualifizierter Mitarbeiter sieht, ob der Schlauch aushärtet, Scheuerstellen oder rostige Stellen in der Schlauchtechnik aufweist, die die Festigkeit der Armaturen schwächen.“

Andreas Laubsch, Key Account Manager, Rauh Hydraulik

Auch die Hersteller bleiben bei der Gefährdungsbeurteilung nicht außen vor. „Es geht schon bei der Entwicklung der Maschine los. Als Hydraulik-Konstrukteur muss ich die Entscheidung treffen, ob ich zum Beispiel Schläuche oder Rohre nehme. Wir haben in der Konstruktion auch lernen müssen, dass das Rohr nicht immer die beste Wahl ist. Verwende ich Schläuche, ist der Systemdruck zu beachten“ wie Brehm betont. Ein ganz wichtiger Punkt seien auch die Strömungsgeschwindigkeiten. „Bei der richtigen Auswahl der Schläuche für die Mobilhydraulik spielen die Umgebungsbedingungen eine entscheidende Rolle. Die Schläuche müssen UV- und Ozon-beständig sein. Sie sollten möglichst keine Umformungseigenschaften bei hohen oder sehr niedrigen Temperaturen zeigen. Hier ist unser Herstellerservice gefragt, der genau diese Bedingungen beim Kunden vor Ort richtig einordnen muss, um die optimale Komponente ins Spiel zu bringen.“

Schutzmaßnahmen bei der Schlauchtechnik

Auch wenn Hersteller, Maschinenbetreiber und Instandhalter die Richtlinien und Normen beachten, empfiehlt Laubsch weitere sicherungsmaßnahmen, die das Risiko für Unfälle und Maschinenstillstände verringern können. „Gefährlich wird es besonders dann, wenn Öl ausläuft oder die Schläuche peitschen.  Wenn das heiße Öl und der fünf Meter lange Schlauch unkontrolliert durch die Luft peitschen, ist das der Super-Gau. Damit dies nicht passiert, richtet entweder bereits der Hersteller Fangsicherungen ein oder der Anlagenbetreiber rüstet solche Sicherungen nach. Sind keine weiteren Schutzmaßnahmen möglich, muss er die möglichen Risiken jedoch in seiner Gefährdungsbeurteilung schriftlich erwähnen, so der Experte von Rauh Hydraulik. „Was sehr oft vergessen wird, dass trotz Berstschutz und Fangsicherung, Öl austreten kann.

Der Mitarbeiter rutscht auf der Öllache aus und bricht sich auf dem Verkehrsweg das Bein. Hier haftet dann der Arbeitgeber. Ein griffbereites Ölbindemittel sollte daher bei gewissen Hydraulikanlagen immer griffbereit sein.“ Zudem sei der Schlauch, wie Stefan Brehm in der Runde bestätigt, ein Handwerksprodukt. Somit bedarf die Schlauchtechnik einer besonders gründlichen Prüfung – sowohl bei der Wareneingangskontrolle, als auch bei der Montage im Betrieb. Robin Trompetter will künftig „die Anwender viel früher mitnehmen und qualifizieren. Wenn ich kluge Mitarbeiter habe, entwickelt sich die Branche auch anders.“ Dann seien weniger Sonderqualifizierungen nötig. „Wir brauchen konkrete und verständliche Richtlinien. Das ist das, was der Industriemechaniker draußen benötigt“. Eine Novellierung der Richtlinien und Normen sei überflüssig, wie die Experten der Podiumsdiskussion abschließend betonten.

Im Anschluss der sehr gut besuchten Diskussionsrunde ging es mit weiteren spannenden Referaten weiter. Zudem standen alle drei Experten den Besuchern im Rahmen des intensiven Networkings Frage und Antwort. Eine gelungene Veranstaltung, die laut Udo Saffer im nächsten Jahr weiterwachsen wird. Hierfür will Rauh Hydraulik weitere Räumlichkeiten im Hotel nutzen. fluid wird wieder mittendrin, statt nur dabei sein.

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