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Forstmaschinen können mittlerweile via Smartphone geortet werden. Über Fernwartung werden Fehler gesucht, Maschinen eingestellt. Bild: Vielfalt – Fotolia

Harvester und Holzrückmaschinen sind aus unseren Wäldern nicht mehr wegzudenken. Smartphone und Tablet gehören in Zukunft zu Standardwerkzeugen der Maschinenführer. Die geplante Treibstoffeinsparung von bis zu 15 Prozent würde der Umwelt gut tun. Moderne Mobilhydraulik-Lösungen reduzieren den Dieselverbrauch und die Emissionen bei mobilen Arbeitsmaschinen in der Forstwirtschaft deutlich. Und viele Komponenten sind bereits auf die gesetzlichen Regelungen von Tier 4 final abgestimmt. Wenn es um die Sicherheit und den Komfort in schwierigem Gelände geht, kommen innovative Bremssysteme zum Tragen.

„Welche Rolle spielen Energieeffizienz und kompakte Auslegung?“, haben wir Komponentenhersteller von Forstmaschinen gefragt. „Beides sind wichtige Forderungen an die Komponenten in einer Forstmaschine“, betont Ingo Pulch von Bosch Rexroth. Um die Vielzahl an Arbeitsfunktionen darstellen zu können, seien entsprechend viele Komponenten notwendig. „Gleichzeitig ist der Bauraum in einer Forstmaschine aufgrund ihrer kompakten Bauform sehr begrenzt. Zusätzlich verknappt wird er durch die zusätzlichen für die Abgasnachbehandlung notwendigen Komponenten – Stichwort Tier 4 Final. Das stellt die Maschinenhersteller vor echte Herausforderungen, sodass die Forderung nach kompakten Komponenten beziehungsweise neuen Lösungskonzepten groß ist“, so der Bosch-Rexroth-Branchenexperte. Kein Wunder also, meint Pulch, dass sich die Rexroth A11VO Axialkolbenpumpe als die „Forstpumpe“ am Markt etabliert habe.

„Das Thema Energieeffizienz ist ein Dauerbrenner bei den mobilen Arbeitsmaschinen, auch in der Forsttechnik. Neuentwicklungen von Maschinen haben immer den Fokus auf wirtschaftlicherem Arbeiten, für mehr Durchsatz pro Zeit oder weniger Spritverbrauch bei gleicher Arbeitsleistung“, so Pulch. Auch Komponentenhersteller Hawe unterstreicht die Bedeutung der Konstruktionsfeatures. „Zum einen muss die Schadstoffemission von mobilen Maschinen laut Tier 4 und Euro 6 reduziert werden. Unsere Lösungen unterstützen die Energieeffizienz von Forstfahrzeugen, da wir Pumpen mit geringerem Ölvolumen einsetzen“, so Tobias Kohler von Hawe Hydraulik. Die Funktionen würden trotzdem gleichermaßen voll versorgt. Der Forstarbeiter könne schnell und effizient arbeiten. Zum anderen seien leichtere Fahrzeuge gefragt, um den Waldboden zu schonen. „Dafür sind Steuerungen mit kompakten Maßen gefragt.“

Dr. Jürgen Munz „Die Entwicklungen der Zukunft werden sich auf eine weitere Effizienzsteigerung konzentrieren.“
Dr. Jürgen Munz, Geschäftsführer Vertrieb Komatsu

Dazu will Hawe die Steuerungen für Kransysteme weiter optimieren, damit sie noch energieeffizienter und bedienerfreundlicher werden, außerdem Zusatzfunktionen für ein schnelleres und genaueres Arbeiten bieten. „Wir setzen weiterhin auf Komplettsysteme aus Verstellpumpe, Steuerblock, elektronischer Steuerung und Joystick“, setzt Kohler auch auf leichtere Fahrzeuge mit längeren Kranarmen. Auch Anwender Komatsu hat die Energieeffizienz seiner Maschinen im Blick: „Während es in der Vergangenheit einen deutlichen Trend zu größeren, stärkeren und schnelleren Maschinen gab, so werden sich die Entwicklungen in der Zukunft vor allem auf eine weitere Effizienzsteigerung konzentrieren“, blickt Dr. Jürgen Munz, bei Komatsu als Geschäftsführer für den Vertrieb zuständig, in die Zukunft.

Dazu gehörten einerseits die Entwicklung von sparsameren Motoren, die zudem Vorteile in Sachen Umweltfreundlichkeit zeigen. Denn die Kraftstoffkosten sind einer der zentralen Kostenblöcke bei der vollmechanisierten Holzernte. So helfen modernste Motoren- und Pumpentechnologien, die bei den Maschinen verbaut sind, den Kraftstoffverbrauch je Fm (Erntemaß: Festmeter) gering zu halten.

Ingo Pulch „Das Thema Nachhaltigkeit wird bei künftigen Maschinengenerationen eine größere Rolle spielen.“
Ingo Pulch, Vertrieb und Branchenmanagement Forstmaschinen und Recyclingtechnik, Bosch Rexroth

„So haben wir etwa serienmäßig in unserem Steuersystem einen EcoModus verfügbar, der bei Bedarf zugeschaltet werden kann“, unterstreicht auch Simon Wuetz, Produktexperte MaxiFleet bei Komatsu. Andererseits stünden auch zunehmend der Fahrer und seine Umgebung im Vordergrund. Hier würden sich die Entwicklungen vor allem auf mehr Ergonomie (komfortablere Kabinen wie Komatsu Comfort Ride) sowie auf Systeme, die den Fahrer und den Unternehmer bei seiner Arbeit unterstützen (zum Beispiel Maxi Fleet) konzentrieren.

Kurzinterview: Simon Wuetz, Produktexperte MaxiFleet bei Komatsu

Den gesamten Maschinenpark optimieren

Simon Wuetz

„Elektronik ist mittlerweile ein zentraler Bestandteil heutiger Forstmaschinen.“
Simon Wuetz,
Komatsu – Bild: Komatsu

fluid: Welche Motoren und Sensoren verwenden Sie in Ihren Forstmaschinen?
In unseren Maschinen kommen AGCO Dieselmotoren zum Einsatz, welche die neuesten Tier 4 Final Abgasnormen erfüllen. Diese sorgen nicht nur für eine saubere Umwelt, sondern helfen zusätzlich, Kraftstoffkosten zu senken.

fluid: Wie können Ihre Kunden den Kraftstoffverbrauch kontrollieren?
Auf Wunsch behalten wir die Maschinen unserer Kunden mit Hilfe unseres Flottenmanagements MaxiFleet im Auge. Konkret heißt dies, dass wir uns mit dem Kunden in Verbindung setzen und entsprechend Hilfestellung geben, falls der Kraftstoffverbrauch l/Fm einen vorgegebenen Wert überschreitet.

Auf Basis dieser Daten bieten wir EcoTrainings für die Unternehmer und deren Fahrern an. Das Überprüfen der Maschineneinstellungen ist hier nur ein Baustein. Mit einem erfahrenen Instruktor werden etwa die einzelnen Arbeitsprozesse, von der Vorplanung bis zur eigentlichen Holzernte, genau analysiert und zusammen mit allen Beteiligten Einsparpotenziale aufgezeigt.

fluid: Welchen Stellenwert nimmt die Elektronik ein?
Die Elektronik ist mittlerweile ein zentraler Bestandteil der heutigen Forstmaschinen. Das Harvesteraggregat zum Beispiel prognostiziert bereits beim Beginn des Aufarbeitens die zu erwartende Holzausbeute und errechnet vorab in mögliche Sortimente. Treten in einem aufzuarbeitenden Bestand Veränderungen im Bezug auf die Baumdimensionen ein, wird diese Prognose korrigiert und entsprechend angepasst. Solche intelligenten Systeme, die helfen, die Holzernte so effektiv wie möglich zu gestalten, wären ohne moderne Sensorik und Elektronik nicht denkbar.

Mit unseren unterschiedlichen Aggregattypen hat der Kunde aber auch die Möglichkeit, bis zu einem bestimmten Grad selbst zu entscheiden, wie viel Elektronik in seiner Maschine Einzug hält. So kann er zum Beispiel abhängig vom Aggregatmodell die Drücke von der Kabine aus elektronisch oder per Schraubenschlüssel direkt am Aggregat einstellen.

fluid: Welche Rolle spielen Industrie 4.0-Lösungen für Sie?
Mit unserem webbasierten Flottenmanagementsystem MaxiFleet bieten wir ein System, welches in vielerlei Hinsicht Rationalisierungseffekte bietet. So können neben dem genauen Maschinenstandort, sowie dem Status der Maschine, auch Produktions- und Maschineninformationen im Büro oder auf dem Smartphone abgerufen werden. Das heißt, der Unternehmer hat die Möglichkeit, den gesamten Maschinenpark zu koordinieren beziehungsweise zu optimieren. Im Fall der Fälle bieten wir zudem schnelle Hilfe über Fernwartung. So kann zum Beispiel eine Fehlersuche durchgeführt, oder Maschineneinstellungen vorgenommen werden. Auch spielt die Vernetzung zwischen Harvester und Forwarder eine immer größere Rolle. Wichtige Informationen im Bezug auf Holzsortimente sowie geographische Informationen können direkt vollautomatisch zwischen den Maschinen per Cloud kommuniziert werden.

Die Fragen stellte Angela Unger, Redaktion

Neue Hydrauliklösungen

Erreicht wird das bei Komatsu seit der Einführung einer neuen Produktserie im Oktober 2014, bei der nun im Harvester insgesamt drei Pumpen zum Einsatz kommen. Diese werden in zwei unterschiedliche Arbeitshydraulikkreise unterteilt: Im Einkreissystem sorgt eine Pumpe für die Kraftübertragung, so steht ausreichend Kraft in Form von Druck und Durchfluss zur Verfügung. Im Zweikreissystem können zwei Pumpen, je nach Bedarf, zusammengeschaltet oder separiert werden. „Da die Kreise mit verschiedenen Druckniveaus arbeiten können, wird weniger Leistung vom Dieselmotor abgerufen, was zu einer Kraftstoffeinsparung führt“, so Geschäftsführer Munz.

Der Forstmaschinenhersteller setzt auf eine Kombination aus Hydraulik und Elektronik. Nachdem bei Komatsu bereits die dritte Generation von Hybridbaggern im Einsatz sei, werde man zukünftig verstärkt auf Synergieeffekte setzen. „Aufgrund der geforderten Gewichtsbegrenzungen: Stichwort Bodenschutz, werden wir aber auch zukünftig auf die Hydrostatik nicht verzichten können“, so der Geschäftsführer.

Tobias Kohler „Es ist eine Herausforderung, leichtere Fahrzeuge mit längeren Kranarmen zu entwickeln.“
Tobias Kohler, Key Market Manager Agriculture & Forestry, Hawe Hydraulik

Smarter mit Sensoren

„Wir haben die Technologietrends aufgegriffen und unsere Komponenten zum Beispiel mit Sensoren smart gemacht, das heißt sie werden mehr mit der Maschine kommunizieren und Informationen austauschen. Dies muss eng mit den Herstellern abgestimmt werden und ist eine Entwicklung, die uns die nächsten Jahre beschäftigen wird“, so Branchenmanager Pulch von Bosch Rexroth.

„Im Bereich der Energierückgewinnung und Hybridisierung haben wir verschieden Lösungsansätze wie zum Beispiel das Hydraulic Flywheel HFW entwickelt, die in den verschiedenen Forstanwendungen zum Einsatz kommen können“, so Pulch.

Autorin: Ingrid Fackler, Redaktion