Drei Fragen an Professor Manfred Wanzke, Wanzke Umformtechnologie

Manfred Wanzke,
Manfred Wanzke, Inhaber Wanzke Umformtechnologie und Honorarprofessor der TU Opole, bestimmt die Pressenentwicklung seit Mitte der 1960er-Jahre mit. (Bild: Wanzke)

Herr Professor Wanzke, Sie halten die hydraulische Presse der mechanischen und auch Hybridvarianten nach wie vor für überlegen. Wie begründen Sie das?

Das maximale Arbeitsvermögen ist bei einer Hydraulikpresse über den gesamten Pressenstößelhub vorhanden. Bei einer mechanischen Presse ist die Nennkraft nur bei etwa 30 Grad Kurbelwinkel vor dem unteren Totpunkt. Dieses sind nur wenige Millimeter, weshalb sie nur bei Flachteilen ökonomisch ist. Hinzu kommt: Muss die Presse mehrere Sekunden auf Druck gehalten werden, benötigt die Hydraulik in der Zeit fast keine Energie. Bei einer mechanischen Servopresse lässt sich das nicht darstellen. Hybridantriebe sind so aufwendig und teuer, dass ihr Nutzen sie nicht rechtfertigt. Ein wirklicher Fortschritt ist die Servohydraulik. Sie spart nicht nur Energie, sondern ermöglicht es, Systeme so aufeinander abzustimmen, dass man einen ruhigen und ökonomischen Lauf erreicht. Damit sind Genauigkeiten bis zu 1/100 mm bei großen Kräften möglich.

Sie haben eine Hydraulikmaschine entwickelt, die gravierende Nachteile wie eine starke Geräuschentwicklung und hohen Energieverbrauch eliminiert. Wie ist das gelungen?

Wir arbeiten mit einer vorgespannten Hydraulik, wodurch Kompression und Dekompression der Ölsäule entfallen. Dies gewährleistet der Vierkammerzylinder. Wir nennen unsere Presse aufgrund ihrer hohen Leistungsfähigkeit und geringen Stromverbrauchskosten Eco-Servopresse. Der hohe dynamische Wirkungsgrad erlaubt hohe Hubzahlen, die sich nicht von mechanischen Antrieben unterscheiden. Der Vorteil ist ihr großes Einsatzgebiet. Damit ist es gelungen, ein Pressenkonzept zu schaffen, das allen Anforderungen einer modernen und effizienten spanlosen Fertigung gerecht wird. Es ist auch eine Antwort auf Industrie 4.0.

Abgesehen von der Servopresse gibt es kaum wirklich neue Entwicklungen. Sind Hydraulikpressen ausentwickelt?

Wir haben heute exzellente hydraulische Bausteine, die der Anreiz sind, neue Ideen im hydraulischen Pressenbau zu verwirklichen. Uns fehlen jedoch die Anwender, die einem neuentwickelten Betriebsmittel die Chance geben, sich im Einsatz zu bewähren. Unser Transferpressenstern ist eine neue Idee: Ein Antrieb soll bis zu vier Pressen versorgen, die miteinander korrespondieren. Dies wird neue Produktionsverfahren und -möglichkeiten eröffnen.

Uns fehlen aber auch die Leute, die solche neuen Systeme konstruieren und in die Fertigung bringen. Die Studentenzahlen im Maschinenbau sinken, junge Leute gehen lieber in andere Bereiche. Das ist leider auch eine Folge des Niedergangs des deutschen Werkzeugmaschinenbaus, der sich heute überwiegend in den Händen ausländischer Unternehmen befindet. Die Ursachen hierfür liegen 25 Jahre zurück, als beim Embargo gegen den Irak der gesamte mittlere Osten und auch Russland als Märkte wegbrachen. Das schwächte den deutschen Werkzeugmaschinenbau sehr.

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