Rapsfeld in der Rhön

Auch bei den Bio-Hydraulikölen bewahrheitet sich dieser Spruch. Heute werden Produkte mit ganz unterschiedlichen Grundölen angeboten, die der Bioschiene zugeordnet werden. Da kann der Maschinenkonstrukteur und erst recht der Maschinenbetreiber leicht den Überblick verlieren. Unsere Marktübersicht in Tabellenform und zwei Interviews sollen etwas Licht in die Sache bringen.

So genannte Bio-Schmierstoffe sind nun seit über dreißig Jahren auf dem Markt. So manches Lehrgeld mussten Hersteller und Anwender bezahlen.

Den Anfang machten native Öle, oft auf Rapsölbasis. Aber schnell wurde erkannt, dass das Leistungsprofil für technische Anwendungen oft nicht ausreichte. Der Trend ging dann hin zu synthetischen basierten Hydraulikölen, welche die immer höher werdenden Anforderungen bestens erfüllen. Sie sind heute Standard. In der DIN ISO 15380:2004-05  wird die Leistungsfähigkeit  der umweltfreundlichen Hydraulikflüssigkeiten beschrieben. Sie gilt für Kraftübertragungsmedien auf Basis von HETG, HEPG, HEES, HEPR.

Eigentlich sollten Bio-Hydrauliköle für alle Anwendungen im Außenbereich, also in Wald und Wiese, eine Selbstverständlichkeit sein. Das ist aber nicht der Fall. Nur in der Forstwirtschaft gibt es eine hohe Marktdurchdringung. Etwa 80 Prozent aller Forstmaschinen haben heute Bio-Hydrauliköle eingefüllt. Erschreckend gering ist aber der Anteil bei landwirtschaftlichen Maschinen.  Hier sind Hydrauliköle auf Mineralölbasis weitgehend der Standard.

Umweltfreundliche Hydrauliköle sind aber kein Freibrief zum sorglosen Umgang. Auch diese haben ein Umweltgefährdungspotenzial, es ist nur niedriger als das der Mineralöle. Für den Konstrukteur bedeutet das: er muss mit gleicher Sorgfalt  seine Abdichtung auslegen oder seine Werkstoffentscheidungen treffen, so wie er dies in der Vergangenheit getan hat. Und Maschinenbetreiber müssen selbst die kleinste Undichtheit schnellstens instandsetzen und nicht damit warten, bis ein gelegener Zeitpunkt gekommen ist.

Die Marktübersicht Bio-Hydrauliköle in Tabellenform wird durch zwei Interviews ergänzt. Die Antworten liefern eine Vielzahl  von Hintergrundinformationen  für  Konstrukteure und Anwender. Eine Erkenntnis kann nicht oft genug wiederholt werden: Ein Hydrauliköl gehört in den Tank und nicht in den Waldboden – egal ob Bio oder nicht.

Autor: Helmut Winkler, Technik & Marketing München

Auf den Punkt gebracht

Fünf Aspekte, die bekannt sein sollten

  • Erstens: Es gibt keine gesetzliche/juristische Definition für Bio-Hydrauliköle.
  • Zweitens: Ganz generell versteht man unter Bio-Hydrauliköl, dass sie sich unter definierten Bedingungen schnell biologisch abbauen, eine Wassergefährdungsklasse < 1 haben und keine toxikologische Wirkung für Mensch und Umwelt besteht.
  • Drittens: Die technischen Mindestanforderungen für Bio-Hydrauliköle  sind in der DIN ISO 15380 beschrieben.
  • Viertens: Der Blaue Engel ist ein Gütesiegel, das von der RAL, Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V., nach Erfüllung bestimmter Vergaberichtlinien vergeben wird.
  • Fünftens: Bio-Hydrauliköle sind kein Freifahrtschein für einen sorgloseren Umgang. Gelangen diese in die Umwelt, muss selbst bei einer geringen Kontamination das Erdreich  abgetragen und sachgerecht entsorgt werden.

Zehn goldene Regeln

So bleibt ein Hydrauliköl lange im Tank

  • Nur Hydrauliköle einsetzen, die auch dem Leistungsspektrum der Maschine entsprechen. Also Hände weg von Billigprodukten.
  • Nur Hydrauliköle nachfüllen, die auch das erforderliche Leistungsprofil haben. Eine mögliche Mischbarkeit reicht hier nicht aus.
  • Kein totgelagertes Hydrauliköl nachfüllen. Alle Öle haben unter definierten Lagerbedingungen nur eine begrenzte Lagerzeit.
  • Nur Hydrauliköl-Nachfüllung  über einen  entsprechenden Schmutzfilter vornehmen.
  • Öltemperatur laufend kontrollieren und darauf achten, dass die zulässige Temperaturobergrenze nicht überschritten wird. Generell gilt bei Mineralölen: 10°C Temperaturerhöhung ist gleich Halbierung der Öllebensdauer. Für Hydrauliköle auf synthetischer Basis kann eine 15°C-Regel angewandt werden.
  • Die Ölpflege ernst nehmen, bei bestimmten Produkten den Wassergehalt regelmäßig kontrollieren. Gegebenenfalls Hydrauliköl filtern und kontaminiertes Wasser entfernen.
  • Verschraubungen und Schläuche täglich kontrollieren und bei Undichtheit sofort instandsetzen.
  • Bei Instandsetzungsarbeiten leckagefreie Rohr- und Schlauchverschraubungen verwenden.
  • Bei Instandsetzungsarbeiten nur Dichtungen einsetzen, die auch eine ausreichende chemische Beständigkeit haben. Es gilt hier besonders der  Spruch: Das gleiche ist noch lange nicht dasselbe.
  • Tankbelüftung regelmäßig auf Verschmutzung hin kontrollieren und reinigen.