Anton Moerkerken sowie Dr.-Ing. Manfred Mager - Bild: fluid / wk

Anton Moerkerken, Prokurist und Vertriebsleiter Mobile (links) sowie Dr.-Ing. Manfred Mager, Systems Engineering Manager Mobile bei Parker Deutschland auf dem Bauma-Messestand. Bild: fluid / wk

fluid: Was wollen Sie hier auf Ihrem Bauma-Messestand besonders hervorheben?
Moerkerken: Wir zeigen an vielen Exponaten, wie wir unsere Produkte für verschiedene Plattformen kombinieren. Wir haben festgestellt, dass die Techniker und Einkäufer bei unseren Kunden sich auch je nach Bereich unterscheiden. Sprich, die Menschen, die sich um die Fahrantriebe einer Maschine kümmern, sind nicht dieselben, wie jene, die den Kran oder die Kabine entwickeln. Sie alle verwenden unsere Produkte, aber in unterschiedlichen Kontexten. Deshalb haben wir unsere Vertriebsorganisation auch nach Plattformen gegliedert: Chassis, Motoren, Anbauteile und Kabine.

Dr. Mager: Für die jeweiligen Plattformen haben wir all unsere Produkte kombiniert, die wir dafür bieten. Wir zeigen, wie wir eine komplette Fahrerkabine mit unseren Produkten ausstatten, von Panel-PCs bis zur Ventilansteuerung, oder welches Portfolio wir für den Motorbereich haben, von Luft- und Kraftstoffliltern über Nebenantriebe, also PTOs, bis hin zu Leitungen und Verbindungstechnik. In vielen Bereichen ist es heute so, dass der Kunde nicht nur das einzelne Produkt erhält, sondern gleich eine komplett passende Zusammenstellung von Komponenten. Da ist dann auch gleich die Elektronik integriert, das sind Kompletteinheiten. Wir können die gesamte Baugruppe entsprechend den Kundenanforderungen aufbauen, wir können sie bei uns im Haus in Betrieb nehmen, wir können aber auch bei den Kunden Inbetriebnahmen durchführen. Viele wollen weg von den einzelnen Produkten, hin zu Gesamtlösungen.

Anton Moerkerken, Parker Hannifin - Bild: fluid / wk
Der Trend ist sicherlich, die Zahl der Komponenten zu reduzieren. Wir haben den Controller in das HMI integriert und den Amplifier in das Ventil. Anton Moerkerken, Parker Hannifin - Bild: fluid / wk

fluid: Welche Vorteile können Sie den Kunden mit dieser Vorgehensweise bieten?
Moerkerken: Wir haben hier am Stand ein schönes Exponat, da kann man die drei Stufen der Optimierung gut sehen. Unsere Kompetenz liegt ja nicht nur im Bereich der Hydrauliksteuerung, sondern auch in der Fluid-Verbindungstechnik. Es zeichnet Parker aus, dass wir ein übergreifendes System Engineering und einen übergreifenden System Support bieten. Wir zeigen wie wir den Kunden stufenweise unterstützen, wie wir Bauraum sparen, die Anzahl der potenziellen Leckagestellen reduzieren und Montagezeiten reduzieren.

Dr. Mager: Das Exponat besteht aus drei Teilen, wir stellen jeweils die gleiche Funktion dar. Zunächst mit Standard-Katalogteilen, so wie sie sich jeder zusammenstellen kann. Das funktioniert gut, braucht aber viel Platz und hat viele Verschraubungsstellen. Im zweiten Teil steckt schon unsere Beratungsleistung mit drin: Wir haben einen kleinen Verbindungsblock eingesetzt, sodass man auf Winkelstücke verzichten konnte, haben ein paar Verschraubungsstellen eingespart. Das sind nur Kleinigkeiten, die den Bauraum und die Komplexität aber deutlich reduzieren. Wir haben Ingenieure, die sich mit der Materie und unseren Produkten gut auskennen, und die den Kunden für solche Anwendungen komplette Stücklisten liefern können.

In der dritten Stufe haben wir immer noch Standardventile, nutzen aber einen Spezialeingangsblock, in den kundenspezifische Funktionen bereits integriert sind und an dem die Anschlusstechnik entsprechend des Platzbedarfs auch schon passend angebracht ist. Hier haben wir bei voller Funktionalität massive Platzeinsparungen. Besonders interessant wird es, wenn wir solche Speziallösungen auch noch mit unserer Elektronik und Steuerungstechnik kombinieren.

fluid: A propos Elektronik: Wie wichtig ist das heute in der Hydraulik, speziell auch der Mobilhydraulik?
Dr. Mager: Nun, wenn heute neue Entwicklungen gestartet werden, geht es üblicherweise immer in Richtung elektronische Steuerung. Heute wird kaum noch ein neues Projekt gestartet, in dem eine hydraulische oder pneumatische Vorsteuerung verwendet wird. Entsprechend benötigen die Kunden natürlich auch das passende Equipment. Wir bieten entsprechende Lösungen in dem Bereich Mensch-Maschine-Schnittstelle, Controller, bis hin zu Drahtlosverbindungen zur Kommunikation. Wir haben eine sehr gute Produktbasis, aber das ist ja nur ein Teil, wir wollen dem Kunden auch nahebringen, wie er diese Produkte anwendet und ihn bei der Anwendung unterstützen.

Moerkerken: Wir sehen einfach, dass die Elektronik immer mehr zum Standard wird. Die Gründe sind klar: Man kann über Elektronik viel flexibler agieren. Man kann zum Beispiel in einer Baumaschine immer wiederkehrende Bewegungsabläufe vorprogrammieren. Wenn ein Bagger oder Kran zum Beispiel immer an derselben Stelle abladen muss, dann lässt sich das per Knopfdruck anfahren. Das entlastet zum einen den Maschinenbediener, zum anderen kann die Maschine auch automatisch den kürzesten Weg für den Kranarm wählen, sodass womöglich sogar die Effizienz steigt. Zudem ermöglicht es die Elektronik, das System zu optimieren oder Predictive Maintenance zu betreiben.

Dr. Manfred Mager, Parker Hannifin  - Bild: fluid / wk
Ich denke, die Verwendung von Apps wird in drei Jahren ganz normal sein in mobilen Anwendungen. Ein Trend, bei dem Parker ziemlich weit vorn ist. Dr. Manfred Mager, Parker Hannifin - Bild: fluid / wk

fluid: Was bedeutet das für Parker?
Moerkerken: Der Trend bei uns ist jetzt sicherlich, die Zahl der Komponenten zu reduzieren. Hatten wir früher ein getrenntes Human Machine Interface, einen separaten Controller und eine Ventilansteuerung, den Amplifier, so haben wir heute den Controller in das HMI integriert und den Amplifier in das Ventil. Dadurch ist nur noch eine Kabelverbindung zwischen HMI und Ventil notwendig und wir haben ein komplettes System – wenn die Software auch richtig draufgespielt ist. Und auch das ist heute einer unserer Services, dass wir das Layout des Systems bieten, aber den Kunden auch helfen, diese Softwareanpassungen zu machen, damit die Systeme funktionieren. Was wir als nächstes noch bieten sind Cloud-Services, damit die Daten auch weltweit gesammelt und analysiert werden können.

fluid: Nehmen die Kunden all diese Hightech-Optionen überhaupt an?
Moerkerken: Ja, und zwar, weil sie bei uns schon entsprechende Standardkomponenten wählen können, um ihr System zu bauen. Das ist ja auch Zukunftssicherheit, das ist wie mit ihrem Handy: Sie kaufen ein Handy, und erst später entscheiden Sie, ob Sie da eine Banking-App drauf haben möchten oder fernsehen wollen oder spielen. Sie entscheiden später, aber die Basis, die Hardware und das Betriebssystem haben Sie gekauft. Mit der modernen Technik kauft man sich die Flexibilität für die Zukunft. Man entwickelt jetzt Maschinen, die in den nächsten zehn Jahren laufen werden, aber man weiß nicht genau, was in diesen zehn Jahren erwartet wird, was sich ändern wird. Wenn Sie bei Ihrem Handy eine neue Anforderung haben, laden Sie eine neue passende App herunter. Ähnlich wird das in Zukunft mit diesen Elektroniksystemen in Maschinen gehen, wenn die Maschine entsprechend designt ist. Wenn Sie später Ihre Bau- oder Landmaschine aktualisieren, zum Beispiel mit neuen Anbaugeräten versehen, dann müssen Sie zukünftig nur eine passende Software einspielen, und Ihre Anlage ist wieder aktuell. Die Ansteuerung der neuen Hydraulikelemente über das zentrale HMI in der Fahrerkabine klappt dann ohne weitere Umbaumaßnahmen. Das ist der Trend, das wird der Trend sein.

Dr. Mager: Das andere ist, für die Betreiber, aber sicherlich auch für Hersteller, mit Datensammlungen die Maschinen zu optimieren. Das mag bei stationären Maschinen einfacher und vielleicht gar nicht so wichtig sein, aber vor allem mobiles Equipment ist überall auf der Welt verteilt. Hier über Cloud-basierte Services und mobile Apps den Status der Maschinen zu erhalten, ist extrem nützlich. Ich denke, die Verwendung von Apps wird in drei Jahren ganz normal sein in mobilen Anwendungen. Das ist sicherlich auch ein ganz wichtiger Trend in der Zukunft, und ein Trend, bei dem Parker meines Erachtens ziemlich weit vorn ist.