Turbine im Wasser, Bild: Atlantis Resources
Alle Komponenten müssen hohen Herausforderungen im Meerwasser trotzen. Bild: Atlantis Resources

Zu den Herausforderungen im Inner Sound gehört neben der Strömung und dem permanent hohen Wasserdruck in etwa 30 Metern Tiefe natürlich auch der Salzgehalt des Meerwassers samt erhöhter Korrosionsgefahr. Um solchen Bedingungen trotzen zu können, sind seetaugliche Dichtungen erforderlich. Für die Hauptwelle zum Rotor wurden besonders robuste Gleitringdichtungen von SKF Marine, Typ „Carboplan Tidal“ eingesetzt. „Die hoch verschleißfesten Dichtringe aus Siliziumcarbid werden über Jahre einen sicheren und wartungsarmen Betrieb ermöglichen“, sagt Lars Ziemen, Entwicklungsingenieur bei SKF Marine.

Im „Innenleben“ der Turbinen überträgt die langsam laufende Rotorwelle das extreme hohe Antriebsmoment an ein spezielles Getriebe von Wikov MGI. Dieses zeichnet sich durch zwei Planetenstufen mit „Flex-Pin“-Technologie (mit flexiblem Planetenbolzen) aus, die für eine bessere Lastverteilung aller im Eingriff befindlichen Planetenräder sorgt und dadurch eine kompaktere Getriebebauform erlaubt. Die Zuverlässigkeit dieses Leistungsverzweigungs-Getriebes wiederum hängt zu einem Großteil von den insgesamt 16 Kegel- und Zylinderrollenlagern ab, die aus den Schweinfurter SKF Werken stammen.

„Mit ,SimPro Expert‘ haben wir also auch das Systemverhalten von Lager, Welle und Gehäuse eingehend untersucht. Und auf Basis der Erkenntnisse aus diesem ,virtuellen Teststand‘ Lösungen entwickelt, die eine maximale Traglast mit einer hohen Leistungsfähigkeit kombinieren“, sagt Matthias Hofmann aus der Technischen Anwendungsberatung Meeresenergie bei SKF. Darin flossen auch Erfahrungen mit brünierten Rollenlagern ein, die vorrangig in der Windindustrie eingesetzt werden: Dank deren Beschichtung lässt sich das Risiko von Schlupfschäden minimieren.

Gezeitenströmungsturbinen im Einsatz

Gleitringdichtung, Bild: SKF Marine
Das High-Tech-„Innenleben“ der Turbinen wird durch spezielle Gleitringdichtungen der SKF Marine gegen die harsche Unterwasser-Umgebung abgeschottet. Bild: SKF Marine

Ende letzten Jahres ist die erste Gezeitenströmungsturbine von Andritz Hydro ins knapp 10 Grad kalte Wasser abgelassen worden und nahm ihre Arbeit auf. Inzwischen sind ihr zwei weitere gefolgt. Im August erzielte MeyGen mit 700 Megawattstunden einen neuen Weltrekord für diese Art von Gezeitenkraftwerken, obwohl zu diesem Zeitpunkt nur zwei der insgesamt vier Turbinen in Betrieb waren (die anderen erhielten gerade „Upgrades“).

Wenn es so weitergeht, haben die Gezeitenturbinen also gute Chancen, sich im „Haifisch-Becken“ der konkurrierenden Energiequellen durchzusetzen. Die Schotten jedenfalls planen, bis zum Jahr 2022 insgesamt 269 Exemplare im Inner Sound zu versenken – mit dem Ziel, genügend Strom für 175.000 Haushalte zu produzieren. Das wäre ein Durchbruch im Bereich der Erneuerbaren Energien, der weltweit eindeutig nach „Mee(h)r“ schreit. hei