Dr. Peter Saffe

Dr. Peter Saffe, Vice President Strategic Sales bei Aventics und Obmann des Arbeitskreises Marktuntersuchung Pneumatik des VDMA, erläutert im Interview die aktuellen Situation auf dem Pneumatikmarkt. Bild: fluid/fa

Sie sind der Obmann des Arbeitskreises Marktuntersuchung Pneumatik. Womit beschäftigt sich dieser Arbeitskreis?

Dagmar Oberndorfer

Bild: fluid/fa

Wir versuchen, in der Kooperation mit dem VDMA zu ermitteln, wie sich die Märkte der Pneumatik entwickeln. Basis ist ein breites Spektrum an nationalen und internationalen Marktinformationen, die der VDMA seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt. Die Analyse der Gesamtstatistiken und die Weiterentwicklung dieses Marktinformationssystems ist ein wesentlicher Baustein im Aufgabenfeld des Arbeitskreises. Der VDMA dient unter anderem als neutrale Meldestelle und führt Gesamtstatistiken zum Beispiel zu Abnehmerbranchen durch. Er bietet uns aber auch Gesamtstatistiken über Produktgruppen. Und, was natürlich auch ganz wichtig ist, wir sehen, wie sich der Gesamtmarkt der Pneumatik entwickelt. Mittlerweile gibt es hier auch eine internationale Zusammenarbeit über die Verbände.

Was sind für Sie als Obmann Ihre Aufgaben und Funktionen in diesem Arbeitskreis?

Das sollte man nicht überbewerten. Letztlich führe ich die Veranstaltungen, die zweimal im Jahr stattfinden, vertrete dann auch den Arbeitskreis teilweise in internationalen Gremien, aber letztendlich geht es eher um die Koordinierung.

Dann kennen Sie sich doch sicher ganz hervorragend auf dem Pnematikmarkt aus. Wie würden Sie die aktuelle Situation charakterisieren?

Ich bin jetzt ungefähr 35 Jahre im Fluidgeschäft. Und es ist tatsächlich so, dass die Fluidbranche und insbesondere die Pneumatik sich vom Umsatz her in dieser Zeit im Durchschnitt besser entwickelt hat als die Maschinenproduktion. Das heißt, es sind, obwohl auch gerne das Gegenteil behauptet wird, in den letzten Dekaden immer mehr pneumatische Anwendungen dazugekommen.

Die Pneumatik ist ein sehr stabiler Markt und in der Regel, wenn man die Wirtschaftskrise 2009 mal ausschließt, ein in der Summe wachsender Markt. Der Fachverband Fluidtechnik weist für seine Mitgliedsfirmen in der Pneumatik für 2014 einen Umsatz von 2,2 Mrd. Euro für Inland und Export aus. Sie hat den Vorteil, dass sie nicht nur von einer Abnehmerbranche abhängig ist, sondern in hunderten, wenn nicht tausenden von Applikationen vorkommt, sodass sich negative Effekte in der Regel wieder ausgleichen. Und gerade komplexere Produktionsprozesse erfordern mehr Achsen, höhere Energieeffizienz, das bedeutet wieder mehr Regelung und Steuerung. Die Pneumatik ist also ein attraktiver Markt, allerdings auch mit einer gewissen Eintrittsbarriere.

Wo Sie gerade die Energieeffizienz erwähnen, welche Techniktrends sehen Sie?

Peter Saffe, VDMA

„Immer noch sind viele Anlagen aus energetischer Sicht nicht richtig ausgelegt.“
Peter Saffe, VDMA

Die Energieeffizienz ist eines der wesentlichen Themen, die uns derzeit beschäftigen. Wobei da die Diskussion inzwischen erfreulicherweise sachlicher geworden ist. Maschinensicherheit ist natürlich auch ein Thema, hier gibt es ebenfalls viele pneumatische Funktionen, die zur Sicherheit einer Maschine beitragen können.

Ansonsten sind wir jetzt auch dabei, uns im Sinne von Industrie 4.0 intensiver zu vernetzen. Hier wird es natürlich viel vorbeugende Wartung geben. Themen sind dann auch Leckageermittlung und Rückmeldung von Signalen. Wir haben bei uns im Hause auch noch einige andere Ideen, aber die werden wir erst dann vorstellen, wenn sie soweit sind. Die anderen Themen sind aus den letzten Jahren schon bekannt: also Verkleinerung der Baugröße, stärkere Integration der Elektronik, mehr geregelte Antriebe.

Gibt es ein Gebiet, wo Pneumatiker Ihrer Ansicht nach mehr Engagement zeigen sollten?

Die Pneumatiker? Gute Frage. Ich denke, die wesentlichen Themen sind in der Pneumatik schon erkannt. Natürlich ist es so, dass immer noch viele Anlagen aus energetischer Sicht nicht richtig ausgelegt sind. Zum Glück sind die Anwender und die Maschinenhersteller in den letzten Jahren erheblich sensibler geworden und haben sich hier verbessert, aber es gibt sicherlich weiter etwas zu tun. Ich denke auch, wir könnten noch mehr erreichen in Richtung geregelter Antriebe.

Es wird diskutiert, ob man das Thema Geräusch noch mal etwas mehr beleuchten sollte, vor allem im Hochschulbereich. Damit könnte man sich noch einmal beschäftigen. Und zusätzlich gibt es natürlich immer neue Anwendungen, ich denke dabei vor allem an die Medizintechnik, da lässt sich in einigen Bereichen noch etwas herausholen.

Längerfristig könnte man über das Recyceln von Produkten nachdenken. Es ist aktuell unüblich, dass wir zum Beispiel einen Pneumatikzylinder zurückgeschickt bekommen, um ihn zu verwerten. Der Kunde hat da eine gewisse Wegwerfmentalität. In der Regel wird eine Pneumatikkomponente einmal irgendwo eingebaut und am Ende der Lebensdauer entsorgt. Man muss aber dazu sagen, dass die Komponenten teilweise 20, 30, 40 Jahre im Einsatz sind. Wollte man hier etwas ändern, wären recyclinggerechtere Konstruktionen gefragt.

Wo drückt die Branche aktuell der Schuh?

Natürlich gibt es immer noch Vorurteile gegenüber der Pneumatik, insbesondere in Bezug auf das Energiethema. Hier wird immer mal wieder behauptet, dass Pneumatik ein Energieverschwender sei, was pauschal nicht stimmt, wie auch viele Untersuchungen belegen. Ansonsten – die Pneumatik ist eine sehr einfache Technik, sie wird in der Regel gut verstanden, sie ist sehr sicher, auch überlastsicher. Sie führt zum Beispiel bei Fehlbedienung nicht zu irgendwelchen Bränden. Ein E-Motor, der kann schon mal durchbrennen, ein Pneumatikzylinder, der zischt vielleicht mal ein bisschen. Es ist eigentlich eine eher ungefährliche Technik. Gut, natürlich muss man Sicherheitsmerkmale beachten, aber das wird heute in der Regel auch gemacht.

Was unterscheidet die Pneumatik in zehn Jahren von der heutigen Technik?

Erstens: Pneumatik wird es auch in zehn Jahren noch geben. Und es wird in zehn Jahren mehr Pneumatik geben als heute. Elektronische Kommunikation ist kein Mittel gegen die Pneumatik, sondern eher ein Mittel, um Pneumatik noch effizienter einzusetzen. Wir gehen davon aus, dass hier eine stärkere Kommunikation des Anwenders mit dem Maschinenhersteller über das Internet stattfinden wird und dabei auch die pneumatischen Komponenten berücksichtigt werden.

Das Interview führte Dagmar Oberndorfer, Redaktion