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So oder so dürfen sich Besucher auf Lösungen zur Integrated Industry freuen – zum ersten Mal seit siebzig Jahren Messegeschichte mit dem Partnerland USA.

Die Hannover Messe 2016 steht – na klar – im Zeichen der vernetzten Industrie. 5000 Aussteller aus 70 Ländern zeigen vom 25. bis 29. April Technologien für die Fabriken und Energiesysteme der Gegenwart und Zukunft. In die Rolle des Partnerlands schlüpft dieses Jahr zum ersten Mal die USA mit Hightech made in America.

Wie US-Botschafter John B. Emerson schon auf der Hannover Messe Preview am 27. Januar betonte, möchte Präsident Barack Obama die weltweit wichtigste Industriemesse unter anderem nutzen, um das transatlantische Handelsabkommen (TTIP) voranzubringen. So kündigte auch US-Wirtschaftsministerin Penny Pritzker an, dass das US-Wirtschaftsministerium die größte US-Delegation leiten wird, die je zur Hannover Messe gereist ist. Und mit US-Präsident Obama kommt gar der erste amtierende Präsident nach Hannover.

Fünf Leitmessen

In Hannover erwarten Obama fünf Leitmessen:

  • Industrial Automation – für Fertigungs- und Prozessautomation, Systemlösungen und Industrial IT in den Hallen 8, 9, 11, 12, 14, 15, 16 und 17,
  • Digital Factory – für integrierte Prozesse und IT-Lösungen in den Hallen 6, 7 und 8,
  • Energy – für integrierte Energiesysteme und Mobilität in den Hallen 12, 13 und 27,
  • Industrial Supply – für innovative Zulieferlösungen und Leichtbau in den Hallen 4, 5 und 6,
  • Research & Technology – für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer in Halle 2.

Besonders die Leitmesse Industrial Automation dürfte für Konstrukteure fluidtechnischer Maschinen einmal mehr von Interesse sein. Besucher treffen hier unter anderem auf Motion-Control-Lösungen, pneumatische Automatisierungstechnik, Pumpen- und Pumpensysteme, Mess- und Regeltechnik sowie auf das Forum Industrial Automation in Halle 14, Stand L17, wo Fachvorträge und Diskussionsrunden zur Fertigungs- und Prozessautomation, Robotik, zu energieeffizienter Pumpen- und Antriebstechnik, Predictive Maintenance 4.0 sowie Industrial IT und Datensicherheit warten.

Fokus Digitale Fabrik

„Industrie 4.0 ist softwaregetrieben“, sagt der VDMA. Ob Produktentwicklung, Produktionsplanung, Fertigung oder Inbetriebnahme; ob Hardware, Elektronik oder Embedded-Software; ob virtuelle Maschinen- oder Anlagensteuerung und Überwachung mit mobilen Geräten – Innovation heißt Digitalisierung.

Themen rund um Industrie 4.0 behandelt deshalb die Digital Factory. So bildet die Leitmesse Lösungen zu sämtlichen Softwarefragen entlang der industriellen Prozesskette ab – vom Computer-aided Engineering über Manufacturing Execution Systems und Additive Manufacturing bis zum Product Lifecycle Management. Beim Bitkom-Innovation-Forum in Halle 7, Stand D28, geht es mit Vorträgen und Podien darum, wie der Schritt zur digitalen Transformation gelingen kann. Im Fokus auch: 3D-Visualisierung und virtuelle Realität, Supply Chain Management und Virtuelle Inbetriebnahme.

Pump Plaza – da ist Druck drauf

Industrial Automation
Die Industrial Automation ist einzigartig. Sie bildet sie das gesamte Spektrum der Fabrik- und Prozessautomation ab. Bild: Deutsche Messe

Zwar kehren die Comvac als Leitmesse für die internationale Druckluft- und Vakuumindustrie sowie die MDA – Motion, Drive & Automation – erst 2017 zurück auf die Hannover Messe; mit neuem Namen und modernisiertem Standkonzept geht jedoch die Pump Plaza – vormals Pumpenplatz – auf der Hannover Messe 2016 an den Start. Im vergangenen Jahr feierte der Gemeinschaftsstand für Pumpensysteme und Komponenten fünf Jahre erfolgreiche Messeteilnahme.

Und das Wachstum geht weiter: Mit einer Fläche von nun 850 Quadratmetern und mehr als 35 internationalen Teilnehmern bleibt die Pump Plaza in der Halle 15, Stand G 43, im steten Aufwärtstrend. Die Veranstaltung ist Treffpunkt für sämtliche Anwender aus der Industrie, die an Pumpen und Pumpensystemen, Antriebstechnik und Frequenzumrichtern für Pumpensysteme, Mess- und Regeltechnik, Industriearmaturen und Stellgeräten, Pumpenkomponenten sowie Instandhaltung und Wartung interessiert sind.

Bereits in den vergangenen Jahren hatten sich Fachbesucher sowie Teilnehmer von Delegationen oder Guided Technology Tours positiv über den Empfang an diesem Gemeinschaftsstand geäußert. Ziel der neuen Standgestaltung auf der Pump Plaza war es nun, die Kommunikation zwischen Ausstellern und Besuchern noch weiter zu verbessern. Der Gemeinschaftsstand wurde jetzt optisch aufgewertet und die nach wie vor offene Gestaltung lädt zum Besuch ein. Zudem bietet ein neuer Hospitality-Bereich mit Bar und angrenzenden Lounge-Ecken die Möglichkeit zum Austausch im passenden Ambiente und bei Catering.

Die Pump Plaza ist mittlerweile zu einer festen Institution auf der Hannover Messe geworden. Dies gilt sowohl für die fachliche Seite als auch für gelungenes Entertainment. Ein besonderes Highlight ist das Pump Plaza Concert am Mittwoch, 27. April, ab 17.30 Uhr. Die internationale Standparty – bekannt als Pumpenparty – glänzt mit entspannter Atmosphäre, Büfett und Live-Musik. Am Tag darauf, Donnerstag, 28. April, steht das Thema Pumpen dann im Mittelpunkt des Forums Industrial Automation. Beim Pumpentag können sich Interessierte vormittags verschiedene Fachvorträge anhören, die mittags durch eine Podiumsdiskussion rund um energieeffiziente Pumpen und Pumpensysteme ergänzt werden.

Jubiläum für Nachwuchsinitiative Tec2You

Nachwuchsinitiative Tec2You
Die Nachwuchsinitiative Tec2You wird von der Hannover Messe in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal ausgerichtet. Bild: Deutsche Messe

Auch Nachwuchsarbeit ist ein wichtiges Thema auf der Hannover Messe. Mit Tec2You hat die Industriemesse ein etabliertes Programm, das bei jungen Menschen Interesse an technischen Berufen fördert. Jeden Tag gewinnen mehrere tausend Schüler und Studienanfänger einen Einblick in konkrete Berufsbilder der Industrie. Auf geführten Touren erfahren sie Technologie zum Anfassen, treten in Kontakt mit ausstellenden Unternehmen und erleben die Atmosphäre der Messe hautnah.

Die Nachwuchsinitiative wird von der Hannover Messe in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal ausgerichtet. Mehr als sechzig geschulte Guides, überwiegend Studenten technischer und naturwissenschaftlicher Fächer, stehen bereit, um mit Schülerinnen und Schülern von Abschlussklassen auf Tour zu gehen. Welche Themen die jeweilige Tour behandeln soll, entscheiden die Gruppen im Vorfeld im Klassenzimmer. Zur Auswahl stehen die Schwerpunkte Energie- und Umwelttechnik, Industrieautomation und IT, Industrielle Zulieferung, Produktionstechnologien und Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung sowie eine Tour mit der Überschrift Faszination Technik.     

Bild: Deutsche Messe
Bild: Deutsche Messe

Preise und Öffnungszeiten

  • 25. bis 29. April 2016, 9 bis18 Uhr
  • Tagesticket: Vorverkauf 28 Euro, Tageskassen 35 Euro
  • Dauerticket: Vorverkauf 64 Euro, Tageskassen 76 Euro
  • Tagesticket ermäßigt (für Schüler, Studenten, Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst oder freiwilligen Wehrdienst): Tageskassen 15 Euro.
  • Tagesticket Tec2You am 29.4.2016: Tageskassen 3 Euro
  • Women Power Kongress am 29.4.2016 inkl. Hannover-Messe-Ticket: Ausschließlich online auf www.womenpower-kongress.de ab dem 15.2.2016 ab 105 Euro, Studenten 25 Euro

Interview mit Christian Kienzle, Vorsitzender des Fachverbands Fluidtechnik

Christian Kienzle engagiert sich mit dem VDMA für Weiterbildung in Digitalisierungs- und Informatikthemen. Bild: Argo-Hytos

„Fluidtechnik ist Vorreiter“

Ist die Fluidtechnik fit für Industrie 4.0? Und wie begleitet beispielsweise der VDMA den Schritt ins nächste Zeitalter? fluid sprach mit Christian Kienzle, Vorsitzender des Fachverbands Fluidtechnik und Geschäftsführer bei Argo-Hytos.

Die nächste MDA im Rahmen der Hannover Messe findet ja erst wieder 2017 statt. Mit welchen Aktionen beteiligt sich der Fachverband Fluidtechnik in diesem und im Jahr 2017 an der Hannover Messe?

In diesem Jahr organisiert der VDMA gemeinsam mit der Deutschen Messe eine Sonderschau, unterstützt von namhaften Firmen, beispielsweise ZF, Schaeffler, Bosch Rexroth, Festo, Argo Hytos, Hydac und Aventics. Gezeigt werden Lösungen und neue Konzepte, die sowohl die technischen Möglichkeiten als auch wirtschaftlichen Vorteile gerade für den Betreiber von Maschinen demonstrieren.

Aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung wird das Thema auch auf der Hannover Messe 2017 weiter verfolgt. Das MDA-Forum wird Industrie 4.0 mit Predictive Maintenance aufgreifen. Sicherlich wird es auch wieder ein Sonderevent sowie Guided Tours geben. Erste Aufplanungsgespräche wurden hierzu bereits initiiert. Auch Argo-Hytos wird sich wieder mit einem eigenen Stand präsentieren.

Die Hannover Messe mit der Leitmesse MDA wird 2017 auch weiterhin im Zeichen der vernetzten Industrie stehen. Der Maschinenbau steht im Zentrum dieser digitalen Produktion und Vernetzung und wird zusammen mit dem VDMA der Treiber der Themen Integrated Industry mit Predictive Maintenance auf der Leitmesse MDA sein.

Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Automation, Vernetzung und Kommunikation sind auch im kommenden Jahr die Themen, mit denen sich die Fluidtechnik befasst. Die digitale Vernetzung von Maschinen und Anlagen, Produkten, Systemen und Komponenten steht für die industrielle Umsetzung der Industrie-4.0-Philosophie. Predictive Maintenance ist als neue Instandhaltungsstrategie ein wichtiges Kernelement von Industrie 4.0.

Sehen Sie die Fluidtechnik bereits für Industrie 4.0 gerüstet?

Die Fluidtechnik kann eigentlich als ein Vorreiter der Industrie-4.0-Philosophie bezeichnet werden: Intelligente Steuerungs- und Regelungstechnik, implementierte Sensortechnik zur Datenerfassung, Echtzeitdatenerfassung, Datenspeicherung, Dateninterpretation und Rückkoppelung ins System, (teil-)automatisierte Inbetriebnahmemöglichkeiten, System-Modellierungen, Möglichkeiten der Vernetzung und die Kommunikation untereinander sind State of the Art!

Hersteller hydraulischer und pneumatischer Komponenten und Systeme realisieren seit langem dezentrale Antriebslösungen mit integrierter Intelligenz und den technologischen Fähigkeiten, miteinander zu kommunizieren: Servopneumatik und Proportionalhydraulik sind beste Beispiele.

Intelligente Komponenten geben die Möglichkeit, Algorithmen zur Selbstoptimierung nach unterschiedlichen Kriterien zur Diagnose und Condition Monitoring, beispielsweise Energieverbrauch, Verschleiß und Wartungsanforderungen, zu implementieren. Auch werden neue Wege der automatisierten Inbetriebnahme und der bedienerunabhängigen Optimierung eröffnet.

Die Vorteile von Industrie 4.0 sind ja bereits hinlänglich beschrieben. Wann rechnen Sie mit einer durchgängigen Integration in alle Prozesse innerhalb der deutschen Industrie?

Maschinenbauer sehen in Industrie 4.0 eine große Chance. Nach der VDMA-Impulsstudie 2015 befassen sich knapp 60 Prozent der Unternehmen mit Industrie 4.0. Aber Industrie 4.0 ist kein Selbstzweck. Jedes Unternehmen muss sich nach dem Nutzen und dem Mehrwert für seine Produkte und Produktion fragen. Nicht die durchgängige Integration ist das Ziel, sondern Umsatzsteigerung durch neue Produktinnovationen beziehungsweise Geschäftsmodelle oder Reduzierung der Kosten durch verbesserte Produktionsprozesse. Jedes Unternehmen muss sich eine eigene Sichtweise auf Industrie 4.0 und seine eigene Strategie erarbeiten; und hierfür die Konzepte und Technologien von Industrie 4.0 auswählen.

Wird es spezielle Forschungsprojekte geben, die die besonderen Aspekte der Fluidtechnik (als Gegenstück zur elektrischen Antriebstechnik) zum Gegenstand haben werden?

Im Interesse und mit entsprechender Unterstützung der Mitgliedsfirmen haben der Fachverband und der Forschungsfonds sehr früh Themen im Umfeld Industrie 4.0 aufgegriffen. Als Mitveranstalter des Internationalen Fluidtechnischen Kolloquiums IFK, sind Fachverband und Forschungsfonds in die thematische Fokussierung involviert. Mit Smart Fluid Power besetzt das zehnte IFK eindeutig Industrie 4.0, auch das Motto des neunten IFK „Challenges, Responsibilities, Markets“ zielte auf die Themen Digitalisierung, Vernetzung und Kommunikation.      

Normungsaktivitäten, deren Festlegungen unter anderem auch auf Forschungsergebnissen basieren, wurden aufgegriffen, beispielsweise das Einheitsblatt VDMA 24582 „Feldbusneutrale Referenzarchitektur für Condition Monitoring in der Fabrikautomation“.

Mit dem Forum Industrie 4.0 engagiert sich der VDMA und somit auch der FV Fluidtechnik, um die Vision Industrie 4.0 in umsetzbare Handlungsempfehlungen für den Maschinen- und Anlagenbau weiterzuentwickeln. VDMA-Mitgliedsunternehmen profitieren von einem breiten Spektrum an Beratungs- und Umsetzungsdienstleistungen zu Industrie 4.0. Von der Forschung und Standardisierung über die Produktionsorganisation und IT-Technologien bis hin zur IT-Security und den rechtlichen Rahmenbedingungen sowie dem Thema Mensch und Arbeit.

Der Leitfaden Industrie 4.0 ist einer von vielen Bausteinen, mit denen der VDMA seine Mitglieder dabei unterstützt, in einem strukturierten Prozess selbständig die eigenen Industrie-4.0-Potenziale zu identifizieren und umzusetzen. Ein weiterer ist die Industrie-4.0-Readiness-Studie. Auch ihr Ziel ist es, den Stand der Umsetzung von Industrie 4.0 festzustellen und spezifische Handlungsempfehlungen abzuleiten. Ein Online-Selbst-Check gibt den Unternehmen die Möglichkeit, ihren eigenen Industrie-4.0-Reifegrad zu ermitteln.

Der Forschungskreis I40 initiiert branchenübergreifende Vorhaben im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF). Im Fokus stehen dabei die Themen Predictive Maintenance, die Vernetzung innerhalb der Wertschöpfungskette, intelligente und selbstlernende Systeme sowie Datenanalyse. Darüber hinaus organisiert das VDMA-Forum Industrie-4.0-Exkursionen zu den Innovationsstätten deutscher Forschungsinstitute, um den Transfer von Forschungsergebnissen in die Industrie zu gestalten.

Die VDMA-Sammlung Industrie-4.0-Forschung an deutschen Forschungsinstituten gibt einen Überblick über die deutsche Forschungslandschaft. Unternehmen und Forschungsinstitute sollen dabei unterstützt werden, zielgerichtet Partner für zukünftige Projekte und Aktivitäten im Umfeld von Industrie 4.0 zu finden.

Ein großes Problem, die Umsetzung der Industrie-4.0-Strategie betreffend, ist ja auf der einen Seite ein rascher Ausbau einer geeigneten Infrastruktur, auf der anderen Seite die Qualifikation von Fachkräften. Werden sich der VDMA und die Hannover Messe dafür auch politisch einsetzen?

Das Internet hat unsere Lebenswelt radikal verändert. Die industrielle Produktion ist von diesem Wandel nicht ausgenommen. Im Gegenteil – dem Maschinen- und Anlagenbau kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Eine intelligente Produktion und neue Geschäftsmodelle werden durch Industrie 4.0 möglich und entstehen bereits. Aber der Entwicklungsweg ist und bleibt anspruchsvoll.

Nur im Schulterschluss mit Gesellschaft und Politik können die hohen Anforderungen an Forschung und Entwicklung, Ausbildung und Qualifizierung, Normen und Standards, Rechts- und Datensicherheit erfüllt werden. Es geht schlicht und einfach gesagt darum, den Industriestandort Deutschland in die Zukunft zu führen. Der VDMA setzt sich massiv in Sachen Ausbau der Weiterbildung ein, fördert die Qualifizierung in Sachen Wissen zur Digitalisierung und Informatikkenntnisse auf allen Bildungsstufen mit entsprechenden Projekten, beispielsweise durch die Projekte Maschinenbau und Talentmaschine.

Die Fragen stellte Ingrid Fackler, Redaktion