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Bild: Avia

Easy Oil besteht im Kern aus einem Messsystem zur Ermittlung des Füllstandes im Öltank und einem GSM-Modem, das die ermittelten Füllstände über das Mobilfunknetz überträgt. Eine von Avia Osterwalder, in Zusammenarbeit mit Fredell Informatiklösungen aus Widnau entwickelte Software ermöglicht es dem Vertragskunden, jederzeit per Internet den aktuellen Füllstand seiner Anlage und seine bisherigen Bestellungen abzurufen. Zudem wird er per SMS oder E-Mail benachrichtigt, wenn der Füllstand unter eine frei definierbare Grenze sinkt. Per Antwort auf diese Benachrichtigung kann er sofort eine Bestellung bei Avia Osterwalder auslösen.

Pegelsonde

Für die Easy-Oil-Systeme an Tankstellen setzt Keller seine Pegelsonden der Serie 26 Y Ei ein. Bild: Keller Druckmesstechnik

Die Möglichkeit, jederzeit von überall die Daten abzufragen, unterstützt zudem eine effiziente Einkaufsplanung. So kann beispielsweise auf Vorrat getankt werden, wenn der Ölpreis niedrig oder der Tankwagen gerade in der Nähe ist.

Der Service ist weit mehr als nur ein Komfort-Feature für vielbeschäftigte Privatkunden, die sonst Gefahr laufen, wegen einer vergessenen Bestellung nach einem langen Arbeitstag in ein ungeheiztes Heim zurückzukehren.

Große wirtschaftliche Vorteile bietet der Service vor allem Facility Managern von Unternehmen oder Immobilienverwaltern, die die Brennstoffversorgung in mehreren Liegenschaften koordinieren müssen. Aber auch Tankstellenbetreiber und deren Zulieferer, also die großen Mineralölkonzerne, können von einem System wie Easy Oil profitieren.

„Mit Easy Oil bieten wir unseren Kunden einen Service, der uns vom Mitbewerber unterscheidet“, behauptet Avia Osterwalder und bemüht sich um einen Beweis: „Dass Kunden diesen Komfort zu schätzen wissen, zeigt sich etwa daran, dass in den letzten drei Jahren 80 Prozent der Kunden, die aufgrund ihres Vertrages auch bei anderen Lieferanten hätten bestellen können, ihr Heizöl regelmäßig bei uns bestellt haben.“

GSM-3

Das GSM-3 besteht aus einem Modem und der sogenannten SB-Box, an die bis zu drei Keller-Drucktransmitter mit Spannungsausgang (0,5 bis 4,5 Volt) angeschlossen werden können. Bild: Keller Druckmesstechnik

Eine Situation also von der beide Seiten profitieren: Kunden schätzen vor allem den Komfort und die Transparenz des Systems, und das Unternehmen braucht die langfristige Kundenbindung im umkämpften Brennstoffmarkt. Seit 2013 bietet Avia Osterwalder seinen Kunden daher aktualisierte Vertragsmodelle an, die noch transparenter und einfacher zu verwalten sind als die bisherigen.

Neuester technischer Stand

Bereits im Vorfeld der Neugestaltung wurde die Technologie des Easy-Oil-Systems einem Relaunch unterzogen. Auf der Suche nach einem geeigneten Anbieter, der sowohl die Messsonden als auch das GSM-Übertragungsmodul liefern konnte, wurde das Unternehmen auf die in Winterthur ansässige Keller Druckmesstechnik aufmerksam. Das weltweit operierende Unternehmen macht rund zehn Prozent seines Umsatzes mit Anwendungen, in denen Drucksonden zur Messung von Füllständen eingesetzt werden.

Technisch möglich ist dies, weil der Druck an einer bestimmten Stelle eines Tanks proportional zur Höhe des Füllstandes steigt. Aus dem gemessenen Druck kann deshalb auf elektronischem Wege sehr genau der entsprechende Füllstand errechnet werden. Entsprechend der Tankform kann der aktuelle Inhalt in Liter ermittelt werden.

Der Nutzwert des Easy-Oil-Systems basiert auf der Kombination von Messung und Fernübertragung. Bei der Lösung, die Keller Druckmesstechnik für Avia Osterwalder entwickelt hat, konnten die Druckmessspezialisten auf Erfahrungen mit Kunden aus der Wasserwirtschaft zurückgreifen, wo ähnliche Konzepte bei der Überwachung von Grund- und Flusswasserpegeln zum Einsatz kommen. Da die zugrunde liegende Technologie bei Keller entwickelt wird, sind solche Sonderlösungen für Kunden flexibel und schnell möglich.

software via Webportal

Zur effizienten Einkaufsplanung erlaubt die Software via Webportal die Visualisierung der aktuellen Tankfüllstände, der Verbrauchs- und Bestellungshistorie. Unterschiedliche grafische Darstellungsmöglichkeiten sorgen für eine transparente Gesamtübersicht. Bild: Keller Druckmesstechnik

So hatte Keller schon ein GSM-Modem entwickelt, das den Datenaustausch per E-Mail, SMS und FTP unterstützt. Für Avia Osterwalder fertigte Keller die modifizierte Variante GSM-3, die zusätzlich die Option bietet, per SMS mit den Verbrauchern zu kommunizieren. „Es hat sich, auch durch Kundenbefragungen, herausgestellt, dass dies die sicherste und von den Kunden bevorzugte Variante ist“, erklärt Avia Osterwalder.

Eine SMS gewährleistet – noch eher als E-Mail – eine zeitnahe Benachrichtigung des Kunden, ist Spam-sicher und eindeutig personalisierbar. „Bei einer E-Mail besteht – gerade in Büros – eher die Möglichkeit, dass sie von verschiedenen Personen abgerufen wird, die vielleicht nicht alle befugt sind, eine Einkaufsentscheidung zu treffen. Auf diese Art und Weise könnte wertvolle Zeit verloren gehen.“

Sicher für den Ex-Bereich

Das GSM-3 besteht aus dem Modem selbst und der sogenannten SB-Box, an die bis zu drei Keller-Drucktransmitter mit Spannungsausgang (0,5 bis 4,5 Volt) angeschlossen werden können. Die Box beinhaltet drei eingebaute Sicherheitsbarrieren (SB). Diese Schaltungen ermöglichen die Verarbeitung des elektrischen Messsignals auch an Tankstellen. Deren gashaltige Atmosphäre könnte durch einen elektrischen Funken zur Explosion gebracht werden.

Der Drucktransmitter, der in einer solchen Umgebung misst, muss deshalb eigensicher sein. Die Sicherheitsbarriere begrenzt die abgegebene elektrische Leistung des Messsystems innerhalb der explosionsgefährdeten Zone. Das GSM-3 selbst darf nur außerhalb des Ex-Bereichs installiert werden. Im Rahmen des Gesamtpakets liefert Keller auch die Pegelsondenkabel, die für die Übertragung des Messsignals eingesetzt werden.

avia Tankwagen

Auf Vorrat tanken, wenn der Tankwagen gerade in der Nähe ist – mit dem neuen System kann Avia Osterwalder St. Gallen seinen Kunden diesen Service bieten. Bild: Avia

Für die Easy-Oil-Systeme an Tankstellen setzt Keller seine eigensichere Pegelsonde 26 Y Ei ein. Bei Heizöltanks, die nicht unter dem Ex-Bereich eingestuft sind, findet die konventionelle Variante Verwendung. Wie alle Druckmessgeräte von Keller basieren die Transmitter auf der piezoresistiven Silizium-Messzelle, die bereits von Unternehmensgründer und Geschäftsführer Hannes W. Keller Ende der 1960er-Jahre erfunden wurde.

Die geringfügige mechanische Verformung, die der Druck auf ein piezoresistives Element im Sensor ausübt, erzeugt eine Widerstandsänderung, welche wiederum eine elektrische Spannung erzeugt, die als Messsignal dient. Der sogenannte Temperaturfehler wird bei der Serie 26 Y, zu der die Pegelsonde gehört, elektronisch kompensiert.

Alles aus einer Hand

Aufgrund der langjährigen Erfahrung kann Keller die Drucktransmitter für das Easy-Oil-System mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis realisieren. Für die Langlebigkeit der Produkte – auch in einem aggressiven Medium wie Benzin – bürgen das robuste Edelstahlgehäuse der Schutzart IP68 und die Tatsache, dass die Silizium-Messzelle durch eine Edelstahlmembran vor dem Messmedium geschützt ist. „Ursprünglich hatten wir geplant, von Keller nur die Drucksonden zu beziehen“, erinnert sich ein Spezialist für Easy-Oil-Geräte bei Avia Osterwalder St. Gallen. „Im Projektverlauf zeigte sich aber, dass Keller vor allem viel Erfahrung mit der Fernübertragung von Messdaten hat. Dies veranlasste uns, Keller mit der Lieferung des Gesamtpakets zu beauftragen.“

Somit bezieht das Unternehmen nunmehr je nach Einsatzort des jeweiligen Easy-Oil-Systems die konventionelle Pegelsonde 26 Y oder die eigensichere Variante 26 Y Ei, die Übertragungseinheit GSM-3 sowie die Kabel, deren Länge je nach Einsatzort variiert. Die Endmontage der Systeme bei seinen Kunden und die Konfigurierung der Software übernimmt Avia Osterwalder selbst. bf

Technik im Detail

Eigensichere Piezoresistive Drucktransmitter

Die piezoresistiven Drucktransmitter der Serien 23 (S)Y Ei, 25 Y Ei und 26 Y Ei sind für Anwendungen in stark explosionsgefährdeten Umgebungen der Gruppe II (Gas und Staub) geeignet. Die Transmitter der Y-Linie haben einen sehr geringen Temperaturfehler. Dies wird erreicht durch eine Zusatzschaltung, die einen Temperatursensor enthält, der die Temperatur-Spanne in Felder von 1,5 Kelvin (K) Breite unterteilt. Für jedes Feld werden nach einem mathematischen Modell die Kompensationswerte für TK Null und TK Gain berechnet und in die Zusatzschaltung programmiert.

Im Betrieb werden diese Werte in den analogen Signalpfad in Abhängigkeit der Temperatur eingespeist. Jede Temperatur ist für diesen Transmitter die „Kalibriertemperatur”. Die Genauigkeit ist hauptsächlich durch die Linearität bestimmt. Es stehen 120 Felder zur Verfügung, also eine mögliche Temperatur-Spanne von 180 K. Je größer die Temperatur-Spanne, desto größer der Testaufwand, wenn man die Ungenauigkeiten des mathematischen Modells minimieren will. Die Werte:

  • Druckbereiche: 0,2…1000 bar
  • Ausgang: 4…20 mA, 0…5 V, 0…10 V
  • Genauigkeit: ± 0,25 %FS
  • Lagertemperatur: -40…100 °C.