Steuerung Aventics, Bild: Aventics

Nach der Abspaltung der ehemaligen Bosch-Rexroth-Tocher mussten alle CAD-Systeme neu aufgesetzt werden. Bild: Aventics

Aventics hat eine lange Geschichte unter wechselnden Namen. Das Unternehmen entstand als Pneumatik-Abteilung der 1869 gegründeten Wabco Westinghouse, das mit Umwegen 2001 an Bosch verkauft wurde. Schließlich gliederte Bosch das Pneumatik-Geschäft im Jahr 2013 als eigenständiges Unternehmen aus und verkaufte es. Bis dahin unter dem Namen Rexroth Pneumatics bekannt, folgte auf der Hannover Messe 2014 der Launch des neuen Markennamens Aventics.

Bis zur Ausgründung hatten die Mitarbeiter der damaligen Bosch-Rexroth-Pneumatikabteilung mit Software gearbeitet, deren Lizenzen im Bosch-Konzern zentral verwaltet und verteilt wurden. Auch der Support wurde weitgehend von der IT-Abteilung der Muttergesellschaft geleistet. Nun sollte zum Juni 2013 eine eigene Umgebung aufgebaut werden, die komplette Netzwerktrennung war für Juni 2014 geplant.

Neue Entwicklungsumgebung schaffen

Bis zur kompletten Netzwerktrennung war es also notwendig, eine Entwicklungsumgebung für mehr als 130 Pro/Engineer-Anwender zu evaluieren, zu planen und zu implementieren. Zudem musste ein PDM-System aufgebaut, mit den eigenen Daten aus der bisherigen Bosch-Rexroth-Datenbank gefüllt und für über 200 Anwender zugänglich emacht werden. „Wir hatten nichts – keine eigenen Lizenzen, keine Strukturen und keinen Support“, sagt Raimund Buschmann, Teamleiter CAx Applications & Simulation.

PTC Creo beziehungsweise zu dieser Zeit Pro/Engineer und PTC Windchill PDMLink als CAD- und PDM-Lösung waren von Anfang an gesetzt, diese Systeme hatte man bisher genutzt und war sehr zufrieden. Allerdings lag Bosch Rexroth in Bezug auf die eingesetzten Softwareversionen relativ weit zurück, sodass nicht nur die Anschaffung eigener Lizenzen, sondern auch das Update von PDM- und CAD-Systemversion auf der To-do-Liste stand.

Raimund Buschmann, Bild: Aventics
Raimund Buschmann, Teamleiter CAx Applications & Simulation bei Aventics. Bild: Aventics

Sorgen machten Buschmann vor allem die Zusatztools, die von Bosch programmiert worden waren und von deren Updatezyklus Aventics nach der Netzwerktrennung ebenfalls abgeschnitten gewesen wäre. Buschmann erinnert sich: „Da gab es eine ganze Reihe sehr cleverer Lösungen, die wir aber nicht weiterverwenden konnten. Wir hätten nach dem Stichtag keine neuen Versionen mehr erhalten, das heißt, das nächste Update einer Komponente – Betriebssystem, PDM oder CAD – hätte dazu geführt, dass wir mit einer nicht mehr funktionierenden Lösung dagestanden wären. Zudem hätten uns die alten Kollegen nicht mehr helfen dürfen, selbst wenn sie gewollt hätten. Wir mussten also auf die Suche nach Ersatz gehen.“

Startup-Tools

Recht schnell stieß Buschmann auf Inneo und deren Startup-Tools. „Zum einen ist Inneo ein sehr erfahrenes Systemhaus im Umfeld der PTC-Lösungen, die wir im Einsatz haben, zum anderen hat Inneo mit den Startup-Tools eine Sammlung von Zusatzanwendungen im Angebot, die einen großen Teil unserer Anforderungen abdeckten.“

Die gesuchte Lösung sollte drei Bereiche abdecken: Den Start von Pro/Engineer über ein Auswahlmenü, um das CAD-System in der jeweils gewünschten Konfiguration starten zu können, ein Attributmananger zum automatisierten Ausfüllen von Schriftfeldern und Modellparametern sowie eine ausgefeilte Lösung für modulare Zeichnungsvordrucke.

Startup-Tools-Startfenster, Bild: Aventics
Beim Startup-Tools-Startfenster kann der Anwender die Produktiv- oder die Entwicklungsversion der CAD-Lösung aufrufen. So wird die Startzeit des CAD-Systems deutlich verkürzt. Bild: Aventics

Beim Erstellen einer Zeichnung konnte das Fertigungsverfahren ausgewählt werden, woraufhin die dafür notwendigen Anmerkungen, Informationen und Toleranzen automatisch in der Zeichnung erschienen. Für diesen Bereich konnte bis heute keine Lösung gefunden werden, die beiden ersten Anforderungen deckte Inneo mit den Startup Tools ab.

„Wichtig war uns vor allem, dass die Lösung einfach zu administrieren sein musste, da wir ja nicht mehr auf die umfangreichen IT-Ressourcen unserer ehemaligen Mutter zurückgreifen konnten“, erläutert Buschmann. „Eine fertige Lösung mit möglichst wenigen individuellen Anpassungen war deshalb interessanter als die Eigenprogrammierung, die bei jedem Update nachgeführt hätte werden müssen. Der Nachteil ist natürlich, dass eine Lösung von der Stange nie alle Anforderungen so erfüllen kann wie eine Individualprogrammierung, aber das ist das geringere Übel.“

Entwicklungsmöglichkeiten bieten

Zudem sollte das neue Tool Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Einige der Anforderungen der Aventics-Anwender wurden von Inneo in den Lieferumfang der Startup-Tools übernommen, beispielsweise eine „rollierende Änderungszeile“, die automatisch Platz in der Änderungstabelle des Zeichnungsschriftfelds schafft, oder eine mehrsprachige Datenbankabfrage.

Die Übernahme von SAP-Daten wie den Informationen zum aktuellen User oder der SAP-Materialnummer in Schriftfelder und in die Metadaten von 3D-Modellen war dagegen schon verfügbar, ebenso diverse Prüfungen, beispielsweise auf zulässige Zeichen oder Feldlängen in den Metadaten.