Vernetze Fabrik, Bild: © Mimi Potter Fotolia.com

Die Fluidtechnik wird in der Industrie 4.0 ein Treiber sein. Bild: © Mimi Potter Fotolia.com

Wie viel Industrie 4.0 ist in der Fluid-Technik zu finden?
In der Fluid-Technik ist viel Industrie 4.0 zu finden. Das hat einen ganz einfachen Grund: Heute findet man in Systemen bereits intelligente Software, die eine Integration in die Industrie 4.0-Lösungen möglich macht. Insofern ist die Fluid-Technik nicht nur per se Industrie 4.0-tauglich, sondern auch als zentrale Komponente für die Zukunft gesetzt.

Sie sprechen der Fluidtechnik also eine Schlüsselrolle im Rahmen der zukünftigen Industrie 4.0-Entwicklung zu. Wie können Sie das begründen?
Ich beziehe das zum Beispiel auf eine Baumaschine. Sie brauchen eine gewisse Kraft, die sie an der Baumaschine umsetzen müssen. Da ist die Hydraulik als Fluid-Technik absolut gesetzt und das wird auch für absehbare Zeit immer so bleiben. Sie ist aber auch so flexibel einsetzbar, dass sie eben in ganz unterschiedlichen Anwendungsgebieten ihre Verwendung findet. Das macht es eben auch so interessant.

Welche Anwendungen wären das noch?
Klassische Industrieanwendungen, in denen quasi Antriebsmodule oder Überwachungssysteme umzusetzen sind. Dann findet man entweder pneumatische oder eben je nach Anwendungsgebiet auch hydraulische Systeme, die hier absolut ihre Berechtigung haben.

Bastian Deck, Bild: fluid
Bastian Deck, Geschäftsführer der Hirschmann MCS. Bild: fluid

Und die immer intelligenter werden.
Genau. Es ist aber auch so, dass immer mehr Software in die Systeme hinein wandert. Immer mehr Daten werden generiert, gesammelt und weitergegeben. Zukünftig wird eine Hydraulik-Komponente auch Daten empfangen, auswerten und sich auf die Daten intelligent einstellen können.

Wenn man sich so eine Antriebskomponente vorstellt, die weiß, mit was für einem Gewicht ein Werkstückträger in fünf Sekunden auf sie zukommt, dann kann sie sich natürlich auch schon effizient darauf einstellen und damit ressourceneffizienter arbeiten.

Der Fluid-Branche sagt man nach, dass sie eher konservativ ist. Inwieweit ist die Industrie 4.0 in der Branche angekommen? Steht sie nicht erst am Anfang?
Sicherlich. Nur weil eine Komponente jetzt Software hat, ist das noch lange keine Industrie 4.0. Ich denke, Industrie 4.0 definiert sich über die vollständige Vernetzung. Und die vollständige Vernetzung haben wir heute sicherlich noch nicht umgesetzt, schon gar nicht komponentenübergreifend. Fluid-Technik ist wahrscheinlich schon eine konservative Industrie, die aber ganz klar den Trend mitgeht.

Jetzt ist es an der Zeit, darüber nachzudenken, was ich mit den Daten mache, die ich generiere. Wir sprechen hier über Predictive Maintenance und Condition Monitoring. Jeder einzelne Hersteller und Fluid-Player tüftelt gerade selbst daran, wie er sich in so einem Gesamtsystem integrieren kann. Ich würde die Branche daher nicht so konservativ sehen, sondern hier wird aktuell schon viel an der Zukunft mitgestaltet.

Sie hatten vorhin darüber gesprochen, dass Daten jetzt auch vermehrt gesammelt werden. Allerdings hat man schon früher Daten gesammelt, ohne daraus etwas zu machen. Was muss man als Fluid-Techniker jetzt machen?
Zwar hat sich in den letzten vier bis fünf Jahren beim Thema Daten sammeln und Daten auswerten viel getan, aber es ist für viele Anwender in diesen Einsatzgebieten nach wie vor neu. Gerade die IT-Systeme sind heute viel intelligenter, als sie es jemals zuvor waren.

Datenanalysen sind einfacher. Ich kann heute mit großen Datenmengen jonglieren und Korrelationen herstellen, wie ich es vorher noch nie tun konnte. Als Fluid-Techniker öffnen sich mir für die Zukunft völlig neue Möglichkeiten. Ich kann Informationen in Relation setzen, die ich vorher nicht in Verbindung setzen konnte. Gerade die Industrie 4.0 ist sehr stark datengetrieben und wird auch immer stärker von Daten getrieben werden.

Wie entwickelt sich die Industrie 4.0 in den nächsten Jahren in der Fluid-Branche? Was können wir erwarten?
Wir werden sehen, dass sich Allianzen bilden. Ich denke, die großen Player werden weiterhin versuchen, das Thema zu treiben, werden dann aber auch feststellen, dass man es alleine nicht lösen kann. Wir werden viel Integration über die unterschiedlichen Schichten eines Unternehmens vom Sensor zur Maschine in die Produktion, in die Produktionssteuerung bis hin zum Unternehmen und Kunden sehen.

Diese Vernetzung funktioniert nur, wenn die großen Player sich miteinander abstimmen. Industrie 4.0 wird weiterhin der Trend bleiben. Dabei ist es eigentlich kein Trend mehr, sondern eine echte Bewegung geworden. Sie wird uns begleiten und uns helfen, unseren Standort Deutschland weiter wettbewerbsfähig zu halten.

Was müssen dann die mittelständischen Unternehmen in der Fluid-Branche tun?
Jeder hat aktuell die Möglichkeit, sich Gedanken zu machen, wie man sich in das Konstrukt Industrie 4.0 integrieren kann. In den nächsten zehn Jahren wird man weg sein von dem klassischen Komponenten-Herstellermodell. Je stärker man mit Daten arbeiten wird, umso schwieriger wird es für ein mittelständisches Unternehmen sein, nur noch eine Komponente zu liefern.

Also muss man sich heute schon Gedanken machen, wie ich mich in dem zukünftigen Wertschöpfungsprozess integrieren kann. Ohne eine solche Integration wird es zukünftig nicht mehr gehen.