Richard Jenkner, Argo-Hytos. Bild: fluid
Richard Jenkner ist Leiter Produkt­management International für den Bereich Filtration bei Argo-Hytos. Bild: fluid

Beim Thema Industrie 4.0 steht die Branche in den Startlöchern, ist Jenkner überzeugt: „Die renommierten Filterhersteller bieten mittlerweile ein komplettes Spektrum an Sensorik zur Partikelzählung, Online-Partikelzählung, Wassermessung, Messung der relativen Feuchte bis hin zu Condition Monitoring an. Beim Condition Monitoring werden physikalische Kenngrößen überprüft oder gemessen wie Temperatur, Leitfähigkeit, Permittivität und Viskosität.“ Anhand dieser Daten lässt sich beispielsweise sofort erkennen, wenn ein Wasser­einbruch stattgefunden hat oder das falsche Öl nachgefüllt wurde. Auf die Daten über eine Fernabfrage zuzugreifen, ist heute schon möglich, Jenkner rechnet aber damit, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis sich diese Praxis flächendeckend durchsetzt.

Die Laboranaylse könnten Sensoren jedoch nicht ersetzen, erklärt Bots: „Gerade der Ölzustand ist mit einem Sensor aktuell kaum genau zu erfassen, weil bei den meisten bestehenden Systemen aus einem einzigen Signal, wie zum Beispiel der Veränderung der Leitfähigkeit, auf eine Vielzahl von Veränderungen Rückschlüsse gezogen werden sollen.“ Die Leitfähigkeit wird zum Beispiel durch Wasser, Vermischung, Ölalterung und Additivabbau beeinflusst. „Da ist sehr schwer, aus einem Messwert abzuleiten, was wirklich passiert. Auch eine detaillierte Information über die im Öl befindlichen Elemente mit denen der Verschleiß, Verunreinigungen und die Additivierung bewertet werden, ist aktuell noch nicht möglich.“

Für die Langzeitprognostik brauche es die Details aus der Ölchemie. Gaule ergänzt, auch moderne Auswerteelektronik von Ölsensoren arbeite mit Referenzwerten, die für jedes Öl und jeden Sensor spezifisch seien. „Wenn ich also immer mit demselben Öl und demselben Sensor fahre, kann ich mit dem permanenten Online-Signal des Sensors schon eine Verbesserung der Einsatzsicherheit besonders bei langen Ölwechselintervallen erreichen. Gerade in der Bauindustrie werden Öle aber oftmals gemischt.“ Und damit würden die Referenzwerte nicht mehr zutreffen.

Aufwärmübungen

Gerhard Gaule, Hermann Bantleon.Bild: fluid
Gerhard Gaule ist technischer Leiter bei Hermann Bantleon.Bild: fluid

Für Anwender ist die temperaturabhängige Viskositätsänderung beim Anfahren der Maschine ein Thema, wie eine Anfrage bei Sumitomo Demag ergab. Teilweise muss das Öl vorgewärmt werden. Später, wenn die Maschine läuft, darf es aber nicht zu dünnflüssig sein. „Das lässt sich über Additive erreichen, besser ist es aber, über das Grundöl zu gehen. Es sollte für diesen Fall einen sehr hohen Viskositätsindex haben, sodass die Abhängigkeit von der Temperatur nicht so hoch ist“, rät Spanke. Wie die Lösung im Einzelfall aussieht, könne der technische Außendienst eines Ölanbieters klären.

Von der Filterseite her müssten sich Anwender, sobald das System einmal abgereinigt sei, keine Sorgen machen wegen einer hohen Viskosität in der Warmlaufphase und damit kurzzeitig geöffneter Bypass-Ventile am Filtergehäuse, sagt Jenkner.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Schmierstoffe, besonders Hydrauliköle, sind Konstruktionselemente. Wer bei der Entwicklung schon früh festlegt, welche Effekte er erreichen will, kann einiges herausholen. Dabei helfen Condition-Monitoring-Werkzeuge. Wer möglicherweise eine maßgeschneiderte Filterlösung benötigt, sollte ebenfalls zeitig mit einem Hersteller Kontakt aufnehmen. Bei der Wahl der Ölqualität helfen die technischen Hotlines und Außendienste der entsprechenden Anbieter.

Video: Die gesamte Expertenrunde (58 Minuten)