Jörg Spanke, Shell, Bild: fluid
Jörg Spanke ist Leiter schmierstofftechnischer Außendienst und technische Hotline in West- und Nordeuropa bei Shell. Bild: fluid

Die Ölauswahl hat tatsächlich Einfluss auf die Effizienz, allerdings nicht immer so, wie man denken würde. Intuitiv liegt die Vermutung nahe, dass ein dünnflüssigeres Öl mit einer niedrigeren Viskosität Energie spart, da die mechanische Effizienz steigt. Das ist jedoch nicht unbedingt so. Gerade bei den mobilen Maschinen spielt der volumetrische Wirkungsgrad mit hinein, der mit sinkender Viskosität stark abnimmt und den positiven Effekt einer höheren mechanischen Effizienz überkompensieren kann. Außerdem erhöhen sich in der Hydraulikpumpe mit einem dünnflüssigeren Öl die Leckverluste.

„Insbesondere in Axialkolbenpumpen können dünnere Öle teilweise zu Mehrverbrauch führen. Viskosität in Bezug auf die Temperatur, Additivierung und Einsatzbedingungen, aber auch der Maschinentyp spielen bei diesem Thema zusammen“, erläutert Gaule. Für die Hersteller ist es daher schwierig, die Kraftstoffeinsparung für ein Öl genau anzugeben, da der Effekt von Maschine zu Maschine variieren kann. Unstrittig ist, dass die spezifische Dichte der Hydrauliköle mit Einsparungen korreliert, weil die Maschine das gleiche Volumen Öl mit weniger Energie beschleunigt und bewegt.

Von der Größenordnung her sind über ein entsprechendes Hydrauliköl drei bis fünf Prozent Energieersparnis in bestimmten Anwendungen möglich. Bei höheren Zahlen rät Spanke zur Vorsicht: „Es wird teilweise das Blaue vom Himmel runter versprochen. Wenn jemand sagt, Sie könnten mit einem Hydrauliköl 15 Prozent oder mehr sparen, ist das einfach nicht seriös.“

Zur Energieeffizienz einer Hydraulikanlage tragen auch die Filter bei. Richard Jenkner, Leiter Produktmanagement International für den Bereich Filtration bei Argo-Hytos, beobachtet, dass viele Hersteller versuchen, den Durchflusswiderstand im Filtermedium zu minimieren, zum Beispiel durch einen mehrschichtigen Aufbau. Dabei wirken eine Vorfilterschicht und eine Feinfilterschicht zusammen. Das ergibt in Summe eine große Schmutzaufnahmekapazität, aber auch einen geringen Durchflusswiderstand.

Eine Frage der Reinheit

Steffen, Oelcheck, Bild: fluid
Steffen Bots ist Leiter Kundenservice und Vertrieb bei Oelcheck. Bild: fluid

Ein Kritischer Zeitpunkt für Öl und Filtration ist die Inbetriebnahme, auch nach einer Reparatur. Dabei sollte das Bypass-Ventil im Filtergehäuse stets geschlossen sein, rät Jenkner. Denn trotz aller Bemühungen um das Thema Komponentenreinheit lasse sich eine leichte Verschmutzung kaum verhindern. Beispielsweise entstünden beim Zusammenschrauben von Verrohrungen Partikel, die massive Schäden verursachen können. Auch der Ölwechsel hat Tücken und kann zur Kontamination führen, beispielsweise wenn das Öl dazu in eine Ölkanne umgefüllt wird. Eine hohe Reinheitsklasse ersetzt also nicht die Filtration in der Maschine.

Unerwünschte Effekte treten oft beim Vermischen von Ölen auf: Wenn zinkhaltige und zinkfrei additivierte Hydrauliköle zusammenkommen, können beispielsweise Ausflockungen oder Verklebungen die Folge sein. „Da kann eine ganze Menge passieren“, sagt Bots. „Unsere Erfahrung ist, dass in der Praxis immer wieder Vermischungen entstehen, weil es für den Anwender schwierig ist, die beiden Gruppen überhaupt auseinanderzuhalten.“

Dazu komme, dass Komponenten beim Zulieferer oft mit der einen Ölsorte getestet werden, der Maschinen- oder Anlagenhersteller dann aber die andere verwendet. In den Hauptgetrieben von Windkraftanlagen kam es in der Vergangenheit beim Einsatz von synthetischen Hochleistungsgetriebeölen zu ähnlichen Problemen. Inzwischen testen die Hersteller diese Getriebe daher auf dem Prüfstand mit dem gleichen Öl, das später auch im Feld verwendet wird oder es müssen entsprechende Spülvorschriften beachtet werden. „Das wäre auch für andere Branchen ein ganz praktischer Ansatz, um in der Konstruktion mit relativ einfachen Mitteln sehr viel zu erreichen“, regt Bots an. Wenn ein Unternehmen Anbaugeräte unterschiedlicher Hersteller verwendet, lässt sich Vermischung kaum verhindern.