Hydrauliköl als Komponente, Bild: Zffoto - Fotolia

Bei allzu vollmundigen Versprechen, beispielsweise zur Energieeffizienz, ist Vorsicht geboten. Bild: Fotolia - Zffoto

Öl ist nicht gleich Öl. Die Hydraulikflüssigkeit beeinflusst beispielsweise die Energeieeffizienz einer Maschine. Dennoch beschäftigen sich Konstrukteure in der Praxis oft zu spät, nämlich erst am Ende der Entwicklungsphase, mit dem Thema. Dazu kommt in vielen Fällen ein Informationsdefizit. Der Leiter des Kundenservice und Vertriebs bei Oelcheck Steffen Bots berichtet: „Oft wird lediglich die Viskosität und gegebenenfalls die Mindestanforderung nach DIN 51524 als Kriterium verstanden. Die genauen Beanspruchungen, denen ein Hydrauliköl standhalten muss, und auch die Chancen, die Hochleistungshydrauliköle bieten, sind zum Teil nicht bekannt.“

Das hängt einerseits damit zusammen, dass Hydrauliköl in vielen technischen Studiengängen kaum behandelt wird. Andererseits sind in den Datenblättern der Ölanbieter oft nur wenige Informationen zur Ölqualität vermerkt. Und auch die Normen taugen nicht recht zur Orientierung.Wer sich informieren will, muss andere Kommunikationswege nutzen.

Dies zeigt sich am Beispiel der Oxidationsstabilität. Sie ist ein wichtiges Ölkennzeichen und beeinflusst, wie lang das Öl genutzt werden kann, also welche Alterungsverhalten es zeigt. Diesen Wert liefert der Tost-Test (Turbineoil Oxidation Stability Test). „Die DIN 51524 Part 2 fordert ein Alterungsverhalten von mindestens 1000 Stunden. Das ist keine hohe Anforderung und viele Produkte erfüllen diese“, erklärt Jörg Spanke, Lubricants Technical Manager Europe West & North bei Shell.

Schon ein gutes Mittelklasseöl schaffe 2500 bis 3500 Stunden. Hingegen könnten neueste Mittelklasseöle durchaus bis 5000 Stunden durchhalten, sagt Spanke und synthetische Öle nochmals erheblich länger. Es geht also deutlich besser als in der Norm angegeben. Ergebnisse des Tost-Tests könne ein Konstrukteur über technische Helpdesks und im Zweifelsfall über den technischen Außendienst eines Anbieters erhalten, führt er aus.

Totale fluid Expertenrunde Hydrauliköl, Bild: fluid
Experten von Argo-Hytos, Shell, Hermann Bantleon und Oelcheck im Gespräch über Hydrauliköl. Bild: fluid

Das Problem bei vielen Laborwerten ist, dass sie richtig interpretiert werden müssen. Auch dafür ist der Tost-Test ein Beispiel. Gerhard Gaule, technischer Leiter bei Hermann Bantleon erklärt: „Für Mineralöle in der Mobilhydraulik nehmen wir den nassen Tost-Test, weil ja auch die Hydraulik in der Praxis nicht vor Wasser geschützt ist.“

Allerdings erreichen Ester-basierende Hydrauliköle im nassen Tost-Test nie die 1000 Stunden Laufzeit bis zum Testende-Kriterium, wie in der DIN 51524 für Mineralöl-basierende Hydrauliköle gefordert. Bei diesen Ölen ist nach 200, vielleicht 300 Stunden das Testende-Kriterium erreicht. Denn Ester können hydrolisieren, das heißt sie reagieren mit Wasser. Dabei wird Ölsäure und Alkohol abgespalten. Damit diese Ester-basierenden Schmierstoffe ebenfalls eine positive Abprüfung absolvieren können, wurde ein weniger strenger Oxidationstest ohne Wasser entwickelt. „Aber der ist natürlich nicht vergleichbar mit dem nassen Tost-Test für die Mineralöle“, betont Gaule.