fluid-Expertenrunde

In der fluid-Expertenrunde spricht die Redaktion regelmäßig mit Experten aus Wissenschaft und Industrie über die Themen, die die Branchen Hydraulik, Druckluft und Mechatronik beschäftigen. In der fluid 4/2016 erwartet Sie eine Runde zu funktionaler Sicherheit. Bilder: fluid/hei

Pumpen sind im Grunde eine sehr alte Technik. Entsprechend vielfältig sind sie am Markt vertreten. Es gibt Zahnradpumpen, Flügelzellenpumpen, Radial- sowie Axialkolbenpumen und noch einige Sonderformen mehr. Manch einem Konstrukteur stellt sich da die Frage: Was ist die beste Pumpe, die modernste, die technisch sinnvollste? „Wenn man es weltweit rein von der Stückzahl und entsprechend vom Umsatz sehen würde, ist sicherlich die Zahnradpumpe nach wie vor dominant“, erklärt Dr. Mark Krieg die aktuelle Situation. Dr. Krieg ist Entwicklungsleiter Pumpen und Motoren bei Parker Hannifin Europa. „Andererseits holen Schrägscheibenpumpen, also Axialkolbengeräte aufgrund spezifischer technologischer Vorteile mittlerweile auf“, ergänzt er, „die verschiedenen Pumpentechnologien haben alle ihre Daseinsberechtigung.“

Prof. Dr. Jürgen Weber, Direktor des Instituts für Fluidtechnik, TU Dresden

„Wichtig ist heute, die hydraulischen Antriebsstrukturen zu individualisieren. Das ist die Voraussetzung für energieeffiziente Systeme und weitere Integration von dezentraler Intelligenz.“

Dem pflichtet Prof. Dr. Jürgen Weber, Direktor des Instituts für Fluidtechnik an der TU Dresden bei: „Man könnte dahingehend differenzieren, dass die einzelnen Pumpenbauarten auch in der Lage sind, in ihrer Anwendung unterschiedliche Druckniveaus zu realisieren. Die Zahnradpumpen, um bei dem Beispiel zu bleiben, sind eher dem Mitteldruckbereich vorbehalten, und die Kolbenpumpen eher den Hochdruckanwendungen. Insofern würde ich dort eine Differenzierung sehen. Im Grunde genommen gibt es nur eine applikationsspezifische Differenzierung.“

Dr. Mark Krieg, Entwicklungsleiter Pumpen und Motoren, Parker Hannifin

„Aufgrund der hohen Leistungsdichte und Zuverlässigkeit werden Hydraulikpumpen und -motoren weiterhin eine zentrale Rolle in mobilen Maschinen spielen, durch die Integration von Elektrik und Sensorik wird die Position im Hinblick auf steigende Anforderung der Kunden noch gestärkt.“

Effizienz auf dem Vormarsch

Es gibt drei große Treiber im Bereich Hydraulikmotoren und Pumpen. Produktivität, Zuverlässigkeit und Energieeffizienz. Darüber, welcher Faktor die Kunden derzeit am meisten umtreibt, gehen die Meinungen der Experten auseinander. „Die Energieeffizienz, glaube ich, hat die Anwender in den letzten Jahren ganz massiv getrieben“ sieht Prof. Weber die Lage. „Meiner Meinung nach sind die Projekte mit Priorität unter dem Blickwinkel der Energieeffizienz vorangetrieben worden. Das heißt, man hat immer wieder versucht zu hinterfragen, welche Strukturen möglichst energieeffizient geeignet sind für die einzelnen Anwendungen.“

Bild: Parker
Ein wichtiger Trend bei Pumpen ist auch die Elektronifizierung und Vernetzung zwecks Predictive Maintenance. Bild: Parker

Dieser starke Fokus der TU Dresden auf die Energieeffizienz mag daran liegen, dass hier vorrangig geforscht wird. Denn wenn es um die realen Kundenwünsche geht, sind die Erfahrungen von Herstellern etwas differenzierter, wie Dr. Krieg erklärt: „Energieeffizienz ist ein Thema. Aber unsere Kunden suchen in erster Linie Produktivität, deshalb haben sie ihre Maschinen, deshalb haben sie die Hydraulikpumpen und Motoren, um damit zu produzieren und produktiv zu arbeiten. Dazu gehört natürlich auch die Zuverlässigkeit: Nur mit einer zuverlässigen Maschine kann ich produktiv sein.“ Hinzu komme, dass durch den niedrigen Ölpreis derzeit generell eine verhaltenere Nachfrage nach Energie sparenden Produkten zu verspüren sei. Langfristig werde die Energieeffizienz aber auch laut Dr. Krieg ein sehr wichtiges Thema sein: „Keine Frage, die Energieeffizienz ist Zukunftsthema Nummer eins.“